Übungswaffen

Testbericht Paul Chen/ Schmiede Hanwei „Fränkisches Schwert“

Testbericht Paul Chen/ Schmiede Hanwei „Fränkisches Schwert“

◄ Hier meine Vorstellung des altbekannten Paul Chen/ Schmiede Hanwei „Fränkischen Schwerts“. PC/Hanwei produzieren eine schier unglaubliche Bandbreite von Blankwaffen. Allerdings gibt es auch eine nahezu unbegreifliche Bandbreite an Streuung in ihren Produkten. Wir haben das fränkische Schwert mit Scheiden aus Holz und Fiberglas erlebt, mit Griffstücke aus Holz und Gußplastik, mit inneren Griffstützen aus Holz und Eisen sowie einer Klinge, die durchaus mal um fast 100g schwerer als angegeben ist.

Zwei "Fränkische" PC's, oben das unveränderte PC, unten das umgebaute PC.

• Das Schwert wird als „Schaukampfschwert“ bezeichnet. Es wird mit gerundetem Ort und einer 2mm Schlagkante ausgeliefert, also verdient es seinen Namen. Die Montierung von Kreuz, Gehilz und Ort sowie die mitgelieferte Scheide sich vollkommen unhistorisch, weswegen das Schwert für die Darstellung keinen Wert hat. Die Scheide ist nur gut, um das Schwert von A nach B zu transportieren. Aber für technische Übungen ist das Schwert durchaus geeignet. Für Kampfübungen ist mir die Schlagkante zu schmal und die Biegesteifigkeit der Klinge zu hoch.

Einschätzung

◄ Das Schwert fechtet sich in unseren technischen Übungen befriedigend. Es ist durchweg zu Kopflastig. Der Klos ist mit vier sehr spitzen Eckwinkeln ausgeformt, die unbedingt mit einer Feile gebrochen werden müssen, sonst wird man sich selber an den Spitzen des Kloses unangenehm Drückgefühlen aussetzen.

• Das aufgeklebte Kunstleder auf dem Griff wird sich immer nach einigen Stunden Fechten ablösen, am besten man entfernt es sogleich. Die Klinge ist etwas vollkantig, sie wird aber nach einigen Ausschleifungen rund genug, um einigen Jahren fechterischer Belastung standzuhalten.

Fränkisches Schwert in der plastischen Darstellung, um 1250.

• Die Klinge ist durch ihre Oakeshott Typ XX Geometrie recht biegesteif, aber nicht sehr präzise im Stich. Im Hau ist die Klinge durch ihre Kopflastigkeit angemessen brauchbar. Der „1065 Kohlenstoffstahl“ mit 50 Rockwell ist es aber nicht, was die Klinge auszeichnet, es sind die drei mit dem Winkelschleifer gefügten Hohlkehlen je Fläche. Dies ist der einzige Grund, warum das Schwert für das Fechten geeignet ist. Die Klinge ist durchgehend recht massiv geformt. Im Verein mit den drei Hohlkehlen je Fläche wird das Schwert für ein PC/Hanwei erstaunlich haltbar. Die Klinge ist heftigen Schwingungen unterworfen.

Links das unveränderte PC, rechts das PC mit einem neuen Griff aus Holz nebst Zwirnumwicklung sowie gebrochenen Eckkanten am Klos.

• Die unhistorischen Montierung des Kreuzes fängt nach einigen Fechtstunden an zu wackeln. Dies kann so manchen Fechter mit der Zeit sehr auf die Nerven gehen. Die einzige Abhilfe ist es, den gesamten Griff zu tauschen. Ich setzte dann einen durchgehenden Holzgriff ist Spannbauweise ein. Aber lockere Kreuze finden sich ja auch auf Originalen. Der Klos ist sehr fest aufgenietet, hier wackelt nichts. Die Schwäche des Schwerts liegt im Kreuz. Auch das Kunstlederstück auf dem Kreuz, das als eine Art Regenleder am Scheidenmund abschließt, ist überflüssig und soll nur die schlampige Montierung des Kreuzes verdecken helfen.

• Wir haben jetzt über 20 dieser Schwerter im täglichen Gebrauch, denn für den Anfänger im I33 ist das Schwert unter fechterischen und ökonomischen Gesichtspunkte nach wie vor die Erste Wahl. Für diesen Preis wird man nichts Besseres in Sachen Schwert erhalten können. Deswegen ist das Schwert für jeden Anfänger im Buckler und Schwert empfehlenswert.

Datenblatt

◄ Es folgt meine Zusammenstellung der wichtigsten Maße. Eine gewisse Fehlertoleranz bitte ich nachzusehen:

• Oakeshott Typ: XX, eine ballige Klinge mit drei parallelen Hohlkehlen. Die Hohlkehlen beginnen 25mm nach dem Kreuz und laufen bis zum Ort durch.

• Masse: 1240g
• Gesamtlänge: 930 mm

Gehilz

• Gehilzlänge: 167mm
• Kreuzstärke: 11 auf 7mm zu den Kreuzenden auslaufend (vierkantig)
• Kreuzlänge: 160mm
• Grifflänge: 108mm
• Griffbreite: 34mm (am gehilzseitigen Kippunkt, die breiteste Griffstelle weist 36mm auf, unter dem Kreuz)
• Griffdicke: 25mm (am gehilzseitigen Kippunkt)
• Griffwicklung: Aufgeklebtes Kunstleder, Farbe: schwarz
• Radknauf, geht am Griff in eine vierkantige Form über: 50/45mm (Breite/ Länge) Durchmesser, genietet

Klinge

• Klingenlänge: 763mm
• Breite Klinge am Kreuz: 46mm
• Klingenstärke am Kreuz: 6mm
• Schlagkante am Kreuz: 2mm
• Breite Klinge am Ort: 10mm
• Klingenstärke am Ort: 3mm
• Schlagkante am Ort: 2m

Schwer- und Kippunkte

• Schwerpunkt: 105mm vor dem Kreuz
• Stärkeseitiger Kippunkt: 205mm vor dem Kreuz
• Schwächeseitiger Kippunkt: 30mm vor dem Ort (unpräzise im Stich)
• Schwächeseitiger schwingungsfreier Knoten: 255mm vor dem Ort
• Gehilzseitiger schwingungsfreier Knoten: 35mm vor dem Kreuz

Preis

• Preis: um die 120,- Euro

►► Frankfurt am Main, 2010, Richard Cole (Stahl auf Stahl)

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