Das Schwert

Geschichte des Schwertes

◄ Die Geschichte des Schwertes (ich lasse hier bewußt messer- und säbelartige Waffen, welche mindestens genauso alt wie das Schwert sind, außen vor) geht Hand in Hand mit den Fortschritten in der Materialkunde und der Schmiedekunst einher. Das Schwert könnte man als den ersten Gegenstand bezeichnen, welcher außer dem Töten von Zeitgenossen für den Menschen keinen brauchbaren Wert hat (außer als Kultgegenstand!). Dadurch unterscheidet sich ein Schwert von einem Speer, einem Messer oder einer Axt, welche zumindest als Jagdwaffe oder Werkzeug auf eine sehr lange Verwendung seit der Steinzeit zurückblicken können.

Entstehung des Schwertes

• Seit der Bronzezeit wurde das Schwert als Waffe hergestellt. Wo es an der kostbaren Bronze mangelte, da wurden Klingenwaffen aus Feuerstein hergestellt (Nordeuropa um 1600 v. Chr.). In der Bronzezeit (Osteuropa und Mykene um 1600 v. Chr., Mitteleuropa um 1100 v. Chr.) finden sich die unterschiedlichsten Bronzeschwerter, selbst solche, deren Klinge gegen das Griffstück um 90 Grad verdreht ist. Jedoch ist bei allen Bronzeschwertern die Klingenlänge und der Klingenquerschnitt durch das verwendete Material Bronze gewissen Grenzmaßen unterworfen. Einerlei ob Vollguß oder mit aufgenietetem Gehilz, Bronze läßt sich nur bis zu einer gewissen Länge herstellen, wenn es den Kräften eines Hiebes widerstehen soll. Auch kann Bronze nicht so dünn und hart wie Stahl verarbeitet werden, was der Trennleistung der Waffe Abbruch tut. So wundert es nicht, daß Bronzeschwerter oft einen weit vorne liegenden Schwerpunkt haben und sich mehr wie eine Axt führen.

• Mit dem Aufkommen der Eisenzeit (Hethiter 1600-1200 v. Chr., Mitteleuropa um 800 v. Chr. (Hallstattzeit)), werden weiterhin Schwerter mit Bronzegriff gefertigt, auch wenn sie nunmehr eine Eisenklinge besitzen. Doch Eisen ist viel weicher als Stahl und bei weitem nicht so elastisch, wenn es auch der Bronze als Klingenmaterial überlegen ist. So mag es nicht verwundern, daß das Wort „Ger“ auf keltisch eine Lanze mit eiserner Spitze bedeuten soll. Durch den Gebrauch von Holzkohle bei der Weiterverarbeitung von Eisen wurde dem Metall mitunter Kohlenstoff (mit anderen Verfahren aber auch Stickstoff) zugeführt, was möglicher Weise zufällig zu den ersten Stählen führte, welche in Wasser oder Öl gehärtet werden konnten (Aufkohlen, Verstählen).

• Chemisch gesehen ist Stahl, vereinfacht ausgedrückt, eine Legierung aus Eisen und Eisenkarbid. Eisen mit einem Anteil von 0,05 bis 2,06 Prozent Kohlenstoff wird heute Stahl genannnt. Doch die vielschichtigen metallurgischen Zusammenhänge der Stahlherstellung waren bis vor etwa 100 Jahren nicht bekannt. Es wurde aber frührer anhand der nachprüfbaren Eigenschaften des Metalls streng zwischen Schmiedeeisen (Geschmeidig Eisen) und Stahl unterschieden. Die Schmiede alter Zeit wußten wie sie Stahl mit gewissen Fähigkeiten erzeugen konnten, und sie haben wohl von Anfang an ihre Geheimnisse zu hüten gewußt, weswegen ihnen der Volksmund rasch zauberische Fähigkeiten nachsagte.

"Hammerschmiede", AEIOU, in: Austria-Forum, das Österreichische Wissensnetz, http://www.austria-lexikon.at/af/Wissenssammlungen/Historische_Bilder/Hammerschmiede, 17. September 2009

"Hammerschmiede", AEIOU, in: Austria-Forum, das Österreichische Wissensnetz

• Mit dem Aufkommen des Rennofens vor über zweitausend Jahren wurde eine wirtschaftlichere Herstellung von Stahl möglich. Der Rennofen stellte einen geradewegs schmiedebaren Stahl mit unterschiedlichem Kohlenstoffgehalt zur Verfügung. Dieser Stahl mußte zum Ausgleich der verschiedenartigen Eigenschaftes des Stahls gefrischt und gegerbt werden. Überflüssiger Kohlenstoff und Verunreinigungen wurden durch wiederholtes Glühen unter starker Luftzufuhr und Hämmern verbrannt. Für die Luftzufuhr was rasch der Blasebalg geschaffen. Aber erst in der frühen Neuzeit, als man für das Hämmern und den Blasebalg die Wasserkraft nutzbar machen konnte, war es möglich die Stahlherstellung über das Vermögen der Arbeit von Hand hinaus zu steigern. Die gesteigerte Produktion an Stahl, durch verbesserte Verfahren und den Einsatz von Wasserkraft, hat sich sicherlich eher auf die Quantiät der hergestellten Schwerter ausgewirkt. Hochwertige Klingen gibt es schon seit der Eisenzeit.

