Prinzip Talhoffer

Das Prinzip Talhoffer

Das Prinzip Talhoffer

◄ Dies sind meine Gedanken zur Fechtkunst von Hans Talhoffer. Ich möchte versuchen diese Fechtkunst von Hans Talhoffer auf ein Prinzip zu reduzieren, eben das Prinzip Talhoffer. Es ist mir wichtig, daß der Leser versteht, daß im Historischen Fechten die Auslegung auf reiner Forschung beruht, also keine absolute Wahrheit darstellt. Dies ist um so wichtiger, als daß ja verschiedene Auslegungen zur Fechtkunst von Hans Talhoffer existieren. Der geneigte Leser möge also immer in Erinnerung behalten, daß meine Forschung meine Meinung darstellt, so viel und so wenig.

• Wir haben im Historischen Fechten vordergründig eine sehr große Zahl von Quellen in Bild und Schrift vorliegen, welche dem Namen nach die Lehre vom Langen Schwerte behandeln. Die meisten dieser Quellen stammen aus dem 15. Jahrhundert. Rein vom fechterischen Inhalt her verdichten sich diese Quellen auf drei besonders wichtige Werke, die sich im 14. und 15. Jahrhundert finden: Das GNM 3227a, auf 1389 datiert, das 44A8, auf 1452 datiert, und die Fechtbücher von Hans Talhoffer, welche in der Datierung von 1443 bis 1467 reichen. Ich habe schon oft angeführt, daß sich die Fechtlehren von Johannes Liechtenauer und Hans Talhoffer meiner Meinung nach unterscheiden, aber auf derselben Grundlage fußen. Deswegen stelle ich das Prinzip Talhoffer oft der Lehre von Johannes Liechtenauer gegenüber, um die theoretische Grundlage von Hans Talhoffers Fechtlehre zu beleuchten. Am einfachsten kann man den Unterschied zwischen der Fechtlehre von Johannes Liechtenauer und Hans Talhoffer am Vorder- und Hinterband aufzeigen. Mit Aristoteles werden Gegensätzen am deutlichsten, wenn man sie nebeneinander stellt.

• Das Prinzip Talhoffer möchte ich an Hans Talhoffers „Gotha“ aus dem Jahre 1443 veranschaulichen. Dies hat zwei Gründe. Erstens ist dies das frühste Werk, welches uns von Hans Talhoffer erhalten geblieben ist, möglicher Weise also Hans Talhoffers Erstlingswerk. Zweitens finden sich in dieser Quelle außergewöhnlich gut zu veranschaulichende Übungen, welche Hans Talhoffer wahrscheinlich nicht ohne Grund an den Beginn des Fechtbuchs gestellt hat.

• Überhaupt muß man sich fragen, warum Hans Talhoffer im Gothaer Codex, das kein Langes Schwert im Bloßfechten enthält, mit Übungen beginnt, die eben das Lange Schwert im Bloßfechten zum Inhalt haben. Dazu muß man wissen, daß Hans Talhoffer im Gothaer Codex die gesamte Ordaltradition vorstellt, also die gesamte Austragung eines gerichtlichen Zweikampfs, vom Beginn der Fehde mit dem Aushändigen des Fehdebriefs an einen Boten, der Überbringung des Fehdebriefs durch diesen Boten an den Gegner, der Einstellung eines Fechtlehrers für das Ordal, die gesamte, über Wochen dauernde Vorbereitung des Ordals und schließlich seine Durchführung mit ihren blutigem Ende.

• Dazu rahmt Hans Talhoffer die bloßen Waffenübungen in eine ganze Reihe von physiologischen und psychologischen Begleitumstände ein, um nicht nur den Körper, sondern auch Geist und Seele des Kämpfers zu stärken: Gebet, Kraftübungen, Ernährung, Baden, Schlaf in beheizter Kammer, Entspannung bei der Jagd und Musik, Besuch einer Kirche (fuori le mura) und eines Heiligtums, die Segnung der Waffen durch einen Geistlichen und das Feiern der heiligen Messe. Man sollte bei einem Ordal nicht vergessen, daß der psychologische Druck eines in einigen Wochen kommenden Kampfes auf Leben und Tod enorm ist und vom Fechtlehrer deswegen unbedingt bedacht werden muß. Und hier, im Fechtbuchteil, noch vor dem ganzen Ordalablauf, finden wir Hans Talhoffers Übungen für das lange Schwert.

