◄ Die Bucinobanten sind ein Kämpferbund aus Hessen im Raume um Wetzlar, welche mit großem Einsatz das Reenactment-Fechten betreiben. Die Bucinobanten wurden von Hermann Imort und Udo Prinz gegründet. Die Bucinobanten stellen eine beträchtliche Bandbreite von Reenactment-Fechtern, vom Neuling bis hin zum altgedientem Streiter, welcher bei internationalen Veranstaltungen antritt. Auch Kämpfer anderer Gruppen aus Deutschland üben mit und bei den Bucinobanten, weil sie deren große Erfahrung im Reenactment-Fechten und ihren freundlichen Umgang miteinander schätzen.
• Ich kann jedem Fechtbegeisterten das Reenactment-Fechten nur empfehlen. Viele pure Reenactment-Fechter zieht es nach einer Weile zum Historischem Fechten, um den vollen Umfang der Kampfkunst kennenzulernen. Viele reine Historische Fechter drängt es nach einem Zeitraum zum Reenactment-Fechten, um einen sportlichen Wettkampf und das Gefühl größerer Gefechte zu erfahren.
Was ist ein Bucinobant?
◄ Die Bucinobanten waren ein alemannischer Stamm im Mündungsgebiet des Mains bei Mainz (Mogontiacum). Die Bucinobanten begegnen uns ist einer sehr rastlosen historischen Epoche, dem Beginn der Völkerwanderung. Der erste Teil des Names „Bucino“ kann mit Buche übersetzt werden. Der zweite Teil des Namens ist eine germanische Flächenbezeichnung, „Bant“, was wir heute als Land aussprechen würden. Somit sind die Bucinobanten jene „die im Buchenland wohnen“. Ein ähnlicher Name hat in Hessen als „Buchengau“ die Jahrhunderte überdauert.
• Der Großstamm der Alemannen entstand wohl im Verlauf des 3. Jh. n. Chr. aus verschiedenen elbgermanischen und suebischen Stämmen und Heeraufgeboten im Gebiet zwischen Rhein, Main und Lech. Die Alemannen wurden in die Bucinobantes (Bucinobanten), Brisigavi (Breisgauer), Lentienses (Linzgauer), Raetovarii (Rätovarier) und Juthungen unterschieden. Ihr Land, Alemannia, wird später im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen zum Herzogtum Schwaben (ab ungefähr 500 n. Chr. entfällt die Unterscheidung zwischen Sueben und Alemannen). Die Alemannen hatten stets ihre eigenen Könige, Herzöge und mindere Adelige, sie machten keinen Gebrauch von einer übergeordneten Führung durch einen etwaigen Großkönig.
• Die Alemannen fallen in der zweiten Hälfte des 3. Jh. vermehrt in die rechtsrheinischen römischen Provinzen ein. Die Alemannen durchdringen den obergermanischen Limes und fast das gesamte rechtsrheinische Gebiet Roms geht verloren. Nida (die heutige Römerstadt und Nordweststadt), eine aufstrebende und mit Stadtmauer befestigte Siedlung, wird völlig zerstört. Die Reste bleiben bis zum Mittelalter als Ruine zurück. Auf dem Domhügel Frankfurts entsteht eine alemannische Siedlung. Rom kann nur mit großen Anstrengungen den Rhein als Grenze halten. Das Land am Untermain und die Wetterau bilden bald die nördlichsten alemannischen Landstriche. Die Alemannen bauen die alten keltischen Festungen auf dem Dünsberg bei Gießen und dem Glauberg bei Büdingen wieder auf. Dort entstehen ihre Fürstensitze. Die Alemannen errichten neue Dörfer und Gehöfte. Sie bauen aber keine Städte, da sie das Stadtleben offenbar nicht schätzen.
• Gute hundert Jahre später, um 353 n. Chr., errichtet der alemannische Stamm der Bucinobanten im Bereich Wiesbaden und Frankfurt ihren eigenen Gau. Die Bucinobanten werden ab 371 n. Chr. Bundesgenossen Roms, sie erhalten Tribute von Rom und dienen als Grenztruppen und Söldner in dessen Heer. Dennoch stürmen die Alemannen, mit ihrem Gebiet „an den Toren Italiens“ weiter plündernd ins römische Gallien und setzen Rom selbst beständig unter Druck. Mit dem Tode des Valentinan im Jahre 375 n. Chr. beginnt die Völkerwanderung, und nicht viel später (395 n. Chr.) zerfällt das römische Reich in Ost- und Westrom. Die Hunnen drängen von Osten kommend die indogermanischen Völker aus ihren alten Siedlungsgebieten und damit an die römischen Grenzen. Unter diesem Drucke weichen die indogermanischen Stämme und errichten endlich ihre eigenen Reiche in vormals römischen Gebieten. Weitere hundert Jahre nach den Ausbruch der Völkerwanderung, im Jahre 476 n. Chr., geht mit der Absetzung des römischen Kaisers Romulus Augustus durch Odoaker das weströmische Reich unter. Dies ist eine Zeit der unausgesetzten Kriegsführung und heftigster Wirrungen.
