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Reflexkampf

Was ist Reflexkampf

Reflexkampf ist eine praktische Selbstverteidigung für den modernen Menschen. Reflexkampf ist ein kompaktes System, dass in kurzer Zeit Fähigkeiten der Selbstverteidigung gegen waffenlose und bewaffnete Angriffe vermitteln kann. Dies ist nicht mit einer vollständigen Ausbildung in Kampfkunst zu verwechseln, die mehre Jahre in Anspruch nimmt. Reflexkampf ist darauf ausgelegt, die natürlichen Schutzreflexe des Menschen zur Selbstverteidigung zu nutzen und gezielt zu steigern. Dazu möchte ich etwas näher auf den Hintergrund und die Entstehung des Reflexkampfs, sowie ihres Begründers Volker Kunkel eingehen.

Volker Kunkel’s Reflexkampf

Seit über zehn Jahren arbeite ich mit Volker Kunkel auf dem Gebiet der Kampfkunst und der Entwicklung von Fechtwaffen für das Historische Fechten zusammen. Diese Zusammenarbeit hat zu Fechtschwerttypen geführt, die im Historischen Fechten heute Standards setzen (lange Messer, Einhandschwerter und lange Schwerter, erhältlich über West-Coast). Sichere und fechtbare Übungswaffen zu haben ist eine Grundvoraussetzung, um Historisches Fechten erlernen zu können. Zunächst habe ich Volker Kunkels Lebenswerk nur flüchtig wahrgenommen, vor allem weil ich intensiv an der Erforschung der uns verfügbaren Quellen zum historischen Fechten arbeitete. Die Erforschung der mir bekannten Quellenlage in Europa und Asien hat über ein Jahrzehnt in Anspruch genommen. Ich habe in dieser Zeit konzentrierter täglicher Arbeit gelernt, viele der uns in der Literatur vermittelten Ansichten zum Historischen Fechten zu verwerfen. Der Großteil der Arbeit war die Formulierung der richtigen Fragen. Viele dieser Fragen habe ich mit Volker Kunkel diskutiert und die Gespräche dauern bis heute an. Erst dadurch haben sich für viele der Fragen zur Kampfkunst die funktionalen Antworten eingestellt. Hierbei habe ich von vielen Seiten Hilfe erhalten, vor allem möchte ich an dieser Stelle Jens Peter Kleinau für seine Arbeit mit mir danken. Ich war und bin fasziniert von den Quellen zum historischen Fechten in Ost und West. Der Prozess der Forschung ist nach wie vor im Gange, ein Ende ist nicht abzusehen. Die Arbeit bleibt also spannend.

volker_richard Jetzt aber zu einer der wichtigen Fragen: Wer hat mit der Grundlagenarbeit zum Historischen Fechten in Deutschland begonnen und wann? Durch Gespräche mit Zeitzeugen und eigenen Nachforschungen stellte sich heraus, dass Volker Kunkel einer der ersten und wichtigsten Vorreiter des Historischen Fechtens in Deutschland war und ist. Zu nennen ist außerdem in diesem Zusammenhang die theoretische Arbeit von Hans-Peter Hils 1983 und 1985, die kursorisch eine Aufstellung und Zusammenfassung der uns bekannten Quellenlage zum Historischen Fechten bot. Allerdings war Volker Kunkel wohl der Erste in Deutschland, der die gewonnen Einsichten auch praktisch im Unterricht umsetzte, seit 1993 bis heute. Wichtig ist weiterhin zu wissen, dass Volker Kunkel Anfang der 1990′ er Jahre Joachim Meyers Fechtbuch im Eigenverlag veröffentlicht hat. Die Grundlage für Volkers Ausgabe war eine bibliographische Originalkopie des „Michael Manger M. D. C.“ Fechtbuchs von Joachim Meyer ohne Transkription. Wolfgang Landwehr hat auf der Grundlage dieser Ausgabe eine Transkription von Joachim Meyers Fechtbuch herausgeben, die heute als Buch erhältlich ist und als verbindlich gilt. Die zentrale Position von Joachim Meyers Fechtbuch im Historischen Fechten ist heute allgemein bekannt. Ich möchte noch einmal darstellen, dass Volker Kunkel damals als einer der Ersten erkannte, welchen herausragenden Stellenwert Joachim Meyers Fechtbuch im westlichen Historischen Fechten einnimmt.