• Dem ganzen Fechtbuch vorangestellt sind kabbalistisch-astrologische Tafeln zur Berechnung des günstigsten Kampftages für das Ordal sowie Namenstafeln zur Einteilung des Vornamens des Kämpfers in kabbalistisch-astrologischen Gruppen. Sogar die Art der zu erwartenden Verletzungen, wenn man nicht an einem für diese kabbalistisch-astrologischen Gruppen günstigen Zeitpunkt ficht, sollen berechenbar sein. Auch diese kabbalistische Astrologie dient nur einem Zweck: Der Psychologie, die den Kämpfer mit einem Schicksalsglauben beruhigen soll. Nur wer eine gewisse Seelenruhe genießt kann durch Waffenübungen sinnvoll auf das Ordal vorbereitet werden. Diesen Berechungen folgen die Zettel von Johannes Liechtenauer und Meister Ott. Das Gotha ist die älteste uns bekannte Kompilation von Johannes Liechtenauers Lehrgedicht in der Zweiten Überlieferung und des Ringens von Meister Ott.

• Die Waffen, die im „Gotha“ vorgestellt werden, sind das Gefecht mit Stechschild und Kolben sowie Harnischfechten mit dem langen Schwerte im gerichtlichen Zweikampf, des weiteren Harnischfechten mit der Mordaxt, Nierendolchfechten und Ringen. Außerdem finden sich im „Gotha“ 16 Blätter mit Kopien aus dem Bellifortis Kriegsbuch von Konrad Kyesers aus dem Jahre 1405.

• Das Fechtbuch beginnt, wie schon erwähnt, mit Übungen zum Langen Schwerte im Bloßfechten, also dem Fechten ohne Harnisch, welches sich vom Harnischfechten mit dem Langen Schwerte massiv unterscheidet. Diese Lehre des Langen Schwertes im Bloßfechten wird, im Gegensatz zu andere Werken von Hans Talhoffer, nicht in Gotha durch Bildabläufe dargestellt. Es werden auch, im Gegensatz zum gesamten Fechtbuch, keine Gefechte gezeigt, sondern Hauabläufe, denn es fehlen bei den Darstellungen der Haue ganz eindeutig Gegner. Es kann sich also nicht um Gefechte handeln, denn ein Gefecht benötigt nun mal einen Gegner. Nach den Hauübungen folgt eine Partnerübung, die ich eine Kreisübung nenne. Eine Kreisübung ist eine Übung des Fühlens im Bande, wieder kein Gefecht, denn es kommt zu keinem das Gefecht beendendem Treffer und damit Ende des Gefechts. Man kann diese Kreisübung in einem endlosen Ablauf wiederholen, was für mich ganz klar auf einen sehr wichtigen Übungsinhalt hinweist, den Hans Talhoffer für wert hält viel geübt zu werden.

• Genauso, mit Kreisübungen, baue ich heute meinen eigenen Unterricht auf, um das Fühlen am Schwert zu vermitteln. Auch führe ich im Unterricht Hauübungen durch, mit verschiedenen Graden der technischen Schwierigkeit. Deswegen liegt es für mich so nahe im „Gotha“, welches mit Übungen für das Ordal und der Ordaldarstellung beginnt, einen wichtigen Übungsinhalt dargestellt zu sehen, und nicht, wie allgemein vermutet, eine wirre Darstellung von Huten. Für Huten, also Vorkampfstellungen, sind die Ausholbewegungen der Figuren viel zu groß, niemand würde solche Bewegungen in einem Gefecht benutzten. Und Hans Talhoffer geht sogar so weit manche Figuren der Hauübungen überlappt zu zeichnen, so daß man wirklich sehen kann welche Figur als erstes kommt und welche als zweites. Hans Talhoffer legt also eine zeitliche Abfolge fest.

• Wenn man sich schon die Mühe macht Hauübungen und eine Kreisübung darzustellen, dann ist es durchaus angeraten zu versuchen zu ergründen, was denn nun der Inhalt dieser Übungen ist. Diese beide Blöcke, die Hauübungen und die Kreisübung, stellen für mich glasklar den Versuch Hans Talhoffers dar, seine Lehre, ganz im Sinne von Johannes Liechtenauer, auf einen Kern oder ein Prinzip zu verdichten. Denselben Ansatz mit den Hauübungen finden wir im „München“ 1467, Hans Talhoffers letztes erhaltenes Werk. Und die Hauübungen des „München“ weisen sehr starke Redundanzen zum „Gotha“ auf.

