Schilde

Bau eines Tropfenschildes

Bau eines Tropfenschildes als Fechtschild

◄ Hier beschreibe ich den Bau eines Tropfenschildes, auch als Mandelschild bekannt, aus der Zeit des frühen 13. Jahrhunderts. Ich möchte einen voll kampftauglichen Fechtschild bauen, den ich für den Fußkampf nutze. Dies beeinflußt die Wahl der Schildmaße, denn der Schild soll mich im Stand ausreichend in der Front schützen.

Darstellung des frühen 13. Jahrhunderts. Die Tropfenschilds sind hier schön zu sehen.

• Als Lagenholz verwende ich drei Stück Pappelholz, 4mm stark, 100cm auf 70cm. Zwischen das Pappelholz leime ich stets eine Zwischenlage Bespannung, hier Segeltuch aus Baumwolle. Das Pappelholz hat den Vorteil reicht leicht zu sein und vor allem ausgezeichnet formbar daherzukommen. Durch die Zwischenlagen aus Bespannung erhalte ich später einen Schild, der nicht zu schwer und vor allem flexibel ist, wenn er schweren Schlägen ausgesetzt ist.

• Der Schildbau erfordert stets recht viel Leim. Ich verwende wasserfesten Propellerleim. Den Leim verstreiche ich immer flächig dünn, wobei ich Reste des Segeltuchs aus Baumwolle einrolle und als Wischer nutze.

• Der Bau beginnt mit der Wölbung der ersten beiden Lagen Pappelholz. Zwischen die beide Lagen Pappelholz habe ich eine Zwischenlage Bespannung verleimt. Noch frisch im Leim bringe ich fünf Spanngurte an. Ich ziehe den Spanngurt in der Mitte vorsichtig an und stelle die anderen vier Spanngurte langsam nach, bis ich bei jedem der fünf Spanngurte auf eine Sehnenlänge von 64-65cm komme. Damit habe ich die Wölbung des Tropfenschilds in Anhängigkeit zu seiner Brete definiert.

• Um die Verleimung deckend auszuführen setze ich am gesamten Rand des Schildrohlings Schraubzwingen an, gut alle 10-15cm. Dadurch verhindere ich eine Spaltenbildung zwischen den Lagen Pappelholz. Dann lasse ich den Schildrohling eine Nacht abbinden.

Plastische Darstellung eines Schildes um 1250.

• Der nächste Arbeitsschritt ist das Aufleimen der dritten Lage Pappelholz. Dazu leime ich erst wieder eine Zwischenlage Segeltuch auf den Schildrohling. Die Bespannung wird dann wieder mit Leim dünn eingestrichen und ich setze die dritte Lage Pappelholz auf. Dies muß mittig auf der Längsachse des Schildrohlings erfolgen, weshalb ich zuvor die Mitte an dem Schildrohling und der dritten Lage Pappelholz anzeichnete.

• Ich ziehe wieder die fünf Spanngurte auf und spann die dritte Lage Pappelholz von außen gegen den Schildrohling. Habe ich meine Sehnenlänge wieder wie gewünscht erreicht, dann bringe ich nochmal die Schraubzwingen an und lassen den Schildrohling eine Nacht abbinden.

Plastische Darstellung eines Schildes um 1250.

• Auf den abgebundenen Schildrohling zeichne ich die gewünschte Schildform an. Das geht bei Rundungen am besten mit steifem Fingergriff am Bleistift aus dem Ellbogen, also mit einem großen Radius. Dann wird der Schild mit der Stichsäge ausgesägt. Hierbei immer auf das Stormkabel achten, damit es nicht in die Säge gelangt! Die Sägekanten versäubere ich mit einem Bandschleifer.

• Der ausgesägte Schild wird an der Innenseite mit einem Rand aus Buchenholzbrettchen beleimt, dazu nehme ich 4mm Buchenholzleisten, 30 oder 40mm breit. Die Buchenholzleisten muß ich etwas in Form sägen. Ich leime auch eine Mittelrippe auf die Schildinnenseite, denn ich möchte den Schild später mit dem Knie gut kontrollieren können, wozu eine kleine Kante sehr nützlich ist. Außerdem versteift die Mittelrippe den Schild ein wenig. Der Buchholzrand verbreitert die Schlagkante des Schildes, ohne ihn viel schwerer zu machen, und das Buchenholz ist gut geeignet den Nagelbesatz aufzunehmen, mit dem ich später die Rohhaut annagele.