Die Grundlage aller Kampfkunst

Die Grundlage aller modernen und historischen Kampfkünste in Ost und West lässt sich auf zwei Begriffe verdichten: Bindung und Blößen. Unter der Bindung – im Historischen Fechten der Krieg, das Winden, das Indes oder Fühlen genannt – versteht man den taktilen oder haptischen Reiz, der durch den Kontakt von Waffen oder Körperteilen mit dem Gegner entsteht. Hierdurch gewinnt der Kämpfer in kürzester Zeit und auf engstem Raum nützliche Informationen über seinen Gegner. Unter den Blößen – im Historischen Fechten die Vier Blößen und das Nachreisen genannt – versteht man die geometrische Aufteilung der Kämpfenden, mit und ohne Waffen. Die geometrische Aufteilung des Gegners beschreibt die offenstehenden Trefferzonen, aber auch die Veränderung derselben durch die Bewegung von Waffe und/ oder Körper des Gegners. Hierdurch gewinnt der Kämpfer eine räumlichen und zeitlichen Vorteil gegenüber seinem Gegner. Damit sind die Blößen die Grundlage von Vor und Nach. Ich kann an dieser Stelle nicht genug betonen, dass diese beiden Begriffe von Bindung und Blößen, Haptik und Geometrie, jede Form von Kampfkunst definieren. Volker Kunkel hat aus seinen Erfahrungen mit westlichem Boxen, Taekwondo und Ju/Jui-Jutsu als einer der ersten schon in den 1970′er Jahren diese grundlegende Zweiheit der Kampfkunst erkannt. In unseren westlichen historischen Fechtquellen wird meiner Forschung nach dieses Konzept auf einmalige Weise vereint. Volker Kunkel hat sich diese Erkenntnis selbst erarbeitet und sie in der Folge an der historischen Quellenlage nachvollziehen können. Ich bin den umgekehrten Weg gegangen, ich habe erst in den historischen Quellen das vollständige Konzept kennen gelernt und dann in die Praxis umgesetzt. Keith Kernspecht, der Begründer EWTO, hat in diesem Zusammenhang formuliert, dass Volker Kunkel ein Mann sei, der seiner Zeit im Gebiet der Kampfkunst (in Deutschland) weit voraus war.

Entwicklung eines Kampfkunstsystems

Um 1974 hat Volker Kunkel aus seinen Erfahrungen mit westlichen Boxen, Taekwondo und Ju/ Jui-Jutsu, sowie dem ersten Kontakt mit dem Wing Tsun in Deutschland heraus zwei bedeutende Fragen formuliert: 1. Gibt es einen geometrischen Bruch gegen Angriffe aus dem westlichen Boxen oder dem Wing Tsun? Das Wing Tsun dieser Zeit hatte starke Anklänge an die Reste der akademisch-sportlichen Fechtkunst, die im Westen noch verbreitet waren. Diese waren vor allem starke Angriffe auf der Mitte. Westliches Boxen hingegen versuchte vor allem über die Flanken zu arbeiten. 2. Gibt es Selbstverteidigung ohne klassische Techniken? Wir bewegen uns hier zeitlich in der Phase, als weltweit und vor allem in Deutschland Kampfkünste wie das Karate, Ju/ Jui-Jutsu oder Hapkido vor allem an der Anzahl ihrer Einzeltechniken gemessen wurden. Klassische Techniken waren und sind vor allem statischer Natur, weil die Rollen von Angreifer und Verteidiger festgelegt sind. Diese Degeneration der Kampfkunst in eine reine Techniksammlung ist heute zum Glück vorbei.

Kreis Strahl Kung Fu

Diese beiden Fragen begründeten Volker Kunkels Entwurf des Kreis Strahl Kung Fu (Buchveröffentlichung 1979). Das Kreis Strahl Kung Fu war ein künstliches System auf der Basis von Rund und Gerade. Rund im Verteidigungs- und gerade im Angriffsbereich, verbunden über die Gleichzeitigkeit von Beiden, also das Indes oder Unotempo Prinzip des Fechtens. Hier sehen wir auch Parallelen zum Aikido mit Omote und Ura. Aus dem Werk von Joachim Meyer und Johannes Liechtenauer wissen wir, dass diese alles Fechten in gerade oder runde (verkehrte) Haue einteilten und das Indes als das wichtigste Prinzip des Fechtens erachteten.

