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Das Schwert

Aufteilung des Schwertes

Waffenteile des Schwertes

◄ Die historischen Begriffe zu der Aufteilung des Schwertes sind nicht vollständig einheitlich. Es finden sich verschiedene Bezeichnungen, die wahrscheinlich regional bedingte Unterschiede als Ursache haben. Die häufigsten Bezeichnungen der Fechtbücher des 14. bis 17. Jahrhunderts sind in diesem Artikel zusammengestellt. Zusätzlich werden moderne Begriffe genannt, welche die mechanischen Eigenschaften beschreiben. Die modernen Begriffe sind mit einem Sternchen markiert.

Die Waffenteile des Schwertes benennen zu können ist für einen Fechter unerläßlich, wenn man Schwerter vergleichen und beurteilen möchte. Für den fortgeschrittenen Fechter ist ein gefühlsmäßiges Verstehen der Waffenteile, vor allem der Schwingungsknoten und Kipppunkte, überaus wichtig. Eigentlich glaubt man, daß ein Schwert nicht aus vielen benennbaren Teilen bestünde, doch nach etwas Nachdenken kommt man auf über 20. Ein gutes Schwert oder Fechtschwert herzustellen ist ein Kunsthandwerk. 

Ort

● Der Ort ist die Spitze des Schwertes und wirkt im Stich auf das Ziel ein. Ein Ort kann sehr unterschiedlich ausgestaltet sein. Hauptsächlich ist ein Ort eher gerundet oder spitz. Gerundete Örter sind für den Stich nicht so geeinget wie spitze Örter, haben aber dafür schneidende Eigenschaften. 

Langes Schwert: der Ort

Langes Schwert: der Ort

Klinge/ Blatt

● Der Teil des Schwertes, welcher schneidend, hauend und stechend auf das Ziel einwirken soll (Mordschläge, Klosstöße und Reißen mit dem Kreuze ausgenommen). Die Klinge ragt aus dem Kreuz heraus. Ein Bewußtsein für den Anstellwinkel der Klinge, ich nenne es „Klingenbewußtsein“, ist für jeden fortgeschrittenen Fechter uneingeschränkt notwendig. Die Eigenschaften der Klinge werden durch die Härtung des Klingenstahls und den schmiedetechnischen Aufbau der Klinge bestimmt. Hier gibt es riesige Unterschiede in der Güte. Schmiedetechnisch unterteilt sich die Klinge in Blatt und Angel, wobei das Blatt aus dem Gehilz ragt, die Angel hingegen durch das Gehilz läuft. Der Begriff Klinge ist in so fern richtig, als daß, bei einem fertigem Schwert, die Angel stets vom Gehilz verborgen ist. Schmiedetechnisch richtiger wäre die Klinge durch den Begriff Blatt zu präzisieren, in der Praxis unterschieden sich aber Klinge und Blatt nicht, weil, die getippt, die Angel im Gehilz aufgenommen ist.

Langes Schwert: die Klinge

Langes Schwert: die Klinge/ das Blatt

Vordere Schneide

● Auch die lange Schneide, rechte oder wahre Schneide genannt. Die vordere Schneide ist Teil der Klinge. Die vordere Schneide wirkt mit Kerb- oder Schnittwirkung auf das Ziel ein. Ein Schwert hat gewöhnlich zwei Schneiden (im Gegensatz zum Messer). Beim Schwerte ist die vordere Schneide für die meisten Einwirkungen auf das Ziel vorgesehen. Beim langen Schwerte muß die vordere Schneide zum Aufnehmen der gegnerischen Klinge verwandt werden. 

Langes Schwert: vordere Schneide

Langes Schwert: vordere Schneide

Hintere Schneide

● Auch kurze Schneide genannt. Die hintere Schneide ist ein Teil der Klinge. Die Hintere Schneide kann beim Schwerte, wie die vordere Schneide, auf das Ziel einwirken. Da sie bei den Hieben zum Fechter zeigt kann es sinnvoll sein sie stumpfer zu lassen, vor allem in ihrer Stärke. Viele historische Stücke und Spiele mit dem einhändigen Schwerte verwenden die vergleichsweise stumpfe hintere Schneide, vor allem in ihrer Stärke, zum Aufnehmen der gegnerischen Klinge. 

Langes Schwert: hintere Schneide

Langes Schwert: hintere Schneide

Fase *

● Die Fase ist eine angeschliffene Fläche zwischen Schneide und Klingenfläche, wenn eine Klinge nicht auf null ausläuft. Eine Fase hemmt die Schartenbildung, doch sie verringert die Kerb- und Schnittwirkung. Wenn man so will macht eine Fase ein Schwert stumpfer. Fasenbildung ist bei mehrfachem Nachschleifen kaum zu Umgehen. 