• Das Konzept oder Prinzip, das Talhoffer Prinzip, welches wir in diesen Übungen finden, zieht sich durch Hans Talhoffers gesamtes Werk, und es ist, sozusagen, liechtenauerfrei. Es ist also nicht das Konzept, das Johannes Liechtenauer in seinem Werk schwerpunktmäßig verwendet. Wie geschrieben unterscheiden sich die Lehren von Johannes Liechtenauer und Hans Talhoffer, aber sie fußen auf einer gemeinsamen Grundlage. Wir können das Prinzip Talhoffer, und das ist ein einmaliger Glücksfall im 15. Jahrhundert, von 1443 bis 1467 verfolgen, also über 24 Jahre, in fünf unabhängigen Fechtbüchern. Ähnliches finden wir nur in der Dritten Überlieferung bei Joachim Meyer 1570 bis 1600 (sowie Joachim Meyers bis undatierte Handschrift vor den beiden Drucken). Schaut man sich die Datierung des „Gotha“ an, 1443, und die Datierung des darin vorgestellten Lehrgedichts Johannes Liechtenauers, 1448, so ist es durchaus möglich, daß in den Übungen des Gotha die Fechtkunst Hans Talhoffers niedergelegt ist, die sich von der Fechtkunst des Johannes Liechtenauers unterscheidet. Man darf nicht vergessen: Das „Gotha“ ist die erste Quelle des 15. Jahrhunderts, welche die Fechtkunst Johannes Liechtenauers vorstellt. Davor kennen wir nur, was Johannes Liechtenauer angeht, das GNM 3227a von 1389. Und das 3227a, welches ich die Erste Überlieferung Johannes Liechtenauers nenne, unterscheidet sich von allen anderen Fechtbüchern zum Thema Johannes Liechtenauer aus dem 15. Jahrhundert, die ich alle die Zweite Überlieferung Johannes Liechtenauers nenne, sehr stark.

• Trifft meine Vermutung zu, und Hans Talhoffer hat wirklich versucht den Kern seiner Fechtlehre im „Gotha“ vorzustellen, am Langen Schwerte. Dazu hat Hans Talhoffer einen festen Übungsablauf ersonnen, heute würden wir es eine Form nennen.

Hans Talhoffers Alpha-Omega Form im „Gotha“

◄ Um das Prinzip Talhoffer vorzustellen möchte ich die Hauübungen und die Kreisübung im „Gotha“ kurz besprechen. Das Prinzip Talhoffer ist, wie jedes Prinzip, keine Technik oder ein Gefecht, sondern ein Gedankenansatz, ein Problemlösungsmodell, wie man im Fechten möglichst viele der auftretenden Schwierigkeiten löst, ohne dabei selber getroffen zu werden. Hans Talhoffer stellt sein Wappen im „Thott“ 1459 mit einer Spruchrolle vor, auf der sein Leitspruch zu finden ist: „Bedenk Dich recht“. Hier geht es also nicht um bloßes Hauen und Stechen mit viel Kraft, wie allgemein im 19. und frühen 20. Jahrhundert vermutet wurde, sondern um eine hoch entwickelte Kunst.

• Es gibt im Hiebfechten drei Grundprobleme. Zuerst gibt es das Vorderband, also das Band der Klingen vordere Schneide gegen vordere Schneide, von der gleichen Schulter beider Fechter gehauen (z. B. von meiner linken Schulter und von Gegners linker Schulter), so daß ein kreuzförmiger Versatz entsteht. Dann gibt es das Hinterband, also das Band meines Schwertes mit der vorderen Schneide an Gegners hinterer Schneide, von der gleichen Schulter beider Fechter gehauen. Das Hinterband ist nur mit einem Seitschritt meinerseits möglich. Dritten gibt es die Möglichkeit des Haues auf gleicher Ebene, von gegensätzlichen Schultern der Fechter gehauen. Dabei gibt es keinen kreuzförmigen Versatz der Klingen, so daß beide Fechter Gefahr laufen getroffen zu werden. Deswegen ist die dritte und letzte Möglichkeit ein sehr großes Problem im Hiebfechten.