Reflexkampf

Entstanden zwischen 1978 bis 1980, hat Volker Kunkel auf der Basis von zwei weiteren grundlegenden Fragen den Reflexkampf entwickelt. Volker Kunkel hatte sich in seiner Arbeit als examinierter Historiker Berichte von Überlebenden des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie des Koreakriegs angesehen. Diese Kriege hatte alle einen sehr hohen Nahkampfanteil. Volker Kunkel fiel auf, dass die meisten Auszeichnungen für Nahkampf Männern verliehen wurden, die keine praktische Kampfkunstausbildung besaßen. Volker Kunkel hatte tausende von Bildern aus Photosammlungen sportlicher sowie nicht-sportlicher Kämpfe analysiert. Hier gilt es nicht zu vergessen, dass damals fast keine Filme vorlagen. Es stellte sich im Laufe dieser Analyse heraus, dass angeschlagene Kämpfer nicht System immanent reagierten, sondern zu einer Art Doppeldeckung Zuflucht nahmen. Diese Doppeldeckung in der Not, deren Wurzel viel älter ist als bekannte Kampfkunst, muss also auf einem angeborenen Schutzreflex beruhen. Im Historischen Fechten ging Hans Talhoffer einen ganz ähnlichen Weg, indem er explizit Techniken anbot, die mit einen Rückbezug auf angeborene Reflexe auch in Situationen funktionieren, in denen der Kämpfer jede Technik durch Überforderung vergaß. Auch Joachim Meyer erwähnt ausdrücklich diesen Verhalt. Johannes Liechtenauers Kernsatz „Sich schützt kein Mann ohne Gefahr“ beruht ebenfalls auf diesen Konzept. Volker Kunkel schloss daraus, dass mindestens schon zur der Zeit des Ersten Weltkriegs kein lebendes Kampfkunst System in Europa mehr praxisnah war. Wodurch hatten diese im Kriege ausgezeichneten Männern den Nahkampf überstanden? Zwei grundlegende Fragen nahmen Gestalt an: 1. Ist eine Methode der Verteidigung ganz ohne Technik möglich? Diese Frage sollte klären, ob es dem Menschen gegeben ist, sich ausschließlich mit seinen natürlichen Reflexen zu verteidigen. 2. Ist daraus ein System der Verteidigung ableitbar, dass sich auf Prinzipien gründet, also aus übergeordneten Gesichtspunkten besteht? Ein solches System würde keine Regeln kennen und ohne erlernbare Techniken auskommen. Es würde rein aus naturgegebenen, instinktiven Bewegungen bestehen.

Die Antwort auf die richtigen Fragen

Der Reflexkampf ist das Produkt, dass Volker Kunkel als Antwort auf diese beiden Fragen gibt. Der Reflexkampf ist Anfang der 90`er Jahre von der Bayrischen Polizei und dem Deutschen Zoll aufgenommen worden, um die Ausbildung der Beamten zu reformieren. Der Reflexkampf besteht aus wenigen, grundlegenden Bewegungen. Unterschieden werden diese Bewegungen vor allem in Bewegungen nach vorne und Bewegungen nach hinten. Aus unseren westlichen historischen Quellen wissen wir, dass man früher eine ähnliche Denkweise pflegte. Im Historischen Fechten gilt das Vor und das Nach als das Fundament aller Kampfkunst.

Seminar zum Reflexkampf

Mein Interesse an der Kampfkunst hat auch nach über 35 Jahren Praxis nicht nachgelassen. Ich bin vor allem ein Freund von Synergie und sehe die historischen Kampfkünste in West und Ost als wichtige Kulturgüter, die auch oder gerade heute noch erforscht, betrieben und verstanden werden müssen. Reflexkampf ist eine Synthese aus Bindungen und Blößen. Es ist für Männer und Frauen, Junge und Alte sowie Starke und Schwache geeignet. Reflexkampf ist im Stand, am Boden und im Sprung anwendbar. Ich biete in Zusammenarbeit mit Volker Kunkel Reflexkampf Seminare an.

►► Frankfurt am Main, 2016, Richard Cole (Stahl auf Stahl)

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