Langes Schwert: die Fase

Langes Schwert: die Fase

Hohlkehle *

● Die Hohlkehle ist eine Aussparung der Klingen- und oft auch der Angelmasse. Sie verändert die Masseverteilung, das Schwingungsverhalten, die Lage des schwächeseitigen schwingungsfreien Knotens und die Biegesteifheit des Schwertes nachhaltig. Durch geschickt gelegte Hohlkehlen kann ein Schwert in seinen Leistungen stark verändert werden. Hohlkehlen können im Querschnitt durchaus auf 1mm Stahl vermindert sein. Hohlkehlen können auch in die Angel hineinlaufen.

Langes Schwert: die Hohlkehle

Langes Schwert: die Hohlkehle

Grat *

● Ein Grat ist das Gegenteil von einer Hohlkehle. Ein Grat ist erhaben und besitzt eine klar verlaufende Schnittkante, an der sich die beiden Klingenflächen treffen, auch Mittelrippe genannt. Ein Grat verändert den Querschnitt eines Schwertes und somit auch das Schwingungsverhalten. Ein Grat gewährt mehr Biegesteifheit und damit mehr Stichhaltigkeit.

Langes Schwert: der Grat

Langes Schwert: der Grat

Schwäche

● Die Schwäche ist die Hälfte der Klinge, welche vom Ort bis zur Mitte der Klinge reicht. Die Schwäche ist vor allem dazu geeignet Energie abzugeben. Wird die Schwäche sehr dünn ausgeführt, dann wandert der schwächeseitige schwingungsfreie Knoten sehr weit zum Kreuz (wie bei Typ XV), was die Hiebwirkung mindert. Biegt sich die Schwäche auf Druck zu sehr durch, dann ist es für den Fechter schwer mit dem Fühlen aus dem Bande zu fechten.

Langes Schwert: die Schwäche

Langes Schwert: die Schwäche

Schwächeseitiger Kipppunkt *

● Der Punkt, um welchen das Schwert in seiner Gesamtheit kippt, wenn man es an der Mitte des Gehilzes mit zwei Fingern greift und entlang der Schneide taumeln läßt. Am besten ist es, wenn der schwächeseitige Kipppunkt im Ort liegt. Der schwächeseitige Kipppunkt ist überaus wichtig, um verläßlich stechen zu können und bei einem Wechsel des räumlichen Winkels des Schwertes den Ort makellos auf den Gegner ausgerichtet zu halten. 

Bild siehe: “Ort”

Schwingungsfreier Knoten */ Einschlagpunkt ‘

● Der Punkt (Nulldurchgang) in der Schwäche, bei dem ein Schwert entlang seiner Seitenansicht am wenigsten schwingt, wenn es mit Energie auf Widerstand trifft. Der schwingungsfreie Knoten ist dazu geeignet mit maximaler Energie auf ein Ziel einzuwirken. Je weiter vorne zum Ort zu das Schwert ein Ziel trifft, desto mehr wird das Blatt schwingen und die Energie des Einschlags über eine größere Fläche verteilen. Ich nenne diesen Punkt den Einschlagpunkt. Einerlei ob Schnitt durch ein Weichziel oder Hau auf ein hartes Objekt, der Einschlagspunkt muß sauber auf das Ziel geführt werden, wenn ich ein Höchstmaß an Wirksamkeit anstrebe. 

Bild siehe: “Gehilzseitiger schwingungsfreier Knoten”

Stärke

● Die Stärke ist die Hälfte der Klinge, welche von der Klingenmitte bis zum Gehilz reicht. Die Stärke ist vor allem dazu geeignet Energie aufzunehmen. Die Stärke sollte nicht so scharf wie die Schwäche sein, damit die Gefahr von Schartenbildung oder Ausbrüchen so gering wie möglich gehalten wird. 

Langes Schwert: die Stärke

Langes Schwert: die Stärke

Ausgestellte Fehlschärfe/ Parierhaken *

● Manche Waffen weisen dreieckig ausgestellte Fehlschärfen oder gar Parierhaken auf. Diese dienen der keilförmigen Aufnahme einer gegnerischen Waffe noch vor dem Kreuze. 

Stärkeseitiger Kipppunkt */ Kontrollpunkt *

● Der Punkt, um welchen das Schwert in seiner Gesamtheit kippt, wenn man es am Kloß mit zwei Fingern greift und entlang der Schneide taumeln läßt. Am besten ist es, wenn der stärkeseitige Kipppunkt möglichst weit vom Gehilz entfernt liegt. Der stärkeseitige Kipppunkt ist bedeutsam, um bei einem Wechsel des räumlichen Winkels des Schwertes immer ein Stück Stahl zwischen sich und dem Gegner als Deckung zu haben. Da dies vor allem in der Bewegung unerläßlich ist, kommt dem stärkeseitigen Kipppunkt ein großer Stellenwert zu, denn er ist der Ruhepunkt, um den sich die Klinge vor meinem Körper bewegt, wenn ich das Schwert vor mich halte. Ich nenne diesen Punkt den Kontrollpunkt, weil es dienlich ist beim Hau aus dem Tag mit diesem Punkt möglichst schnell die Nasenlinie zu besetzen. 