• Jetzt zur Hauübung, welche ich die Alpha-Omega Form nenne. Diese ist zweifelsohne die Grundlage von Hans Talhoffers Lehre. Sie besteht aus neun Hauen, die Fünf Haue und die Vier Versetzen, sowwie den Vier Huten.

• Nachdem ich diese historische Form entdeckt hatte gab ich ihr den Namen Alpha-Omega Form, weil sie mit dem SchAitelhau beginnt und mit dem ZOrnhau endet. Dies sind drei mal drei Haue, also neun Haue.

Fünf Haue: Zornhau, Krumphau, Twerhau, Schielhau und Scheitelhau (Schaitelhau).

Vier Versetzen: Langort (Oberhau), Unterhau, Sturzhau und Wechselhau

• Die Alpha-Omega Form ist damit die älteste uns überlieferte historische Übungsform in Eurasien, in Ost und West. Die Alpha-Omega Form ist kurz und enthält alle wesentlichen Elemente des Fechtens, vor allem die neun Haue und Vier Huten. Damit ist sie eine Synthese des Fechtens aus der Lehre der Alten und der Lehren von Hans Talhoffer und Joahnnes Liechtenauer.

• Der Ablauf der Alpha-Omega Form in 14 Zeiten:

1. Schaitelhau nach vorne (gepfeilter Stand)
2. Krumphau nach rechts (gepfeilter Stand)
3. Nebenhut rechts eingedreht (gepfeilter Stand)
4. Unterhau links nach vorne (Vorwärtstand, Ochs)
5. Ab 45 Grad eine 180 Grad Drehung der Klinge im Stand (Vorwärtstand, Alber)
6. Wechselhau nach vorne im Stand (gepfielter Stand, Einhorn)
7 Schritt nach vorne und Streichen (gepfeilter Stand, Hengen)
8. Dabei Oberhau links bis 90 Grad rechts neben den Leib tief (Eisenport, gepfeilter Stand)
9. Vom Tag nach vorne im Stand (Vorwärtstand)
10 Sturzhau links nach vorne im Stand (Vorwärtstand)
11. Twerhau nach rechts im Stand (Rückwärtsstand, Zornhut)
12 Schritt mit Schielhau (Vorwärtsstand, Pfug)
13. Schritt nach vorne und Streichen (gepefeilter Stand, Hengen)
14. Dabei Zornhau rechts bis 90 Grad links neben den Leib tief (Eisenport, gepfeilter Stand)

• Beim gepfeilten Stand sind die Beine fast gestreckt und das Gewicht befindet sich in der Mitte. Beim Vorwärts- und Rückwärtsstand ist ein Bein stark gebeugt, das andere Bein fast gestreckt und das Gewicht ist nach dem Goldenen Schnitt zwischen den Beinen verteilt.

• Also finden wir in der Alpha-Omega Form den Sturzhau, den Unterhau, denWechselhau und den Oberhau. Dies deckt sich zu 100 Prozent mit dem Konzept der Hauübung im „München“: Oberhau, Unterhau, Sturzhau und Wechselhau finden sich in dieser Reihenfolge als Darstellung am Anfang des Fechtbuchs „München“ 1467. Und die Alpha-Omega Form bietet einen geschlossenen Übungsansatz für alle Möglichkeiten des Hiebfechtens mit seinen drei Problemen, Vorderhand, Hinterband und Hau auf gleicher Ebene. Die Alpha-Omega Form kann ich auch spiegelverkehrt ausführen, dann erhalte ich alle Winkel, die möglich sind. Erst jetzt kann ich anfangen angstfrei das Fechten zu üben, wenn ich weiß, daß ich die Mittel haben um alle Möglichkeiten des Hiebfechtens abzudecken. Diese geistige Ruhe muß für ein Ordal überlebenswichtig gewesen sein!

• Erstaunlich an der Alpha-Omega Form von 1443 ist ihre geistige Nähe zu asiatischen Übungsformen – nur daß die Alpha-Omega Form deutlich älter ist als alle uns bekannten asiatischen Formen. Die ältesten mir bekannten asiatischen Übungsformen liegen mit Yu Da-You um 1580 vor, welcher der Lehrer von Qi Jiguang war.

• Die Alpha-Omega Form lehtr das Hinterband – das Prinzig Talhoffer.

