Aktuell im Forum

Marxbrüder

Marxbrüder und Federfechter

Geschichte und Legende

◄ Die Geschichte als solche ist nicht frei von Mutmaßungen. Auf der einen Seite stehen Meinungen und Auslegungen. Auf der anderen Seite stehen Funde und Aufzeichnungen. Das gilt auch für die Überlieferungen, welche von den Marxbrüdern künden. Dies ist eine Zusammenstellung dieser Zeugnisse und eine Einsicht in die Schlussfolgerungen.

Das Ende des Rittertums

◄ Die älteste Überlieferung des Historischen Fechtens mit dem langen Schwerte, das GNM 3227a, steht noch firm in der Tradition des christlichen Rittertums. Christlich-ritterliche Ideale werden in diesem Werke noch häufig genannt und geradewegs mit dem Fechten in Verbindung gesetzt. Jenes christliche Rittertum mag als die erste eigenständige Laienkultur im postantiken Europa gelten. Das christliche Rittertum verwob, ausgehend von Frankreich und den Niederlanden, grausamen Krieg, höfisches Leben, christliche Besinnlichkeit und intellektuelle Ansprüche zu einer bis dahin nicht gekannten Einheit. Deswegen war das Rittertum als Geistesfunke in der Lage den Untergang des historischen Rittertums zu überdauern.

Frankfurt am Main in Rösners Fechtgedicht der Marxbrüder von 1589

Phanasievolle Darstellung Frankfurts am Main in Rösners Fechtgedicht der Marxbrüder von 1589Quelle: BSB urn:nbn:de:bvb:12-bsb00026371-2

• Das christliche Rittertum endet aber im Ausgehenden 14. Jahrhundert. Doch die alten Kampfkünste gehen zu Glück nicht verloren. An die Stelle des Rittertums tritt ein neuer Stand, der sehr eifrig die Reste des christlichen Rittertums bewahrt: Das Bürgertum und deren Elite, die städtischen Patrizier. Die bürgerliche Fechtkunst sieht sich in verschiedenen Quellen dem Heiligen Georg (Sankt Jörg), dem Militärheiligen, anheimgestellt, was noch als Nachhall des Rittertums gelten kann.

• Im beginnenden 15. Jahrhundert gibt es eine neue bürgerliche Überlieferung. In dieser bürgerlichen Überliefung (die ich nachfolgend als zweite Überlieferung bezeichnen möchte) gibt es keine christlich-ritterlichen Ideale mehr. Die bürgerliche Fechtkunst unterscheidet sich deutlich von der ritterlichen Fechtkunst. Ihr Markenzeichen ist die reine Umsetzung von fechterischem Wissen. Was aber dabei auf der Strecke bleiben sind geistiges Bedürfnis und damit die Tiefe der Kunst. Dies kann man am besten am Verfall des Verständnisses der Fünf Wörter beobachten, welche den Kern der Lehre Liechtenauers darstellen.

• In dieser Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs treten die Marxbrüder als Fechterzunft in Erscheinung. Die Marxbrüder sichern sich das alte Wissen und tradieren es offenbar selber, so gut sie es vermögen. Ihnen ist rasch großer Erfolg zu eigen. Das große Gelingen der Marxbrüder liegt sicherlich in ihrer Organisation als Zunft begründet.

• Zünfte sind seit dem Hochmittelalter bekannt. Als Zünfte werden die Zusammenschlüsse von Handwerkern bezeichnet (bei Kaufleuten lautet der Begriff Gilde). Die älteste schriftlich erwähnte Zunft ist die Bettdeckenweberzunft aus Köln, aus dem Jahre 1149. Zünften zueigen ist eine strikte Kontrolle des Wirtschaftstraums. Außerhalb der Zunft durfte Zunftberufe nicht ausgeübt werden. Zünfte hatten strenge Regel für Ausbildung und Prüfung und legte die Zahl von Gesellen und Meistern in einem Wirtschaftsraum (zumeist eine Stadt) fest.

Frankfurt am Main

◄ Frankfurt am Main war seit dem Hochmittelalter eine freie Reichsstadt und blieb bis 1806 Wahl- und Krönungsstadt des römisch-deutschen Kaisers. In Frankfurt am Main entstand offenbar schon vor über 500 Jahren die erste bekannte Fechtvereinigung nach dem Vorbild der Zünfte und der Bruderschaften. Diese wurde die „Gesellschaft der Marxbrüder“ genannt und kann für das Jahr 1474 in einem Kassen- und Protokollbuch der Stadt Frankfurt nachgewiesen werden.