Was ist Reenactment-Fechten?
◄ Das Reenactment selber beschäftigt sich mit dem Nachstellen von historischen Gegebenheiten, vom Alltag über das gesellschaftliche Leben bis hin zum Gefecht. Dabei geht es darum vergangene Ereignisse möglichst getreu nachzuleben, mit der bestmöglichen Nachbildung von Ausrüstung und Gerät, am vortrefflichsten an den Originalschauplätzen.
• Das Reenactment-Fechten tritt somit an das Heereswesen zu Lande heran. Dies ist ein sehr weites Feld, wie man sich leicht vorstellen kann. Auch werden die verschiedensten Zeitalter abgedeckt. Die Bucinobanten beschäftigen sich mit dem Heereswesen von etwa 300 bis 1100 n. Chr., räumlich sind sie auf Mittel- und Osteuropa sowie die Nordländer beschränkt. Der Schwerpunkt liegt auf dem Fußvolk. Dabei sind vor allem Feldschlacht und Plänkelgefechte (Waldschlacht) zu nennen, gelegentlich auch Belagerungsgefechte (welche selbstverständlich mehr Aufwand erfordern, nicht jeder verfügt über eine Wall oder einen Turm).
Wozu Reenactment-Fechten?
◄ Das Interessante am Reenactment-Fechten ist nicht die Fechtkunst. Die Fechtkunst steht im Reenactment-Fechten naturgemäß auf dem zweiten Platze. Im Reenactment-Fechten ist es aber möglich viele Gesichtspunkte einer Feldschlacht, eines offenen Treffens, lebhaft nachzustellen. Dabei ist die Sicherheit der Darsteller das oberste Gebot, alles andere ist dem untergeordnet. Reenactment-Fechten soll Freude bereiten, nicht Schmerzen oder Verletzungen verursachen.
• Also stellen das Historische Fechten, bei dem die überlieferte Fechtkunst ganz vorne steht, und das Reenactment-Fechten, bei welchen die Fechtkunst in den Hintergrund tritt, sozusagen die zwei Seiten einer Münze dar. Beide können einander wertvolle Eingaben machen, beide treten aus unterschiedlichen Gesichtspunkten an das Leben und die Künste unserer Vorfahren heran. Keines von beiden ist besser oder schlechter zu nennen.
• Es gibt kein „artreines“ Fechten, nur immer verschiedene Ansätze mit verschiedenen Regeln. Wer über das Reenactment-Fechten lacht sollte immer im Hinterkopf haben, daß auch das Historische Fechten nicht ohne Regeln auskommt. Ich habe noch keinen Fechter getroffen, welcher mit scharfen Klingen bis zum bitteren und jähen Ende ficht.
Womit fechten Bucinobanten?
◄ Das Fechten mit Einhandschwert und Schild ist die Grundlage des Reenactment-Fechtens der Bucinobanten. Auch werden Neulinge anfänglich mit Schwert und Schild geübt. Die Schilde für den Reihenkampf sind Rundschilde von 80cm Durchmesser. Für das Fechten werden aber auch kleinere Schilde, 60-40cm Durchmesser, eingesetzt, um die Technik zu verbessern.
• Einhandaxt und Schild sind eine sinnvolle Erweiterung des Fechtens mit Einhandschwert und Schild, weil die Axt mit ihrem Bart eine gewisse schildumgehende Wirkung hat. Da aber nur Treffer mit Metall zählen ist die Einhandaxt schwerer zu beherrschen. Vor allem große Kämpfer mit langen Armen können die Einhandaxt sehr wirksam einsetzen.
• Einhandger (oder Frame) und Schild sind eine zeitlose Waffenanordnung, mit welcher ein Großteil der Streitkräftegeschichte gefochten wurde. Bei den Regeln der Bucinobanten ist der Einhandger gegenüber dem Schwert etwas eingeschränkt, aber der Sicherheit wegen müssen Abstriche hingenommen werden. Der Einhandger mit Schild ist aber eine sehr gute Waffe, um im Verbund mit den Schild- und Schwertkämpfern der ersten Reihe Druck zu machen. Viele Kämpfer mit Einhandger und Schild führen als Hilfswaffe ein Schwert am Gürtel.