Hans Talhoffers Kreisübung im „Gotha“

◄ Die Kreisübung im „Gotha“ führt das Konzept der zuerst vorgestellten Alpha-Omega Form konsequent mit Übungspartner fort. Wie gesagt, für eine Kreisübung ist immer ein Partner nötig, ohne Partner wäre es nur einen Hauübung. Die Kreisübung besteht aus drei Bildern, die zwei Fechter bei einer Übung zeigen. Bei einem Gefecht würde es eine Auslösung mit einem Treffer geben, dies fehlt hier. In der Übung ist alles drinne, was Hans Talhoffer offenbar für Übenswert hielt: 1. Zufechten, 2. Arbeit im Hinterband, 3. Auflösen des Bandes durch Ringen am Schwert.

• Die Kreisübung im „Gotha“ nenne ich die Scheitelhau Partix. Diese Kreisübung stellt ein wichtiges Bindeglied zwischen der Lehre von Johannes Liechtenauer und Hans Talhoffer da, deswegen werde ich sie in einem anderen Beitrag besprechen. Für Das Prinzip Talhoffer ist es nur wichtig zu verstehen, daß die Scheitelhau Patrix im Hinterband gefochten wird.

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◄ Und somit scheint das Prinzip Talhoffer wie ein Leitfaden durch die Alpha-Omega Form und die Scheitelhau Patrix im „Gotha“, wie durch Hans Talhoffers gesamtes Werk. Ich möchte das Talhoffer Prinzip in drei Teile gliedern, um es besser verständlich machen zu können:

1. Zufechten durch Erlangen der Hinterbindung. Aus der Hinterbindung erreiche ich ein Höchstmaß an Sicherheit, weil ich mich vollständig aus dem Wege des Gegners begebe. Der Preis dafür ist immer ein längerer Weg, was mich also dazu zwingt immer im Nach zu fechten und/ oder den Kreuzschritt zu nutzen. Die Vorteile der Hinterbindung liegt aber auf der Hand: Es ist mir ein leichtes Gegners Kräfte, die er entfaltet hat um mich zu treffen, nun, aus der Flankenstellung der Hinterbindung, zu verstärken und damit endgültig an mir vorbei in Leere laufen zu lassen. Ober aber ich lasse den Gegner durch seinen eigenen Vortrieb in meine Waffe laufen.

2. Zeitliche Kontrolle des Gegners durch Fechten im Nach. Das Fechten im Nach ermöglicht mir eine sehr starke Kontrolle über Gegners Handlungen und setzt den Gegner durch sein eigenes Fühlen durch meine Handlungen im Nach beständig unter den Einfluß meiner Handlungen, die sich ja eigentlich aus den Impetus der seinen ergeben. Somit initiiert der Gegner zwar den Erstschlag, aber ich steuere ihn durch mein Nach mit meinen Handlungen oder Impulsen nach dem ersten Kontakt ständig, ohne das er bemerkt, daß alle seine Handlungen sich eigentlich aus meinem Nach speisen. Dies ist vor allem wichtig, wenn der Gegner stärker als ich ist.

3. Frühes Band im Hengen im Tag oder im Ochs. Ich versuche, um der gesteigerten Sicherheit willen, den Gegner so früh es geht im Band zu begleiten, ohne ihn in dieser Phase des Zufechtens mit eigenen Impulsen meine Absichten zu verraten. Eigene Impulse setzte ich bei der zeitlichen Kontrolle des Gegners durch Fechten im Nach. Beim frühen Band im Hengen im Tag oder im Ochs möchte ich eigentlich eher den Gegner verleiten von mir unauffällig kontrolliert tiefer in meinen Raum vorzustoßen. Je tiefer er in meinen Raum vordringt, desto mehr wird er sich selber meinem Einfluß unterwerfen müssen. Drückt der Gegner mich ein, wenn er stärker ist, dann gibt es drei Möglichkeiten: Aus dem Hinterband die Kreisübung, die zu einem erneuten Hinterband (oder Treffer) führt, aus dem Vorderband die Nebenhut, gefolgt von Unterhau und Wechselhau und aus dem Hau auf gleicher Ebene die Zornhut mit Zornhau. Wichtig für mich ist es hier nicht stärker als der Gegner zu sein, sondern ihm möglichst früh im Bande zu begleiten.

► Frankfurt am Main, 2017, Richard Cole (Stahl auf Stahl)

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