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Schilde

Bau eines Bucklers und großen Rundschilds

Bau eines Bucklers oder großen Rundschilds als Fechtschild

◄ An dieser Stelle beschreibe ich den Bau von Buckler und großem Rundschild mit Fesselgriff. Beide Schilde gründen sich auf derselben Bauweise, der einzige Unterschied ist der Schilddurchmesser und damit das Schildgewicht. Das wesentliche Merkmal beider Schilde ist der Eisenbuckel und die Schildfessel, also ein zentraler Griff aus Holz. Große Rundschilde dieser Bauart sind von etwa 300 vor bis 1100 nach Christus im Einsatz. Buckler, auch als Faustschilde bekannt, werden vor allem im 12.-15. Jahrhundert für den Zweikampf verwendet. Ich möchte voll kampftaugliche Fechtschilde bauen, die ich für den Fußkampf nutze.

Aus Amiens - BM - ms. 0107, 15. Jhdt.

• Die selbstgebauten Buckler haben gegenüber den käuflichen Bucklers den Vorteil, daß man sie nach Belieben dimensionieren kann. Und natürlich machen die Holzkörperbuckler nicht den Höllenlärm, den Stahlbuckler beim Üben erzeugen. Große Rundschilde in brauchbarer Qualität zu kaufen ist fast nicht möglich, also ist bei großen Rundschilden der Eigenbau ohnehin notwendig.

• Als Holz für den Schildkörper verwende ich ein Stück Birkenmultiplex, fünf Lagen verleimt und 6,5mm stark. Für den Buckler wähle ich einen Durchmesser von 300-400mm, für den großen Rundschild 900-1000mm. Wer einen leichteren großen Rundschild haben möchte kann sich mit 8mm Pappelholz versorgen. Als Faustregel sollten große Rundschild mindestens die halbe eigene Körpergröße hoch sein, besser ist es 100mm Durchmesser zur eigenen halben Körpergröße dazuzurechnen. Buckler sind viel weniger an eine Flächenwirkung gebunden, werden sie doch ausschließlich als Fechtschilde verwendet und müssen deshalb nicht, wie große Rundschilde, gegen Beschuß schützen. Das Lagenholz gibt mir den Vorteil erhöhter Belastbarkeit. So erhalte ich später einen Schild, der nicht zu schwer und vor allem leicht flexibel ist, wenn er schweren Schlägen ausgesetzt ist.

• Der Schildbau erfordert stets recht viel Leim. Ich verwende wasserfesten Propellerleim. Den Leim verstreiche ich immer flächig dünn, wobei ich Reste des Segeltuchs aus Baumwolle einrolle und als Wischer nutze.

• Der Bau beginnt mit dem Anzeichnen des Mittelpunkts und des Durchmessers. Dazu verwende ich einen Nagel, den ich im Mittelpunkt des Buchenmultiplexholzes einschlage, und einen zweiten Nagel an einem Stück Draht oder einem gelochten Metall-Lineal. Mit dem zweiten Nagel reiße ich den Außendurchmesser des Schildes und den Durchmesser für das Griffloch im Holz an. Ich zeichne dann noch den Anriß mit einem Bleistift nach, um die gewählten Durchmesser besser beim Aussägen sehen zu können. Je nach verwendeten Buckler muß man den Durchmesser des Grifflochs einfach am Buckler ausmessen. 140mm sollten das Minimum sein, denn später muß ja die Hand in das Griffloch hineinfassen können.

Aus dem Cod. Pal. germ. 164 Heidelberger Sachsenspiegel, 14. Jhdt.

• Der Buckler sollte aus 2mm Eisen (rostend) bestehen und einen Durchmesser von 180mm aufweisen. Es gibt kostengünstige tiefgezogene Buckler, aber auch hochwertige gehämmerte Buckler, die den Vorteil einer teilweisen Verdichtung des Eisens besitzen. Außerdem sehen die gehämmerten Schildbuckel einfach gut aus.

