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Grundfragen

Buckler und Schwert nach Luitger (I.33) und Andre Lignitzer

Buckler und Schwert nach den Quellen von um 1300 (I.33) und von 1452 (Liegnitzer)

◄ Historisches Fechten mit Buckler Schwert, mit dem Faustschild und dem Einhandschwert, hat keinerlei Bezug zu der weit verbreiteten Ansicht, daß der Buckler, als Schild, eine reine Schutzwaffe sei. Der Buckler ist also nicht eine Art handgetragener Harnisch. Wir finden beim Fechten mit Buckler und Schwert auch kein dumpfes „Hinhalten“ des Bucklers, einmal ist er dazu zu klein, des weiteren hat er einen viel größeren Nutzen als Erweiterung der Waffe Schwert. Fechten mit Buckler und Schwert kann mit den heute üblichen Fechtweisen des modernen Sportfechtens nicht verglichen werden, nur das Fechten mit Dolch und Degen (oder Mantel und Degen) mag als Anlehnung empfunden werden. Auch die aus asiatischen Künsten bekannte Fechtweise mit zwei gleichen Knüppeln hat mir dem Fechten mit Buckler und Schwert wenig gemein.

Buckler und Schwert

Buckler und Schwert

• Das Fechten mit Buckler und Schwert ist eine wertvolle Bereicherung der Fechtlehre. Fechten mit Buckler und Schwert führt den Fechter in den Kampf mit zwei Händen ein, also den Gebrauch zweier unterschiedlichen Waffen gleichzeitig. Darüber hinaus zeigt es die Verwendung des Schildes als Waffe auf (was wie gesagt von vielen Menschen anfänglich nicht so wahrgenommen wird). Es ist etwas völlig anderes eine große Waffe mit zwei Händen zu führen, als zwei kleinere Waffen mit beiden Händen unabhängig voneinander zu gebrauchen. Letzteres setzt eine viel größere Tätigkeit des Hirnstammes voraus, um die beiden Gehirnhälften wirksam zusammenarbeiten zu lassen.

• Buckler und Schwert waren Kriegs- und Selbstverteidigungswaffe, welche nunmehr fast unbekannt ist. Jedoch wird der Buckler als Polizeiwaffe wieder eingesetzt, was seine Vielfältigkeit andeutet. Buckler und Schwert nenne ich gerne einen Waffenanordnung, weil sie die wirksamen Eigenschaften beider Waffen verstärkt. Gut geführt arbeiten der Buckler und das Schwert als eine einzige Waffe, welche den Vergleich mit keiner anderen Fechtwaffe scheuen muß. Fechten mit Buckler und Schwert setzt viel weniger auf Leibeskraft als auf Geschicklichkeit. Damit ist es auch für nicht so starke Menschen eine brauchbare Fechtlehre. Diese benötigte Geschicklichkeit wird durch den Unterschied von Buckler und Schwert, der ungleichen Rollenverteilung, noch unterstrichen.

• Bei der Waffenanordnung Buckler und Schwert werden die Wirkungen der beiden Waffen deutlich gesteigert, im Verein sind also Buckler und Schwert viel schlagkräftiger, als sie es einzeln wären. Das Schwert ist die bevorzugte Angriffswaffe, um die lange Entfernung zu überbrücken und um tödliche Verletzungen zu verursachen. Der Buckler ist die bevorzugte Angriffswaffe, um die mittlere Entfernung zu überbrücken und die Schwerthand zu schützen. Auch kann der Buckler benutzt werden, um Verletzungen zu verursachen, doch ist dies zumeist nur gegen ungeübte Fechter möglich. Beim Schwerte wird vor allem der Ort eingesetzt, um dem Gegner beizukommen, die Klinge stellt das Band her. Haue werden oft ausgeführt, um eingangs in das Band zu kommen. Doch es ist der Ort, von dem unverstellt die Bedrohung ausgeht.