Das Schwert und der Krieg im Mittelalter

 ◄ Wie zuvor erwähnt, war das Schwert zumeist nur anteilig Kriegswaffe. Als Seitenwaffe für den Nahkampf fand es in fast allen Epochen seit der Bronzezeit Verwendung. Schwert und Schild sind eine zeitlose Waffenanordnung für das Vordergefecht von Haufen. Das Schwert als Trutzwaffe und die Schutzwaffe Schild machen selbst den Leichtgerüsteten gegen Stein- und Pfeilbeschuß einigermaßen sicher. Sogar heute gebraucht die Polizei aus diesem Grunde Schild und Schlagstock, auch nutzen Sondereinsatzkommandos taktische Schilde beim Schußwaffengebrauch. Aber nur im Verein mit dem Schilde war das Schwert eine Gefechtsfeldwaffe. Ausnahmen wie Enterkämpfe späterer Zeiten bestätigen diese Regel. Dieser Verhalt wurde erst mit dem Aufkommen von Plattenpanzern und Feuerwaffen in Frage gestellt.

• Nach der Völkerwanderung überwiegen im Frühmittelalter kürzere Hieb- und Schnittschwerter, welche für die Paarung mit dem Schilde geschaffen wurden. Im auslaufenden Frühmittelalter kann man eine Veränderung der Schwertformen erkennen. Die Klingen und Kreuze werden länger. Zuerst muß in diesem Zusammenhang eine merkliche Verbesserung der Stähle im 9. und 10. Jahrhundert genannt werden. Bessere Stähle machen immer schmalere Klingen, Ortausbildungen und Kreuze möglich. Zeitgleich beginnt der Panzerschutz der Fechter mit dem vermehrten Aufkommen von Ringelharnischen zu steigen. Das Hieb- und Schnittschwert verändert sich zu einer Waffe, welche immer mehr auch für den Stich durch leichte Harnische geeignet ist.

• Im Hochmittelalter setzt sich diese Entwicklung fort, und es kommen immer bessere und schwerere Arten des Ringelharnisch auf. Am Ende des Hochmittelalters finden Plattenteile Eingang in den Harnisch, welche von schneidenen Waffen nicht mehr zu durchdringen sind. Manche Schwerter kehren die Entwicklung vom Hieb zum Stich um und werden nun zu Wuchtwaffen (Typ XVII). In die Zeit des Hochmittelalters fällt auch das Fechtbuch I33, welches das Bloßfechten (mit Typ XV?) für untere Schichten (Adelige und/ oder Pilger?) lehrt. Es ist auffällig, daß im I33 nur seitliche Hiebe zu Hals und Kopf und mittige Stiche gezeigt werden, nicht etwa Schnitte. Diese Arten der Einwirkung sind geeignet, um mit Helm und Ringelharnisch gerüstete Gegner zu verletzen. Das I33 scheint die Selbstverteidigung gegen gerüstete und ungerüstete Gegner zugleich zu lehren.

Albrecht Dürer, Irische Kriegsleute

Albrecht Dürer, Irische Kriegsleute und Bauern (1521)

• In der zweiten Hälfte des Spätmittelalter finden wir den geschlossenen Plattenharnisch. Mitte des 14. Jahrhunderts begegnet uns das lange Schwert mit rhombischer Klinge und breitem Kreuz. Die immer besser werdenden Harnische können nur noch von Wuchtwaffen durchschlagen werden. Das Schwert, so es den Stich sucht, muß diese Harnische eher umgehen als durchdringen, womit das Halbschwert (Ringen im Harnisch) hervortritt. Johannes Liechtenauer ist der Fechtmeister des Spätmittelalters, auf den sich während der kommenden 200 Jahre die meisten Fechtlehrer berufen. Johannes Liechtenauer muss im mittleren 14. Jh. gelebt haben, als das zweihändig geführte Schwert (Typ XIIIa und XVa) erst seit wenigen Jahrzehnten verbreitet war. Nachfolgend sei auch Hans Talhoffers berühmtes Fechtbuch von 1467 erwähnt (Typ XVIII mit Varianten).

• Verlängerte Kreuze, seit dem 10. Jahrhundert verstärkt eingesetzt, bieten entgegen landläufiger Meinungen keinen besseren Schutz der Schwerthand. Dafür ist das Kreuz schlicht zu schmal. Gegen Schnitte wäre ein Korb oder eine Glocke besser geeignet, wobei aber beide gegen Wuchtwaffen ohne Schutzwirkung sind. Panzerhandschuhe können den Schutz eines Korbes oder einer Glocke gut ersetzen. Verlängerte Kreuze bieten beim Roßfechten einen größeren Winkel zum Absetzen von Lanzenstichen. Verlängerte Kreuze sind beim Einlaufen, also dem Ringen am Schwert, sehr dienlich. Beim Halbschwert, dem Ringen im Harnisch, haben längere Kreuze beim Reißen eine große Wirkung. Im Bloßfechten können verlängerten Kreuze beim Fechten mit Winden vor allem den Kopf schützen (Gehilz vor dem Kopfe). Letztlich verändern verlängerte Kreuze die Masseverteilung beim Schwerte.

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