• Der nächste Arbeitsschritt ist das Aussägen des Schildkörpers mit der Stichsäge. Die Sägekanten versäubere ich stets mit einer Schleifmaschine, um die Gefahr von Splittern zu vermindern. Ist der Schildkörper ausgesägt, dann wird die Schildfessel auf der Innenseite des Schildkörpers aufgeleimt. Dazu muß man eine Mittellinie durch den Mittelpunkt des Schildes anzeichnen, damit die Schildfessel mittig durch das Griffloch verläuft. Ich nehme für die Schildfessel 30mm Buchenholz, halbrund für innenliegenden Griff oder vierkantig für außenliegenden Griff. Beide Formen kann man fertig im Handel kaufen, 1000mm lang. Die Schildfessel sollte mindestes 25mm Zoll vor dem Schildrand auslaufen, denn später wir ja am Rand die Rohhaut aufgebracht. Den Auslauf der Schildfessel sollte man immer abgerundet gestalten, damit man später nicht mit dem Bein oder der Schulter an den Kanten hängen bleibt. Bei vierkantiger Schildfessel müssen die Außenränder mit dem Bandschleifer tüchtig abgerundet werden, und natürlich auch der innere Griffbereich. Ich leime die Schildfessel mit Schraubzwingen auf, damit die Verleimung unter gleichmäßigem Druck erfolgt.

• Bei innenliegenden Griff muß ich jetzt das innere Griffstück vorne auf die Schildfessel aufleimen. Dazu nehme ich ebenfalls das 30mm halbrunde 30mm Buchenholz. Das Griffstück mache ich etwa 10mm an beiden Enden des Grifflochs schmaler und leime es wie gehabt mit zwei Schraubzwingen auf. Die Ecken runde ich ab, damit die Schildhand sich später nicht an den Holzkanten stört.

• Vorderseite und Rückseite des Schildes werden als nächstes mit der Bespannung versehen. Für einen großen Rundschild reicht eine Lage Baumwoll-Segeltuch oder Leinen vorne und hinten aus. Die Bespannung der Rückseite ist wichtig, damit nicht unter schweren Schlägen Holzsplitter aus der Schildrückseite fliegen können. Ich bringe bei großen Rundschilden an der Vorderseite noch eine zweite, kleinere Bespannung von 400mm Durchmesser auf, um dem Schild zusätzliche Zähigkeit am Buckel zu geben. Buckler erhalten immer zwei Lagen Frontbespannung und eine Lage Rückenbespannung. Wird der Buckler für sehr harte Belastungen vorgesehen, dann gebe ich ihm drei Lagen Frontbespannung und zwei Lagen Rückenbespannung. Bei großen Rundschilden sind mehrere Lagen Bespannung immer eine Gewichtsfrage, ich rate dazu es bei einer vollen Lage Bespannung an Front und Rücken zu belassen.

Aus dem Sachsenspiegel der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Cod. Guelf. 3.1 Aug. 2°, 14. Jhdt.

• Ist die Frontbespannung trocken, dann kann sie bemalt werden. Für die Bemalung verwende ich einfache wasserlösliche Malerfarben aus dem Baumarkt in den Wappenfarben meiner Familie, rot und weiß. Wer es historisch will muß, der sich seine Naturfarben selber anrühren. Nach der Bemalung werden beide Schildseiten mit einem Leimabstrich versiegelt. Bei historischen Nachbauten empfiehlt sich hier ein Leimfirnis aus Knochenleim, den man aber selber ankochen muß.

• Jetzt ist es Zeit für den Rohhautrand. Rohhautstreifen kann man im 50mm Breite fertig kaufen, oder selber aus Spaltleder mit der Blechschwere schneiden oder sägen. Die Rohhautstreifen müssen eine Nacht zuvor in Wasser aufgeweicht werden. Ich setze sie dann naß auf den Schildrand auf und fixiere sie mit Wäscheklammern. Stöße werden schräg abgeschnitten und 20mm überdeckt. Die Wäscheklammern sollen jeden Zentimeter Rohhaut anpressen, man braucht also einen ganzen Schwung Wäscheklammern.

• Der Rohhautrand sollte zwei Tage abtrocknen. Dann entferne ich die Wäscheklammern und bohre in etwa 25mm Abstand 2mm breite Löcher mit einem Metallbohrer, gut 10-12mm vom Schildrand. Durch diese Löcher nähe ich den Rohhautrand doppelfadig auf. Ich verwende dazu Leinengarn und eine dicke Nähnadel. Ist der Rohhautrand fertig aufgenäht, dann streiche ich ihn noch einmal mit Leim ab, damit die Naht des Rohhautrands möglichst reißfest ist und sich selbst bei Garnriß nicht löst. Der genähte Rand ist mehr Arbeit als ein genagelter Rand, doch haben die Nägel im Rohhautrand immer das Bestreben herauszufliegen, wenn es gerade am ungünstigsten ist.