• Unterhaltsamer Weise wird das Schwert beim Fechten mit Buckler und Schwert ganz ähnlich eingesetzt, wie es beim langen Schwerte erfolgt, trotz der großen Unterschiede der Waffen. Der Buckler stützt oft die eigene Klinge, und die Bucklerhand gibt der Schwerthand oft Kraft, so daß Buckler und Schwert die meiste Zeit „zweihändig“ arbeiten, also als eine Waffe, welche von zwei Händen bewegt wird. Man könnte dabei den Buckler als bewegliches Kreuz des langen Schwertes bezeichnen, wenn man die beiden Waffen geradewegs vergleichen möchte. Desweiteren hat die Verwendung des Bucklers einiges mit dem Gebrauch der Arme und Hände im Ringen gemeinsam. Somit ist Fechten mit Buckler und Schwert eine wirkliche Verbindung von Ringen und langem Schwerte.

Was ist Historisches Fechten mit Buckler und Schwert?

◄ Historisches Fechten mit Buckler und Schwert hat keine Berührungspunkte mit dem gegenwärtig in bewegten Bildern gerne vorgeführten „Fantasy-Fechten“. Es ist auch keine mindere Form des Fechtens mit großem Schild und Schwert oder gar ein Gong Fu mit nichtasiatischen Waffen. Historisches Fechten mit Buckler und Schwert stellt die Pflege und Anwendung überlieferter alter Kampfkünste dar. Es gilt nicht den Stein der Weisen zu finden oder als „Meister“ mit allerlei Betörung seinem eigenen Größenwahn Rechnung zu tragen. Es ist auch nicht nötig aus heutigen modernen Kampfkünsten das Historische Fechten mit Buckler und Schwert „nachzubessern“. Wofür sollte das gut sein?

Buckler und Schwert

Buckler und Schwert

• Historisches Fechten mit Buckler und Schwert ist, um es auf den Punkt zu bringen, mit mörderischer Absicht auf die Todesfolge ausgelegt und wirksam. Es ist aber nur noch in Wort und Bild erhalten, jede lückenlose Überlieferung ist in den vergangenen Jahrhunderten verloren gegangen. Dieser Umstand ist beim Historischen Fechten mit Buckler und Schwert Hoffnung und Gefahr zugleich. Als Hoffnung kann angesehen werden, daß durch die hervorragende Quellenlage einer Wiedergeburt des Historischen Fechtens mit Buckler und Schwert wenig im Wege steht. Als Gefahr muß genannt werden, daß zahlreiche Fehldeutungen der Quellen das Historische Fechten mit Buckler und Schwert auf Irrwege führen mögen, von denen es so rasch keine Abwendung mehr gibt.

• Das Historische Fechten mit Buckler und Schwert beschreibt einen sehr großen Raum, welcher vielerlei Techniken und Herangehensweisen enthält. Im Historischen Fechten mit Buckler und Schwert wird jedoch immer eine Lehre beschrieben, welche in der maßgebenen Quelle in sogenannten Spielen daher kommt. Es muß also die Lehre verstanden und ausgelegt werden und in den Spielen zur Anwendung gelangen.

• Dies sind zwei voneinander getrennte Arbeitsschritte, welche unterschiedliche Anforderungen an den Historischen Fechter mit Buckler und Schwert stellen. Beide sind gleich wichtig. Denn jede ernstzunehmende Kampfkunst besteht aus Lehre und Anwendung. Einfaches Sammeln von Stücken oder Techniken, wie es heuer leider weit verbreitet ist, kann nicht als ausreichend angesehen werden. Daraus ergibt sich kein Bewußtsein für die Kampfkunst. Diesen beiden Handlungsansätzen, Lehre und Anwendung, gleichermaßen gerecht zu werden ist unsere Aufgabe beim Historischen Fechten mit Buckler und Schwert. Hoffen wir, daß es uns gelingt.

►► Frankfurt am Main, 2009, Richard Cole (Stahl auf Stahl)

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