• Der Ger, zweihändig geführt, ist eine Waffe für Fortgeschrittene, weil er sehr leicht arg gefährlich wirken kann. Deswegen unterliegt auch er bei den Bucinobanten einigen Beschränkungen gegenüber dem Schwert. Der zweihändige Ger wird mit großem Erfolg aus der zweiten Reihe geführt. Der zweihändige Ger ist es, der einer Kampfreihe eine echte Übermacht gegen die feindliche Schlachtreihe ermöglicht. Das Fechten mit dem zweihändigen Ger ist im Paar am wirksamsten. Zu zweit sind Gere mit ihrer sehr langen Reichweite und guter Kraftübertragung von einem einzelnen Kämpfer kaum aufzuhalten. Ein zweihändiger Ger allein, auf offenem Felde, ist jedem Schild und Schwert Kämpfer fast schutzlos ausgeliefert. Viele Kämpfer mit zweihändigem Gere führen als Hilfswaffe ein Schwert am Gürtel.
• Die Danaxt, zweihändig geführt, vereint Eigenschaften von Einhandaxt und zweihändigem Gere in sich. Die Danaxt ist eine Waffe für Fortgeschrittene, weil mit ihr sehr großer Schaden ausgeteilt werden kann. Vor allem das Wenden des Axtkopfes in der Bindung kann für den Gegner zu überraschenden Treffern führen. Wie mit dem zweihändigen Ger ist die Danaxt eine Waffe, um aus der zweiten Reihe einen Schwerpunkt zu setzen. Eine Danaxt allein, auf offenem Felde, ist jedem Schild und Schwert Kämpfer fast schutzlos ausgeliefert. Viele Kämpfer mit Danaxt führen als Hilfswaffe ein Schwert am Gürtel.
• Fernwaffen werden bei den Bucinobanten nicht schwerpunktmäßig geübt. Dennoch gibt es sie im Reenactment-Fechten, vor allem den Bogen. Mag man auf die Bogenschützen etwas herabsehen, doch gezielte Schüsse mit ihm haben schon manchen Streiter überraschend getroffen. Auch Schleuderer oder Steinewerfer (beide mit Tennisbällen als Geschosse) sind im Reenactment-Fechten denkbar, werden aber selten gesehen.
Schildfarben
◄ Die Bucinobanten führen in spätrömischer Zeit Rundschilde mit Schildfessel als Griff. Das Schild der Bucinobanten ist vorne rot, mit einem gelben Innenkreis um den Schildbuckel. Die Innenseite wird heute weiß bemalt. Das Recht sich einen Bucinobanten zu nennen muß man sich aber erst erwerben.
Wie werde ich ein Bucinobant?
◄ Es ist gar nicht so leicht ein sicheres, aber dennoch kämpferisches Reenactment-Fechten zu erlernen, wie es die Bucinobanten pflegen. Dazu geben sich die Bucinobanten reichlich Mühe und bilden Anfänger in den Grundfertigkeiten, wie dem Einzelfechten im Stande, aus. Bei den Bucinobanten gilt, daß ein Anfänger möglichst rasch in das Liniengefecht der Gruppe eingebunden werden soll. Nur im Gewalthaufen, der geschlossenen Kampfreihe, kann man (frau) letztlich die Fähigkeit erlernen, mit seinen Nebenkämpfern zusammen den Gegner zu besiegen. Dazu sind gute Nerven gefragt, um auch unter Belastung sicher zu fechten, wie es die Bucinobanten lehren. Deswegen ist die Belastbarkeit des Einzelnen auch ein wichtiges Ausbildungsziel der Bucinobanten.
• Die Bucinobanten sind für Interessierte unter folgendem Kontaktdaten persönlich zu erreichen: Hermann Imort, Telephon: 06447 922989, Mobil: 0151 15120339
• „Kämpfen ist immer eine körperliche und geistige Erfahrung. Ein Auseinandersetzen mit den Grenzen des eigenen Körpers und des eigenen Geistes. Gleichzeitig die höchste Form der Wachheit und der Trance. Man kann versuchen es mit Wörtern zu beschreiben. Um es zu begreifen muß man es aber Erfahren.“ Hermann Imort, 2007.
► Frankfurt am Main, 2007, Richard Cole (Stahl auf Stahl)