• Der Schildbuckel muß Bohrlöcher erhalten, wenn er nicht schon vorgebohrt geliefert wurde. Ich verwende für große Rundschilde und Buckler 50mm geschmiedeten Eisennägeln, welche mit einem Stoßblech aus Eisenblech vernietet werden. Also muß man die Bohrlöcher durch Anprobieren der geschmiedeten Eisennägel dimensionieren. Die Bohrlöcher sollte man genau anzeichnen, wozu ein einfaches auf Pappe gezeichnetes Kreuz im sauberen rechten Winkel hilfreich ist.

• Bei großen Rundschilden nicht unhistorisch ist das einfache Umschlagen der Eisennägel an der Schildinnenseite. Wenn ich Eisennägel umschlage, dann säge ich aus Sicherheitsgründen ihre Spitzen ab. Ich lege auch immer ein dickes Stück ausgehärtete Rohhaut wie ein Stoßblech unter den Eisennagel, damit das Holz durch das Umschlagen mit dem Hammer nicht zuviel leidet. Bei Bucklern empfehle ich das Umschlagen der Eisennägel nicht, werden sich ja oft beim Üben sehr nah an den Arm gebracht werden.

Amiens - BM - ms. 0018, Psalterium Benedictinum, 9. Jhdt.

• Habe ich die Löcher im Schildbuckel, dann setzte ich den Schildbuckel auf die Schildvorderfläche und zeichne die Löcher mit dem Bleistift auf dem Schild an. Ich setzte die Bohrungen immer so, daß zwei Bohrungen durch die Schildfessel laufen, um dem Schildbuckel mehr Halt zu geben. Also ist es hilfreich die Mittelachse der Schildfessel dünn auf der Vorderseite des Schildes anzuzeichnen. Sind die Löcher fertig, setzte ich die Eisennägel ein und säge sie gute 6-8mm über der Schildinnenfläche ab. Es kann sein, daß die Eisennägel mit dem Hammer etwas in die Löcher im Schildbuckel getrieben werden müssen, da die Eisennägel einen eckigen Querschnitt haben. Die Sägekanten der Eisennägel sollte man mit einer Metallfeile versäubern, was später das Annieten erleichtert.

• Die Stoßbleche aus Eisen sollte man vorsichtig aufbohren und an den durch das Holz eingesteckten Eisennagel anpassen. Ich halte dazu die mit der Blechschwere geschnittenen Stoßbleche mit der Zange fest und fräse sie vorsichtig mit der Bohrerseite in Form. Die Stoßbleche sollen möglichst eng auf den Eisennägeln aufsitzen. Mit dem Schlosserhammer werden die Eisennägel dann auf dem Amboß vernietet. Dazu muß man vorsichtig von allen Seiten den Nagel anschlagen, nicht einfach auf den Nagel hauen! Mann kann sich auch ein Nieteisen dafür zulegen, doch Hämmern genügt völlig. Wer keinen Amboß hat sollte sich für kleines Geld ein Schustereisen kaufen (10-15 Euro auf dem Flohmarkt). Man kann als Stoßblech auch den abgesägten Kopf eines Eisennagels verwenden oder ein Stück vom Eisennagel am Amboß flach hämmern. Ich benutze 0,7mm Eisenblech. Stahlblech sollte man nicht verwenden, daran kann man sich zu leicht verletzen. Es ist eine gute Idee einen Freund zu bitten den großen Rundschild beim Nieten festzuhalten.

• Von Zeit zu Zeit wird es bei Fechtgebrauch notwendig werden die Nieten etwas mit dem Hammer nachzuziehen. Auch kann es vorkommen, daß Fäden der Naht der Rohhaut reißen. Ich leime sie dann einfach wieder auf der Rohhaut fest. Splitter an der Schildfessel muß man mit einem scharfen Messer entfernen und die beschädigte Stelle mit Leim abstreichen. Der große Rundschild wird um die 5kg wiegen, der Bucker um 1kg. Mit dem großen Rundschild sollte man es langsam angehen lassen, bis die Schultermanschette genügend Muskelkraft aufgebaut hat, um ihn unbekümmert tragen zu können.

►► Frankfurt am Main, 2011, Richard Cole (Stahl auf Stahl)

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