Keilwinkel *

● Der Keilwinkel ist der Winkel, welchen die Klingenflächen zueinander einnehmen. Ist eine Fase vorhanden, dann gibt es zwei Keilwinkel, einen für die Fasen, einen für die Klingenflächen. Der Keilwinkel ist bei auf null ausgeschliffenen Schwertern immer im Zusammenhang mit der Klingenbreite zu sehen (deswegen schneiden breite Schwerter oft besser). Der Keilwinkel ist ausschlaggebend für die Trennleistung eines Schwertes (wichtig ist natürlich auch der Klingenquerschnitt, ballig oder rautenförmig). 

Langes Schwert: Der Keilwinkel

Langes Schwert: Der Keilwinkel

Politur *

● Die Politur entscheidet über die Haft- und Gleitreibung am Zielgut und damit über die Trennleistung des Schwertes. Mit Flüssigkeiten (Wasser, Blut) benetze Klingen hauen, schneiden und stechen besser. 

Regenleder *

● Viele historische Abbildungen und Schwerter weisen ein Regenleder auf, welches zwischen Klinge und Kreuz angebracht ist und links und rechts zu den Flächen des Schwertes als kleines Stück Leder überragt. Der Name „Regenleder“ ist historisch unverbürgt, mag aber von dem möglichen Nutzen des Regenleders ausgehen, welches ein Schwert in der Scheide vor einlaufendem Regenwasser schützen mag. 

Kreuz

● Auch Parierstange genannt. Das Kreuz ist eine Ausbildung des Gehilzes. Das Kreuz besteht aus einer rechtwinklig oder kurvig angesetzten Stange, welche geradewegs an die Klinge anschließt und von dieser durchdrungen wird. Das Kreuz liegt oft auf der Schneidenebene, aber auch S-förmige, also in der Waagerechten gebogene Kreuze kommen vor. Das Kreuz dient zwar auch dem Schutze der Hand und des Leibes, ist aber auch ein wichtiges Waffenteil im Kampf (z. B. Reißen). 

• An manchen Kreuzen sind Fingerringe, Eselshufe oder Parierkörbe angebracht, um den Schutz der Waffenhand zu erhöhen. 

Langes Schwert: das Kreuz

Langes Schwert: das Kreuz

Gehilz

● Auch Heft, Handhabe oder Griff genannt. Das Griffteil des Schwertes, welches die Hände des Fechters umfassen. Das Gehilz beinhaltet auch das Kreuz und den Kloß. 

Langes Schwert: das Gehilz

Langes Schwert: das Gehilz

Angel

● Die Angel ist ein Teil der Klinge und läuft durch das Gehilz durch. Angel und Blatt bilden die beiden Teile der Klinge. Die Angel schließt auch den Kloß ab, wobei eine Angel geschweißt, geschraubt oder genietet den Klos abschließen kann. Eine genietete Angel ist wohl am besten. Geschweißte Angeln brechen gerne unter Last. Geschraubte Klöße lösen sich gerne nach Hauen gegen Widerstand. Die Ausgestaltung der Angel verändert die Masseverteilung und das Schwingungsverhalten des Schwertes. Bei manchen Originalen wurde der Kloß im Gehliz des Schwertes an die Angel angenietet, um aus einem einhändigen Schwert ein langes Schwert zu machen. 

Langes Schwert: die Angel

Langes Schwert: die Angel

Gehilzseitiger schwingungsfreier Knoten *

● Der Punkt (Nulldurchgang), bei dem ein Schwert entlang seiner Seitenansicht am wenigsten schwingt, wenn es mit Energie auf Widerstand trifft. Der gehilzseitige schwingungsfreie Knoten ist dazu geeignet einen möglichst guten Griff des Schwertes sicher zu stellen, wenn der Punkt genau mittig in der greifenden (bei rechtshändern rechten) Hand liegt. Oft ist der gehilzseitige schwingungsfreie Knoten durch einen Knebel oder eine Wölbung im Gehilz markiert. 

Langes Schwert: Schwingung

Langes Schwert: Schwingung

Kloß

● Auch Knauf genannt. Das Gegengewicht zu Klinge. Der Kloß ist nötig um ein Schwert auszuwiegen. Ohne den Kloß läge der Schwerpunkt des Schwertes viel zu weit vom Gehilz entfernt, so daß es ortlastig würde. Ist der Kloß aber zu schwer, dann wird das Schwert kloßlastig. Der Kloß wird beim Kloßstößen (schlagender Ort) und dem Mordschlag als Waffenteil eingesetzt. Der Kloß kann von einer Niete oder Schraube abgeschlossen werden.

Langes Schwert: der Kloß

Langes Schwert: der Kloß

►► Frankfurt am Main, 2010, Richard Cole (Stahl auf Stahl)

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