Aktuell im Forum

Übungswaffen

Testbericht Scheibendolch Markus Weiler 1467 Prototyp

Für das Üben mit dem Scheibendolch kann man mit Holzrepliken arbeiten oder versuchen sich eine Stahlwaffe herzustellen, die sowohl von den Dimensionen wie auch von der Gewichtung nahe an die Originale herankommt. Holzrepliken haben den Nachteil, dass sie recht dick ausfallen und somit manche Hebel nicht leicht zu üben sind bzw. gar nicht funktionieren. Die Erstellung des vorliegenen Prototyps erfolgte auf Wunsch dessen, dass für die Fechtstücke bei Hans Talhoffer ein Scheibendolch mit einer ziemlichen Größe notwendig wurde.

Testbericht Scheibendolch Markus Weiler 1467 Prototyp

Die zwei Prototypen, der obere Scheibendolch ist mit einer Griffumwicklung als Zwirn ausgestattet

Hier möchte ich die ersten fechtbaren Scheibendolch-Prototypen vorstellen, ausgearbeitet in Zusammenarbeit von Markus Weiler mit Stahl auf Stahl 2011. Die Aufgabe war es einen fechtbaren Scheibendolch für das Üben des Scheibendolchfechtens herzustellen, nach den Darstellungen des „München“ 1467 von Hans Talhoffer. 

Gute Scheibendolche in Stahl gibt es zwar durchaus zu kaufen, auch in den von HansTalhoffer dargestellten Dimensionen, doch sind diese zumeist viel zu gefährlich für das Üben, weil ihre Spitzen auf null auslaufen. Auch sind die drei- und vierkantigen Querschnitte der Scheidendolche mit ihren angedeuteten Schneiden fast schon schnittfähig, was für eine Übungswaffe nicht hilfreich ist. Zweischneidige Scheibendolche steigern dieses Risiko noch. Zudem liegen gut gefertigte Scheibendolche preislich deutlich über den Ausgaben für eine reine Übungswaffe, weil es sich eher um Repliken handelt.

Fechtstück von Hans Talhoffer aus dem "München" 1467

• Der Scheibendolch war also von Anfang an als kostengünstige Übungswaffe gedacht. Dieser Scheibendolch ist also für die Darstellung nicht geeignet. Scheibendolchfechten ist generell sehr gefährlich. Auch der Prototyp ist mit großer Vorsicht zu genießen. Dies darf man beim Scheibendolchfechten keine Sekunde vergessen! 

Einschätzung

◄ Der Scheibendolch erfüllt alle von mir gemachten Vorgaben. Er ist ein wenig ortlastig, was der Geometrie der Übungswaffe geschuldet ist und deswegen leider als unvermeidlich hingenommen werden muß. Besonders wichtig war für mich der kreisförmige Querschnitt der Klinge, damit die Ringtechniken am Scheibendolch mit einem Höchstmaß an Sicherheit ausgeführt werden können. 

• Die Klinge ist hohl, um Masse einzusparen. Ich wollte auf das Metallgefühl nicht verzichten. Übungsscheibendolche aus Holz gibt es viele, doch ist mir die Stahlausgabe deutlich lieber. Und Holz kann immer brechen und Splitter freisetzen. Die hohle Klinge kann leicht gerichtet werden, wenn sie durch schwere Schläge deformiert wurde, was aber beim Scheibendolchfechten nicht Sinn und Zweck der Waffe ist. 

• Der Konus am Ort ist ausreichend stumpf, damit er auf keinen Fall Gewebe penetrieren kann. Blaue Flecken sind aber nicht vermeidbar, weswegen beim intensiven Üben immer Schutzausrüstung getragen werden sollte. Der Scheibendolch ist nicht schön, aber zum Erlernen der historischen Fechttechnik völlig ausreichend. Was für ihn spricht liegt auf der Hand: Er ist billig und ausreichend sicher. Das ist für eine Übungswaffe eine unschlagbare Kombination. 

• Markus Weiler hat hier erst einmal reine Prototypen vorgelegt. Der Griff aus Holz sollte vom Käufer umwickelt werden. Ich habe einen der Scheibendolche mit einer Griffwicklung aus Zwirn ausgestattet, damit er besser in der Hand liegt. 

Detail eines Scheibendolches aus dem "München"

Datenblatt

◄ Es folgt meine Zusammenstellung der wichtigsten Maße. Eine gewisse Fehlertoleranz bitte ich nachzusehen: 

• Scheibendolch nach Darstellungen des „München“ 1467 von Hans Talhoffer, als Übungswaffe. 

• Masse: 630g
• Gesamtlänge: 535mm 

Gehilz 

• Gehilzlänge: 135mm
• Scheibenstärke beider Scheiben: 4mm
• Scheibendurchmesser beider Scheiben: 58mm
• Die zweite Scheibe ist mit einer Schraube befestigt
• Grifflänge: 122mm
• Griffdurchmesser: 25mm
• Griffwicklung: Nicht vorhanden, meine Ausführung Zwirn 

Klinge 

• Klingenlänge: 400mm
• Klingendurchmesser: 18mm
• Breite Klinge am Ort: 8mm, konisch 

Schwer- und Kippunkte 

• Schwerpunkt: 60mm vor der Scheibe
• Stärkeseitiger Kippunkt: 220mm vor der Scheibe
• Schwächeseitiger Kippunkt: Im Ort (Perfekt) 

Preis 

• Preis: um die 75,- Euro 

►► Frankfurt am Main, 2011, Richard Cole (Stahl auf Stahl)

  • del.icio.us
  • Digg
  • Webnews.de
  • Facebook
  • MisterWong.DE
  • Google Bookmarks
  • Tipd
  • Tumblr
  • Yahoo! Bookmarks
  • Print
  • email
  • Live
  • Diggita
  • LinkedIn
  • Linkter
  • N4G
  • Netvibes
  • Twitter