Aktuell im Forum

Schilde

Bau eines Talhoffer Stechschildes

Bau eines Stechschildes als Fechtschild

◄ Hier beschreibe ich den Bau eines Stechschildes für den gerichtlichen Zweikampf aus der Zeit des 15. Jahrhunderts. Ich möchte einen voll kampftauglichen Fechtschild bauen. Deswegen verzichte ich bewußt darauf, die Enden der Schildfessel spitz auszuführen. Der Stechschild ist generell, allein durch seine Masse, sehr gefährlich. Knochen brechen ist mit diesem Schild allzu leicht. Spitze Holzfesselenden stellen ein tödliches Risiko dar, wovor ich eindringlich warnen möchte. Wer mit dem Stechschild fechten möchte, der sollte auf keinen Fall die Holzenden der Schildfessel anspitzen!

Stechschild Darstellung im "Thott" 1459

• Stechschilde gibt es in den Quellen von Hans Talhoffer in den verschiedensten Ausführungen. Ich wähle die Ausführung mit dem denkbar ungefährlichsten Schildkörper, in der Form wie zwei an der Basis zusammengesetzte Mandeln, wie im „München“ 1467 zu finden. Ich verzichte auf Fanghaken an den Enden der Schildfesseln und Speerspitzen aus Eisen am Schildrand, Widerhaken und die im „Gotha“ 1443 durchgängig dargestellten zwei bis vier Greifhaken am Schildkörper. Die Schildgrößen variieren in den Quellen, zumeist sind die dargestellten Stechschilde deutlich über 2m hoch, im „Gotha“ 1443 um die 2,50m.

• Ich dimensioniere meinen Fechtschild auf 2,13cm Fesselhöhe, 69cm Breite und 10,4kg Masse. Damit sollte er eher in die kleinen (und leichten) Stechschilde passen. Ein wesentliches Merkmal des Stechschilds ist der sargdeckelförmige Schildbuckel aus Holz. Ich möchte einen Schildbuckel von 1,0m Länge und gut 20cm Seitenlängen.

• Als Holzkörper verwende ich ein Stück Birken-Schichtholz, 9mm stark, 200cm auf 68cm. Ich möchte den Stechschild möglichst leicht, aber stoßfest bauen, und verzichte daher schon in der Planung auf eine Bespannung des Schildkörpers mit Leim und Stoff. Nur der Schildbuckel aus Holz soll eine Bespannung erhalten, damit der Schildbuckel schweren Belastungen standhalten kann. Die Schildbuckelseiten fertige ich aus zwei Stück Birken-Schichtholz, 9mm stark, 100cm auf 16cm.

• Dennoch wird der Stechschild eine Menge Leim erfordern, was die Konstruktion des Schildbuckels angeht. Ich verwende wasserfesten Propellerleim. Den Leim verstreiche ich immer flächig dünn, wobei ich Reste des Segeltuchs aus Baumwolle einrolle und als Wischer nutze.

• Der Bau beginnt mit dem Anzeichnen des Schildkörpers. Auf das Schichtholz zeichne ich die gewünschte Schildform an. Das geht bei Rundungen am besten mit steifem Fingergriff am Bleistift aus dem Ellbogen, also mit einem großen Radius. Dazu ziehe ich mir eine Reihe von Maßlinien, um die Symmetrie zu erhöhen. Besonders wichtig ist die gleiche Setzung der Übergänge der Rundungen. Dann wird der Schildkörper mit der Stichsäge ausgesägt. Hierbei immer auf das Stormkabel achten, daß es nicht in die Säge gelangt!

• Der Bau des Schildbuckels aus Holz gestaltet sich etwas aufwendiger. Es ist nötig die Stöße des Schildbuckels auf Gärung auszuschneiden. Die Gärung schneide ich mit der Stichsäge, deren Fuß man verstellen kann. Ich setzte den Fuß der Stichsäge auf 45 Grad fest. Für die Stöße des Schildbuckels verwende ich drei rechtwinklige Holzkeile, um die Kraftübertragung im Schildbuckel zu erhöhen.