• Vorderseite und Rückseite des Schildes werden nochmals mit Bespannung versehen. An der Vorderseite bringe ich sogar noch eine zweite Bespannung auf, um dem Schild zusätzliche Zähigkeit zu geben. Die Schildrückseite erhält noch einen Leimabstrich. Somit können keine Holzsplitter aus der Schildrückseite herausfliegen, wenn schwere Schläge den Schild treffen, und das Gewebe der rückwärtigen Bespannung kann nicht ausfrasen.

• Ich verwende Spaltleder vom Rind, Rohhaut, als Frontbespannung. Dazu schneide ich die Rohhaut mit einer Blechschwere groß zu und weiche sie eine Nacht in Wasser ein. Für das Einweichen benutze ich eine große Speisbütt oder aber die heimische Badewanne. Dann erhält die Schildvorderseite noch einen letzten Leimabstrich. Auf den frischen Leim ziehe ich die eingeweichte Rohhaut auf. Diese lasse ich gut abtropfen. Ich streiche die Rohhaut zu den Rändern mit der Hand glatt und setzte die ersten Nägel in den Buchenholzrand. Dazu verwende ich 14mm Nägel. Ich ziehe die Rohhaut nach allen Seite glatt mit leichter Spannung auf und schneide den Überstand der Rohhaut mit einem Klingenmesser am Brettchenrand innen vorsichtig ab. Zuerst nagele ich den Schild einmal rundherum ab, dann setzte ich noch eine zweite Nagelreihe, zur ersten versetzt. Alle Rundungen muß ich durch Einschnitte an der Rohhaut ausformen. Hierbei sollte die Rohhaut nicht zu weit überdecken, zumeist wird sie gestoßen. Aber auf der Schlagkante des Schildes soll die Rohhaut voll aufliegen. Hier werden später die größten Kräfte walten.

Drei verschiedene Schildgeometrien, alle nach der hier beschriebenen Vorgehensweise gefertigt. Links Tropfenschild, mitte Übergangsform Tropfen- zu Dreiecksschild, rechts Dreiecksschild.

• Ich lasse die Rohhaut zwei Tage abtrocknen und bringe dann die Griffriemen an. Die Griffriemen habe ich aus 4-5mm dickem gegerbten Spaltleder geschnitten, welches  in zwei Lagen aufeinander geklebt wurde. Das Verkleben des Spaltleders für die Griffriemen kann mit Patex oder Uhu erfolgen. Auf dem Ellbogen des Schildarmes setze ich Riemenzunge und eine Schnalle, um verschieden dicken Armbekleidungen gerecht zu werden. Als Halter benutze ich 70mm geschmiedete Eisennägel, an denen ich den ersten Zentimeter absäge, so daß sie stumpf sind. Ich suche mir die Position der Griffriemen auf der Schildinnenseite aus und bohre mit einem 4mm Bohrer behutsam Löcher durch Griffriemen und Schild. Als Unterleger nehme ich harte Rohhautstücke, die ich mit der Blechschere in Form schneide. Ich setzte zwei mögliche Griffriemen für die Schildhand, um verschiedenen möglichen Fechtweisen beim Fußkampf Rechnung zu tragen.

• Die 70mm geschmiedeten Eisennägel werden durch die Front vorsichtig eingeschlagen. Dann stecke ich die Griffriemen auf und die Unterleger aus Rohhaut folgen. Auf dem Amboß schlage die die geschmiedeten Eisennägel um und runde sie hinter den Unterlegern aus Rohhaut mit der Finne des Schlosserhammers etwas aus.

• Als Polster für den Schildarm bringe ich Streifen aus gegerbten Schafsfell an. Das Schafsfell wurde mit einer Schwere kurz geschoren und mit dem Klingenmesser auf die gewünschte Form zugeschnitten. Es wird mit einer handvoll 14mm Nägeln straff gezogen aufgenagelt.

• Als Abschluß bemale ich den Schild mit dem Wappen meiner Familie und setzte auch unser Familienmotto darauf. Als Fechtschild fällt die Bemalung eher schlicht aus, der Schild wird großer Abnutzung ausgesetzt sein. Jetzt kann nach all der Arbeit endlich gefochten werden!

►► Frankfurt am Main, 2010, Richard Cole (Stahl auf Stahl)

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