Literatur

Clauss, Martin: Ritter und Raufbolde. Vom Krieg im Mittelalter

Martin Clauss, Ritter und Raufbolde

Martin Clauss, Ritter und Raufbolde

Daten zum Buch

Clauss, Martin
Ritter und Raufbolde. Vom Krieg im Mittelalter
Primus Verlag, Darmstadt, 2009
ISBN: 978-3-89678-395-0  € 16,90

Verlagsinformationen:

Seit der Romantik wird das europäische Mittelalter verklärt. Auch das Bild vom Krieg, das uns bis heute in Filmen und Erzählungen begegnet, scheint weichgezeichnet und alles andere als differenziert. Der Krieg ist zwar schrecklich, wird aber letztlich zur Kulisse für Helden vom Schlag eines Prinz Eisenherz. Kriegsgeschichte ist Heldengeschichte; die Opfer treten in den Hintergrund. Martin Clauss entwirft dagegen ein vielschichtiges Bild vom Krieg im Mittelalter, das sich einer Wirklichkeit annähert, in der der Krieg in erster Linie Tote und keine Helden erzeugt. Detailliert beschreibt er, wie der Krieg vor sich ging und mit welchen Waffen er ausgefochten wurde. Dabei geht es immer um die Menschen, die der Krieg betraf und um ihre ganz unterschiedlichen Perspektiven auf die Ereignisse: um Sieger und Verlierer, um Kombattanten und Nichtkombattanten, die Opfer des Krieges waren.

Das Buch ist ein gefällig gegliedertes preiswertes gebundenes Buch in Taschenbuchformat, das sich etwas in der Gegenüberstellung von traditionell verklärter Sicht auf das Gewaltgeschehen unserer Vorfahren verliert. Trotzdem oder gerade deswegen ist es aus unserer Sicht empfehlenswert und anregend. Die nicht zu bestreitbaren Unzulänglichkeiten sind wohl Umfang und zum Teil dem Versuch, sich Zielpublikum zu nähern, geschuldet. Da wir keine professionellen Rezensenten sind, wollen wir hier lieber die Profis zu Wort kommen lassen.

Rezeption in der Presse/Fachschaft

Keine wirkliche Empfehlung spricht Karolina Meyer-Schilf von der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften, Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg, für dieses Buch aus.

Die Reihe ‚Geschichte erzählt‘ richtet sich in erster Linie an interessierte Laien und nicht an ein versiertes Fachpublikum.

Mit dieser Einleitung wertet sie das Buch und die gesamte Reihe des Verlages vom Niveau her ab. Sie weist daraufhin zwar auf eine gute Aufmachung hin, aber der Gesamteindruck ihrer Besprechung ist eher negativ.

Insgesamt erscheint die Konzeption des Buches dennoch wenig an das Zielpublikum angepasst, auch wenn vordergründig der Eindruck entsteht, gerade die lockere Erzählweise und der unkonventionelle Kapitelaufbau komme auch Lesern mit weniger historischer Vorbildung entgegen. Dies war sicher die Intention von Autor und Verlag. Das Gegenteil ist allerdings der Fall; gerade ein Publikum, das mit epochenspezifischen Problemstellungen nicht vertraut ist, benötigt eine klare Erzählstruktur, die hier häufig fehlt. Trotz der Bemühungen um Eingängigkeit fügt sich diese Darstellung des mittelalterlichen Krieges nicht so recht zu einem einheitlichen Bild, sondern zeigt vielmehr in Schlaglichtern verschiedene Aspekte des mittelalterlichen Krieges. In Anbetracht der Kürze des Buches kann dabei naturgemäß nicht besonders in die Tiefe gegangen werden.

Karolina Meyer-Schilf: Rezension zu: Clauss, Martin: Ritter und Raufbolde. Vom Krieg im Mittelalter. Darmstadt 2009, in: H-Soz-u-Kult, 10.02.2010, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2010-1-102.

Die Texterin und Lektorin Monika Thees setzt sich inhaltlich mit dem Werk auseinander und befindet:

Das gefällige Bild trügt: Kein wackerer Recke reitet in strahlender Rüstung in den Kampf, von furchtlosem Heldenmut durchdrungen. Sein Kampf ist kein Spiel, fair und ritterlich, sein Schwert „singt“ nicht beim Schlag wider den Gegner, der Ritter führt die Lanze nicht für Ehre, den Ruhm, die vom Sänger in kunstvollen Strophen zu preisende Tapferkeit. Der reale Krieg im Mittelalter eignet sich nicht als Kulisse für den sportlichen Wettstreit zwischen Freund und Feind, er produziert keine makellosen Helden. Auf dem Feld des Krieges geht es immer ums Ganze, der Kampf folgt einer zeitlosen Logik: Sieg oder Niederlage. Das Mittel zum Sieg ist die Gewalt. Sie ist grausam und ernst, ihre Ernte blutig. Zurück bleiben Opfer, tote, sterbende, verstümmelte Menschen, ein verwüstetes Land, Hunger, Elend, Not – und die heldenhafte Glorifizierung des Siegers in den Annalen der Geschichte.
http://www.demokratie-spiegel.de/redaktionberlinbonn/monikathees/sachbuchritterundraufbolde.html

  • del.icio.us
  • Digg
  • Webnews.de
  • Facebook
  • MisterWong.DE
  • Google Bookmarks
  • Tipd
  • Tumblr
  • Yahoo! Bookmarks
  • Print
  • email
  • Live
  • Diggita
  • LinkedIn
  • Linkter
  • N4G
  • Netvibes
  • Twitter