• Habe ich die Gärungen geschnitten und mit dem Bandschleifer versäubert, kann ich den Holzbuckel zusammenleimen. Dazu leime ich zuerst eine Keilleiste auf die Gärung auf, nagele sie mit dünnen Drahtstiften ab und setze das zweite Stück des Holzbuckles an. Dann leime ich noch als Verstärkung einen Streifen Baumwoll-Segeltuch über die vordere Kante des Holzbuckels. Der Leim muß dann zuerst über Nacht austrocknen. Innen in den Stoß leime ich ebenfalls einen Streifen Baumwoll-Segeltuch.

• Nach dem Austrocknen schneide ich vom Schildbuckel im 45 Grad Winkel die beiden Enden ab. Wieder müssen Gärungen geschnitten werden, parallel zur Schnittebene im 45 Grad Winkel. Nach dem Abschneiden der Enden habe ich die endgültige Länge und Breite des Schildbuckels und kann dessen Öffnungsmaß am Schildkörper anzeichnen. Ich säge mit der Stichsäge die Öffnung des Schildbuckels aus und versäubere ich mit dem Bandschleifer.

• Da ich gerade kein Eschenholz in der gewünschten Länge zur Hand habe baue ich die Schildfessel aus drei Reststücken Eschenholz 35×45mm. Genausogut kann man natürlich ein Stück von 220cm Länge nehmen. Die Innenseite der Schildfessel im Schildbuckel runde ich mit Hobel und Bandschleifer ab. Dann runde ich die Außenseite der Schildfessel, nicht aber die Aufleimflächen, ab. Um die Stücke gut zu verleimen setze ich ein Scherblatt. Die Schildfessel wird aufgeleimt, wobei ich immer Schraubzwingen benutze. Dann setze ich den Schildbuckel auf. Dieser wird aufgeleimt und mit dünnen Drahtstiften abgenagelt.

• Die beiden Endstücke für den Holzbuckel werden ausgeschnitten und am Schildkörper mit einer Gärung versehen. Jetzt kann ich die Endstücke aufleimen und mit dünnen Drahtstiften abnageln. Die Außenkanten des Schildbuckels runde ich mit dem Bandschleifer ab. Den gesamten Holzbuckel bespanne ich mit einer Lage Baumwoll-Segeltuch in Leim. Auf das Segeltuch bringe ich noch einen Leimfirnis an.

• Ich vervollständige die Schildfessel und leime mit Scherblatt die beiden fehlenden Teil Eschenholz 35×45mm auf. Die Enden lasse ich 6,5cm über den Schildkörper überstehen. Die Kanten der stumpfen Spitzen werden abgerundet. Ich möchte die Schildfessel etwas viereckig haben, weil ich das griffiger finde, die Quellen scheinen aber eher voll abgerundete Schildfesseln darzustellen.

• Um Gewicht zu sparen leime ich den Schildrand mit einem 40mm Streifen Baumwoll-Segeltuch. Ich erwarte wenig Stahlkontakt mit dem Stechschild. Durch den aufgeleimten Rand habe ich auch keine Bohrlöcher zum Aufnähen eines Rohhautrandes, was die Schlagfestigkeit des Schildrands erhöht. Der aufgeleimte Schildrand erhält einen Leimfirnis.

• Als Abschluß bemale ich den Schild mit weißer Wandfarbe und natürlich mit dem immer dargestellten Kreuz in rot. Den Schildrand bemale ich nicht, weil sich die Farbe nicht abreiben soll. Der Stechschild wurde offenbar ausschließlich im Ordal, also im gerichtlichen Zweikampf benutzt, weshalb Wappenfarben entfallen.

►► Frankfurt am Main, 2011, Richard Cole (Stahl auf Stahl)

  • del.icio.us
  • Digg
  • Webnews.de
  • Facebook
  • MisterWong.DE
  • Google Bookmarks
  • Tipd
  • Tumblr
  • Yahoo! Bookmarks
  • Print
  • email
  • Live
  • Diggita
  • LinkedIn
  • Linkter
  • N4G
  • Netvibes
  • Twitter