1552 Sebastian Muenster Cosmographia Frankfurter Fechter

1552 Sebastian Muenster Cosmographia Frankfurter Fechter

• 1487 erhielt die Fechterzunft “Bruderschaft von St. Markus vom Löwenberge” in einen Privilegiumsbrief des Kaisers Friedrich des III das alleinige Recht auf Fechtunterricht und den Titel “Meister des Schwertes”. Jedenfalls wird dieser Nachweis noch heute in Frankfurt am Main verwahrt, möglich ist aber auch Augsburg oder Nürnberg als Entstehungsort (soviel zur Geschichte). Als Wappen führte diese Fechtvereinigung den Löwen des Markus, einen Löwen, welcher um Flügel, einen Heiligenschein und ein Schwert bereichert wurde und kurz den Namen „Marxlöwe“ trug.

• Frankfurt am Main war im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit durchaus ein Kernpunkt der Kampfkünste, wie es vielleicht Hong Kong gegenwärtig im asiatischen Raume ist. Fechtschulen wurden öffentlich gehalten.

Die Marxbrüder

◄ Der Name „Marxbrüder“, leicht unverständlich, ist die Abkürzung für: „Gemeine Bruderschaft unserer lieben Frauen der reinen Jungfrau Mariens und des heiligen und gewaltsamen Himmelsfürsten Sankt Marxen“. Mit Sankt Marxen ist einer der vier Evangelisten, der heilige Markus, bezeichnet. Als Namen der vier Evangelisten (nebst ihrer künstlerischen Entsprechung) sind Matthäus (geflügelter Mensch), Markus (geflügelter Löwe, Marxlöwe), Lukas (geflügelter Stier) und Johannes (Adler) überliefert, in den christlichen Quellen werden Matthäus und Johannes auch mit den gleichnamigen Aposteln gleichsetzt. Einer der wohl noch heute am bekanntesten Mitglieder der Marxbrüder war Hans Talhoffer (welcher nach Vermerk von 1482 der Büchse der Marxbrüder noch Beiträge schuldet).

Federfechter und Marxbrüder 1689

Federfechter und Marxbrüder Quelle: http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2007/7628/

• Regelmäßig zur Herbstmesse trafen sich in Frankfurt am Main die Fechtmeister der Marxbrüder und kürten in geheimer Wahl einen Hauptmann, wie wohl Peter Falkner einer gewesen ist. Dieser Hauptmann mußte von mindestens vier anderen Meistern bestätigt werden. Die Bruderschaft war eine fest eingeschworene Gemeinschaft, das Recht Auszubilden (Lernen) sowie Vorzuführen (Schul halten) und damit Geld zu verdienen erhielt nur, wer durch die Zunft öffentlich zum Meister geprüft wurde. Dazu mußte sich der Anwärter nacheinander mit vier Meistern im Kampfe messen. Wurde er der Waffen als kundig befunden, so kniete er auf das Paratschwert nieder und wurde mit einem Schwerte kreuzweise über die Lenden geschlagen, wonach er zwei Goldgulden für die Bruderschaft auf das Schwert legte (Mitgliedsbeiträge gab es damals also auch).

• Danach wurde der neue Marxbruder in die „Heimlichkeit“ eingewiesen, das heißt er wurde in das geheime und eifersüchtig gehütete besondere Wissen der Fechtmeister eingeweiht. Möglicherweise spielte ein das Lehrgedicht wie das des Johannes Liechtenauers eine zentrale Rolle, dessen Reime mit seinen Leitsprüchen als äußeres Erscheinungsbild dienten, dessen Nutzen aus Erläuterungen (Glossen), Übung unter fachlicher Anleitung und letztlich Merkhilfe als inneres Bild gedient haben könnten. Denn das Fechten konnte noch nie nur mündlich erlernt werden. Nur wer die Fechtlehre als Inbegriff wirklich versteht ist im Stande diese möglichst frei anzuwenden, das war frührer genauso wie heute.

• Fortan durfte der taufrische Marxbruder das Wappen der Bruderschaft führen und im Deutschen Reich das Fechten lehren und vorführen. Viele Fechter reisten vermutlich nur aus diesem Grunde im Herbst nach Frankfurt am Main. Wer ohne von den Marxbrüdern gefreit zu sein Fechtunterricht geben wollte, der wurde alsbald von ihnen „besucht“ und arg zusammengehauen, bis er sich ihnen in die Bruderschaft gab oder gänzlich mit dem Fechten aufhörte.

