Aktuell im Forum

Übungsgeräte

Der Kettenwickel

Langes Messer am Kettenwickel

Langes Messer am Kettenwickel

◄ Begonnen hatte die Idee mit dem Kettenwickel in Wien 2007. Wolfgang Landwehr und meine Wenigkeit waren zu einem Fechttreffen gereist und hatten uns abends in einem netten Wiener Lokal eins zwei Biere gegönnt. Der Gedanke kam auf ein Übungsgerät zu bauen, an dem man angstfrei und vollkommen sicher das Abgeben von Impulsen erlernen könne. Oder mit anderen Worten: Wir wollten ein Übungsgerät für Anfänger, damit diese erst einmal volle Kanone mit Stahlschwertern zuhauen konnten, ohne sich allzu große Sorgen machen zu müssen. Denn nur wer das Gefühl beim vollen Schlagen wirklich kennt ist später auch in der Lage seinen Hau zu kontrollieren. Was wir wollten war eine Art Sandsack für das Schwert.

Kettenwickel Version Eins

◄ Wieder heil in Frankfurt am Main war die Version Eins nach einigen Diskussionen schnell gebaut. Ich kaufe einen 80mm Holzpfahl von 1900mm Höhe im Baumarkt und umwickelte diesen eng in einer Spirale mit 12m 4mm geschweißter Stahlkette. Die Kette fixierte ich mit 45mm V2A-Schrauben.

• Also hatten wir jetzt eine fast zwei Meter lange Keule zur Hand, mit gut 60cm Umwickelung am Ort. Diese wurde mit beiden Händen gehalten, denn sie war mit guten 10kg recht schwer. Den Wickel nach vorne haltend hatte der Träger einen guten Meter Sicherheitsabstand zum Übenden, der das vordere Ende des Kettenwickels munter mit der Klinge anging.

• Der erste Kettenwickel wurde sehr hart geprüft. Ich kann mich noch sehr gut an das Gesicht eines Schwert-und-Buckler-Fechters erinnern, als dieser mit dem Kettenwickel anstatt Buckler und Schwert angegriffen wurde. Rasch wurde diesem Fechter klar, daß eine Struktur beim Buckler und Schwert unabdingbar ist, wenn Buckler und Schwert vor dem eigenen Körper verweilen sollen. Dabei binden Schwert und Buckler eine Einheit, ansonsten sind Angriffe kaum zu halten.

• Bei Übungen am Kettenwickel wird auch Folgendes augenscheinlich: Actio gleich Reactio. Der ganze Impuls, den ich in den Kettenwickel durch meinen Hau leite, muß auch irgendwie wieder zurück in den Boden. Dabei geht er zuerst durch meine Hände, dann durch meine Arme und dann durch Leib und Beine. Steht meine Klinge dabei nicht präzise mit der Schneide auf den Kettenwickel ausgerichtet, dann werden meine Hände anfangen auszubrechen. Also kann man am Kettenwickel neben Struktur auch wunderschön den Stellwinkel der eigenen Klinge beherrschen lernen.

Kettenwickel Version Zwei

◄ Es stellte sich nach einigen Wochen heraus, das Version Eins unter gewissen Mängeln litt. Da die Wicklung spiralförmig ausgeführt war, trafen immer wieder die Stahlschneiden den Holzkern. Wolfgang hatte einen Kettenwickel mit seinem Einhandschwert sogar durchgehauen. Auch flogen immer Holzsplitter durch die Gegend. Also baute ich Version Zwei, die sich bisher bestens bewährt hat.

• Dazu umwickelte ich den Holzpfahl mit Gewebeklebeband. Die Kette zog ich bei der Version Zwei in parallelen Schlaufen auf. So liegt die Kette immer gleichgerichtet zu Mittelachse des Kettenwickels. Auch baute ich verschiedene Versionen, was die Masse und Länge angeht. Um die Schlaufen gut zusammenzuhalten umwickelte ich die 4mm Stahlkette anschließend mit einer 3mm geschweißten Stahlkette in einer Spirale. Hiermit kann ich durch günstige Wahl der V2A-Schrauben die Schlaufen gut auf Spannung halten.

Buckler und Schwert am Kettenwickel

Buckler und Schwert am Kettenwickel

• Der Kettenwickel hat sich extrem gut gewährt. Egal ob im Wochenunterricht oder auf einem Manager-Seminar, alle Schüler lieben es mal voll zulangen zu können. Aber die Schüler stellen auch schnell fest, wo ihre körperlichen Grenzen liegen. Und dann beging das angestrengte Üben. Hartes und dennoch präzises Zuschlagen will gelernt sein.

• Jeder profitiert vom Üben mit dem Kettenwickel, denn jeder Klingenkontakt, jedes Band wird eingänglich immer mit einem Impuls aufgebaut werden. Diesen Impuls muß ich halten können, ohne das ich die Kontrolle über meine Klinge und vor allem den Stellwinkel meiner Schneide verliere.

►► Frankfurt am Main, 2010, Richard Cole (Stahl auf Stahl)

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