Übungsgeräte

Bau eines Palus (Übungspfahl)

Der Palus

◄ Der Palus, Lateinisch „Pfahl“, Mehrzahl Pali, ist ein hölzernes Übungsgerät, zunächst eine einfacher Stange, gut sechs Fuß hoch und 3-5 Zoll im Durchmesser. Der Palus ist ein historisches Übungsgerät für die Ausbildung von fechtersichen Eigenschaften. Dazu wird der Palus mit einem Holzschwert und einen Schild angegriffen, als ob es sich bei dem Palus um einen lebenden Gegner handelt.

Grabstein aus Mailand mit Palusdarstellung, 2/3 Jhd. n. Chr.

• Wer genau den Palus erfand ist nicht mehr festzustellen. Tatsache ist, daß wir Beschreibungen und Darstellungen für den Palus in der römischen Antike und der christlich-abendländischen Ritterschaft besitzen. Erwähnt wird das Üben am Palus mit doppelt so schweren Übungswaffen, wie sie später im Gefecht Verwendung fanden.

• Meiner Ausfassung nach handelt es sich beim dem Palus um ein sehr hochentwickeltes Übungsgerät. Der Palus erscheint mir gleichermaßen für den Anfänger wie den Fortgeschrittenen dienlich. Als Anfänger kann ich durch den Palus üben mit Schild und Schwert eine Struktur aufzubauen, wie wirklich Lasten abträgt und nicht bei einem Einschlag einfach zusammen bricht. Wenn ich als Fortgeschrittener mit dem Holzschwert den Palus schlage oder steche, dann übe ich weniger Schläge und Stich auf den Mann, als vielmehr das Gefühl in der Bindung, wenn später, im Gefecht, die Waffen mit Wucht in Kontakt zueinander treten. Das gilt, wie gesagt, für den Schild wie für das Schwert. Wichtig dafür ist, daß der Pfahl fest verankert ist. Er darf nicht wackeln.

• Der Palus kann ist verschiedener Form ausgeführt sein. Zunächst kann der Palus ein Pfahl sein, für den ein Loch in den Boden gegraben wurde. Der Palus wird dann eingerammt und die Erde festgetreten. Die nächste Ausführung mag ein Palus sein, der als junger Baum, mit Wurzelwerk, frei steht. Der junge Baum wurde entastet und auf die erforderliche Länge gekürzt. Als drittes kann es noch den portablen Palus geben. Dafür benötigt der Pfahl einen ausreichend massiven Fuß, den sonst würde er bei Belastung einfach umkippen.

• Der portable Palus ist Gegenstand dieser Bauanleitung. Man findet eine sehr schöne Darstellung eines portablen Palus in einem Mosaik aus Flacé-les-Mâcon (Saône-et-Loire) aus dem 2-3 Jhd. n. Chr. (Musée des Ursulines). Der Vorteil eines portablen Palus’s liegt auf der Hand: Man kann ihn beliebig in Räumen aufstellen.

Der portable Palus im Bau

◄ Ich beginnen den Bau des Palus mit der Auswahl einer kegelabschnittförmigen Gußform für den Palusfuß. Praktisch sind hier einfache Speisbütten, wie sie im Baumarkt erhältlich sind. Die Größe der Gußform bestimmt die spätere Masse des Palusfußes, die zwischen 25 und 60kg liegen mag.

Darstellung eines Palus im frühen 14. Jhd. (Royal MS 20 B XI, f. 3)

• Ich baue alle Pali mit einer röhrenförmigen Aufnahme von 80mm Innendurchmesser. Hier wird später der Holzpfahl eingesteckt. Also werden an dem Rohr große Spannungen übertragen. Die Röhre, hier 80mm HT-Rohr, passe ich mittig in die Bütt ein. Dazu schneide ich zentrisch ein Loch in die Bütt. Ich bringe immer vier Rohrschellen aus Eisen an dem HT-Rohr an, um später, beim Gebrauch des Palus, die großen auftretenden Spannung in den Zement abtragen zu können. Dazu bringe die die Rohrschellen gleichmäßig an dem HT-Rohr an. Ich lasse die Rohrschellen im rechten Winkel zueinander in vier Richtungen abstehen. Die Schrauben der Rohrschelle werden fest angezogen.