Die Marxbrüder und Johannes Liechtenauer

• Anbetracht des hohen Status des Langen Schwertes als ritterliche Wehr und als Statussymbol des so genannten Doppelsöldners ist es naheliegend, daß die Marxbrüder sich auf das lange Schwert stützen und sich mit der Fechtlehre des Johannes Liechtenauers beschäftigten (von Hans Talhoffer ist es überliefert). Jedenfalls kommt Liechtenauers Fechtlehre, mit Lehrgedicht in verdeckter Rede und Heimlichkeit, den zünftigen Bestrebungen der Marxbrüder sehr entgegen. Auch die Bürgerschaft ist dem langen Schwerte zugetan. Der Adel hält zu Teilen an den älteren Schwertformen fest.

• Wie es scheint begingen die Marxbrüder den 16. September, passend zur Herbstmesse, als besonderen Feiertag. Es ist möglich, daß es sich dabei um den Todestag des Johannes Liechtenauer handelte, zu dessen Ehren Totenmesse gehalten wurde. Es ist auch gleichermaßen erdenklich, daß die Marxbrüder zuerst in Augsburg gegründet wurden und erst später nach Frankfurt am Main umzogen. Es liegt nahe die Gründung der Marxbrüder zwischen 1450 und 1460 zu vermuten (jedenfalls trägt Hans Talhoffer 1459 im Thott den Marxlöwen um den Hals).

Andere Fechtzünfte: Federfechter und Lukasbrüder

◄ Nach dem Muster der Marxbrüder bildeten sich auch andere Fechtzünfte im Deutschen Reiche. Die erste andere überlieferte Fechtzunft waren 1570 die Veitsbrüder in Prag (Gesellschaft der Freifechter von der Feder von Greifenfels, volkstümlich „Federfechter“).

Federfechter 1644

Federfechter 1644 Quelle: http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2007/7642/

• Die Prager Federfechter untersagten in ihren Freiheitsbriefen das Unterrichten von Juden und Ungetauften. Mitglieder von der Feder, die dagegen verstießen, wurden „abgeschafft“, Meister von den ersten Hauptleuten mit einem Verbot des Schulhaltens für ein Jahr oder einer Geldstrafe belegt. Die Marxbrüder befleißigten sich keiner solcher Diskriminierung, Juden konnten sich offenbar Marxbrüder nennen (so jedenfalls der Vorwurf der Federfechter an die Marxbrüder). Der Rat der Stadt Frankfurt am Main ließ gegen den heftigen Widerstand der Marxbrüder 1575 ebenfalls eine Schule dieser Bruderschaft zu. 1607 erhielten dann die Federfechter dieselben Rechte wie die Marxbrüder.

• Die Lukasbrüder sind eine dritte bekannt gewordene Fechtzunft, auch Luxbrüder (von denen wohl die „Klopffechter“ abstammten, welche auf Jahrmärkten umherzogen). Die Lukasbrüder galten als besonders rauflustig, was mit dem Begriff „hau den Lukas“ auf dem Jahrmarkt zusammenhängen könnte. Oft floß dabei scheinbar auch Blut.

Niedergang der Marxbrüder

◄ Das Fechten wurde in zweierlei Weise gepflegt. Es gab den Unterricht und es wurden Fechtschulen gehalten, was in unserer Zeit als öffentlicher Auftritt im Schaufechten bezeichnet werden würde, um Kunden zu werben. Fechtschulen waren für die Zuschauer offenbar stark anziehend, denn es gibt Aufzeichnungen über Beschwerden, daß die Fechtschulen an Wochenenden den Pfaffen die Leute aus der Kirche zögen. Selbst buhurtmäßige Vergleiche mit den anderen, später entstandenen Fechtzünften sind verbürgt. Leider setzten die Fechtschulen aber auch einen Kreislauf in Gang, welcher zum Untergang der Fechtlehre des Johannes Liechtenauers und der Marxbrüder beitrug. Dieser Kreislauf kann mit dem Wort Vermarktung umrissen werden.

