Aktuell im Forum

Fünf Wörter

Der Schwertkampf und die Fünf Wörter

Wie übe ich die Fünf Wörter?

◄ . . . mit viel Geduld. Und natürlich mit einem gutem Lehrer. Es ist sinnvoll sich an den Ablauf der Fünf Wörter zu halten und zuerst einmal das Vor und das Nach zu üben. Das Können in der Kampfkunst liegt darin schneller als der Gegner zwischen Vor und Nach wechseln zu können und damit das Band zu erzwingen, oder den Gegner sogleich zu schlagen, wenn er in Reichweite kommt. Du mußt also fühlen lernen. Dann mußt Du lernen, auf die geringste Veränderung zwischen Vor und Nach zu wechseln, eben wie es der Gegner vorgibt. Das ist nicht leicht. Wenn Du dich schneller als der Gegner an das Gefecht anpassen kannst, dann wirst Du für den Gegner eine immerwährende Gefahr sein, er selber ist aber kaum in der Lage Dich zu erlangen. Ich beginne in allen Lehren immer mit den Übungen des Vor.

Das doppelte Vor vermeiden

Schwertkampf Seminar: Langes Schwert

Schwertkampf Seminar: Langes Schwert

• Zum Vor und Nach gibt es einige Zusammenhänge, welche jeder Übende sich immer wieder vergegenwärtigen muß. Erstens: Das Doppelte Vor vermeiden! Viele Fechter verstehen den Zusammenhang zwischen Vor und Nach nicht wirklich. Die meisten nähern sich an, bis sie sich in Waffenreichweite wähnen und hauen dann beide zu (oft schlagen sie beide von außerhalb ihrer jeweiligen Reichweite). Sie glauben, daß Vor immer Schnelligkeit bedeuten muß und schlagen gar zu früh zu. Dies nenne ich das doppelte Vor (auch das doppelte Nach ist zu beobachten, wenn beide nur herumstehen und nichts tun). Vor und Nach sind aber recht umfassende Denkansätze. Es sollte immer nur einer im Vor sein, der andere im Nach, den beides sind ja, wie ich darstellte, Angriffe. Wer welche Rolle einnimmt hängt davon ab, wer den Vorschlag gewinnt. Hier kommt das Anpassen an geringste Veränderungen ins Spiel. Übende sollten ihre Geschwindigkeit verlangsamen, um zu erkennen wie einer im Vor und der andere im Nach ist. Dazu kann man auch „Vor” und „Nach” rufen, um anzuzeigen was man gerade zu erkennen glaubt.

Das Nach zulassen

• Das Nach zuzulassen ist keine Schwäche als Fechter, denn ich kann mit dem geeignetem Stück sein Vor mit meinem Nach brechen. Beide, Vor und Nach, haben ihre Tücken und ihre Glanzseiten. Das Vor gewinnt Raum, das Nach bedeutet oft einen Zeitgewinn. Der Schlüssel zum Üben ist langsames Tun, mit einem klaren Bewußtsein für Vor und Nach. Das Nach ist aber immer schwierig, weil ich ja den Gegner beherrschen muß, um nicht im Nach selber getroffen zu werden. Bei jedem Nach kommt ein Zeitpunkt, ab dem das Nach keinen Wert mehr hat (der Gegner unterschreitet meine Reichweite) und ich sogleich im Vor angreifen muß. Wieder verweise ich auf die Anpassung an geringste Veränderungen.

Übungen zum Vor und Nach

• Die Eins-Zwei Übungen Vor/ Nach: Die Ein-Zwei Übung habe ich ersonnen, um anfänglich erst einmal die Grundlagen des Vor und Nach dem Übenden darzulegen. Für die Eins-Zwei Übung sind beide Fechter gleich stark. Das bedeutet, keiner kann die Klinge des anderen verdrängen oder einen erfolgten Griff mit Gewalt lösen. Wir stehen beide in einer Hut, ohne uns zu bewegen. Ich zähle laut „Eins“ und schaffe eine Bedrohung gegen eine Blöße (Hau, Schnitt, Stich, auch Ringen), mit Schritt. Ich vollende den Angriff aber nicht. Ich, als „Einser“ halte ein kurzes Stück vor dem Treffer an rühre mich nicht. Ich zähle laut „Zwei“ und vollende den Angriff, gegen genau die Blöße und genau in der Art und Weise, wie ich es durch meine Bewegung bei „Eins“ angezeigt habe. Mit meinem lauten Zählen „Zwei“ darf sich auch mein Übungspartner, der „Zweier“, bewegen. Er wird meinen Angriff durch eine Versatzung oder einen Gegenangriff zunichte machen. Aber da wir für die Übung gleich stark sind, darf er meine Klinge nicht verdrängen und keine Griffe meinerseits durch Gewalt lösen. Er muß sich bewegen, um meinen Angriff aufzulösen. Darnach beginne ich wieder und zähle laut „Eins“, und ich schaffe mit Schritt eine neue Bedrohung, der Ablauf wiederholt sich. Die Eins-Zwei Übung sollte immer langsam beginnen. Wer sie gut beherrscht, der kann sie mit seinem Partner auch rasch üben.

• Bei der Eins-Zwei Übung wird der Einser immer im Vor sein, weil er sich dank der Übung doppelt so schnell wie der Zweier bewegen kann. Der Zweier wird immer im Nach sein, was durch die zwei Handlungen des Gegners gegen seine eine Handlung erzwungen wird. Doch der Zweier kann die Angriffe des Einsers dank des lauten Zählens „vorhersehen“. Stärke und Schwäche sind bei dieser Übung nicht möglich, weil wir beide immer gleich stark sind und unsere Klingen nicht verdrängen können. Die Übung soll ja Vor und Nach bewußt machen. Das Indes ereignet sich immer in dem Zeitraum zwischen „Eins“ und „Zwei“. Immer, wenn die Bedrohung klar angezeigt wird, genau in dem Augenblick, wenn der Einser laut „Zwei“ zählt, dann kommt das Indes mit der Berührung an der gegnerischen Klinge zum Tragen. Dies ist aber nur ein erfreuliches Beiwerk und nicht Ziel der Übung.

►► Frankfurt am Main, 2010, Richard Cole (Stahl auf Stahl)

  • del.icio.us
  • Digg
  • Webnews.de
  • Facebook
  • MisterWong.DE
  • Google Bookmarks
  • Tipd
  • Tumblr
  • Yahoo! Bookmarks
  • Print
  • email
  • Live
  • Diggita
  • LinkedIn
  • Linkter
  • N4G
  • Netvibes
  • Twitter