• Sitzt das HT-Rohr mittig in der Gußform, dann stelle ich die Gußform, die Bütt, auf zwei Holzlatten, so daß das HT-Rohr nach oben und unten überstehen kann. Ich fixiere das HT-Rohr mit Klebeband, damit es nicht aus der Mittelachse gleitet.

Die erste Lage Zement ist eingefüllt

• Dann beginnt das Auffüllen der Form mit Portlandzement. Beton ist auch geeignet, aber es muß mindestens B15 sind. Betonestrich ist zu schwach. Der Zement muß beim Anrühren mit Wasser sämig bleiben, er darf nicht zu feucht sein, sonst erreicht er nicht eine Endhärte (Wasser-Zement-Wert). Der Zement sollte beim Einfüllen gut verdichtet werden, vor allem um die Rohrschellen und das HT-Rohr.

Gut zu sehen: Die Bewehrung mit Drahtstiften

• Bein ersten Einfüllen setze ich nicht allzu viel Zement ein, damit das HT-Rohr erst einmal gestützt wird. Ab der zweiten Lage Zement setzte ich Drahtstifte als Bewehrung in den Zement, damit der Palusfuß Zug abtragen kann. Dazu verwende ich Drahtstifte von 160, 1200 und 80mm Länge. Die Drahtstifte lege ich radial horizontal in den Zement, wie ein vielstrahliger Stern. Dazwischen stelle ich immer einige Reihen senkrecht in den Zement. Auf diese Weise wird der Palus in zwei Raumdimensionen bewehrt.

• Ist das Zementieren abgeschossen, dann schneide ich das überstehende HT-Rohr ab. Dazu verwende ich Stemmeisen und Hammer. Auch überstehende Teile der Bütt werden abgetrennt. Den Boden des Fußes belege ich mit zwei bis drei Lagen Baumwollstoff. Diesen fixiere ich mit Klebeband über den unteren Rand. Die Stofflagen sollen Erschütterungen dämpfen.

• Fertig ist der Palusfuß. Gut eine Woche abbinden lassen, bevor der Pfahl eingesetzt wird. Als Pfahl genügt ein 60-75mm Rundholz aus dem Baumarkt, Gartenbedarf. Der Pfahl wird bis auf den Boden eingesetzt und dann bei ungefähr 180cm Höhe über dem Boden abgesägt. Den Pfahl sollte man nach einigen Übungsstunden an den Einschlagstellen mit Klebeband umwickeln, damit keine Splitter umher fliegen.

Der Boden des Fußes wird mit einigen Lagen Stoff belegt und mit Gewebeklebeband befestigt.

• Der Pfahl wird mit Keilen festgeklemmt. Wichtig ist hierbei: Die Keile sollten Holzleisten sein (z. B. 400mm x 20mm x 5mm), weniger wirklich spitze Keile. Wenn man Holzleisten benutzt, dann kann man den Druck beim Verkeilen gut gleichmäßig über das Rohr verteilen. Spitze Keile werden den Druck eher auf wenige Bereiche konzentrieren. Die Keile werden mit einem Hammer eingeschlagen. Auf diese Weise kann man den Pfahl auch beliebig austauschen.

Der fertige Palusfuß (um die 50kg), dahinter ein vollständiger portabler Palus.

• Der Palus ist extrem vielseitig einsetzbar: Ob aus Holz, für das klassische Üben mit dem Holzschwert (Rudis), ob aus Holz mit Stahlkettenwicklung, für das Üben mit dem Stahlschwert oder aus Holz mit einer Lage Schaumstoff, für das Ringen, der Palus kann in vielerlei Ausführung daherkommen. Er ist kostengünstig herzustellen und kann für Anfänger wie Fortgeschrittene eine große Übungshilfe sein.

• Durch das Üben mit dem Palus wird für den Fechter das Wort Struktur zu einem nachvollziehbaren Inhalt. Vegetius fordert ja von Auszubildenden zwei Übungseinheiten am Palus täglich, von Fechtlehrern eine Einheit pro Tag. Ich selber halte tägliche Übungen am Palus auch für zielführend und kann sie jedem Fechter nur ans Herz legen.

• Das Üben mit dem Palus ist ein weites Feld, so weit wir es rekonstruiert haben. Ich werde versuchen es in einem folgenden Artikel zu beschreiben.

►► Frankfurt am Main, 2010, Richard Cole (Stahl auf Stahl)

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