• Die Möglichkeit mit dem Fechten recht gesichert Geld zu verdienen führte zu einem regen Treiben. Leider ging mit den Jahren durch diese Geschäftigkeit die Fechtkunst an sich zugrunde, bis sie eher Jahrmarktauftreten besaß, um schließlich mit dem verstärkten Aufkommen von immer zuverlässigeren Handfeuerwaffen fast vollständig zu vergehen. Fechtschulen der Marxbrüder werden noch bis 1614 erwähnt. Noch 1618 wird Wilhelm Kreußler aus Nassau in Frankfurt ein Marxbruder, aus dem später in Jena an der Universität ein privilegierter Fechtmeister wird. Die letzten Akten der Gesellschaft sind für 1752 bekannt. Die Fechtlehre Johannes Liechtenauers ging im Brauchtum verloren. Sie wird in späteren Fechtbüchern in das Legendäre verklärt, ohne ein echtes Verständnis für ihre Überlieferung und ihre Grenzen aufzuweisen. Die Fechtlehren werden mit Zierrat und Aufputz beschwert (wovor schon um 1389 das GNM 3227a warnt). Fechtbücher, welche auf Johannes Liechtenauers Lehre beruhen, werden offenbar noch bis ins späte 16. Jahrhundert gedruckt, aber dann wird das Schwert als Fechtwaffe verdrängt. Das Rapier, der Degen und der Säbel, welche noch heute im Sportfechten benutzt werden, treten in den Vordergrund.

Heilsbronnerhof zu Nürnberg 1623

Halsbrunnerhof zu Nürnberg 1623 Quelle: http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2007/7646/

• Diese Entwicklung, welche die Fechtkunst zum Spektakel machte (ähnlich heutigen Mittelaltermärkten mit Schaukampf), hatte selbstverständlich ihren Hintergrund. Im Spätmittelalter trat der Bürgerstand, der immer mächtiger werdenden reichsfreien Städte, immer dreister in Bereiche ein, welche vormals dem Adel vorbehalten waren. So auch in den Fechtunterricht und das Recht Waffen zu tragen. Viele Bürger mochten sich wohl nur den Fechtzünfte in die Schul gegeben haben, um öffentlich Waffen tragen zu dürfen. Andere hatten diesen Schritt möglicher Weise erwogen, weil sie an einem Kampfordal teilnehmen mußten (Kampfgerichtsbarkeit) oder weil sie durch ihren Fechtunterricht gerade ein solches gerichtliches Messen verhindern wollten. Somit war für den Fechtmeister, einst adelsgebundener Waffenausbilder, plötzlich eine wachsende Kundschaft verfügbar. Sicher trug für einen Fechtmeister ein adeliger Fechtschüler zu dessen Werbung bei, doch erschlossen sich dem Fechtmeister durch zahlende Bürger gewiß verbesserte Einkommensmöglichkeiten. Vor dieser Zeit des Umbruchs gab es wohl Fahrende (unehrliche Leute), welche mit Fechtauftritten zur Unterhaltung ihr Geld verdienten, und Fechtmeister (ehrliche Leute), welche für ein Auskommen adelige Kämpfer unterrichteten. Der Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen ergab sich aus ihrer Tätigkeit (Erheiterung gegen Waffentauglichkeit), und aus dem Umstand, daß sie Teil einer fest niedergelassenen Gemeinschaft waren (besitzlose Fahrende gegen seßhafte Fechtmeister).

• Die Fahrenden (wie Lohnkämpen und Schirmer) galten mitnichten geradewegs als landschädlich. Aber sie hatten eine Art der Lebensführung gewählt (oder durch Geburt erhalten), welche sie von vornherein besitzlos machte und ihnen damit die Schwurfähigkeit verweigerte. Fechtmeister (Kempffmeister und Schirmmeister) hingegen übten einen Beruf aus, sie waren vollwertige Mitglieder einer Gemeinschaft („eigenen Rauches“). Neben dem Adel konnten Fechtmeister auch durch die Kenntnis der Kampfgerichtsbarkeit und der Vorbereitung auf das Gottesurteil Geld verdienen (nur Adelige und Freie waren für das Kampfordal zugelassen). Doch läuft die Ordaltradition im 15. Jahrhundert eindeutig aus.

• Das Fechten war damalig wohl viel stärker dem Alltag zugehörig, als es die körperliche Auseinandersetzung in unseren Tagen glücklicherweise ist. Heute mutet der Gedanke, mit scharfen Klingen zu fechten, an hellen Wahnsinn an. Mit der Waffen tragenden Bürgerschaft, mit der Kampfgerichtsbarkeit und dem rauhen Alltag des Spätmittelalters aber kann man von einer anderen Sicht der Gewaltanwendung ausgehen. Somit mag der Fechtunterricht für zahlende Bürgerschaften vordergründig durchaus als Gewinn erscheinen.

• Doch hier beginnt meines Erachtens der Scheideweg, welchen die Fechtkunst damals nahm. Fechtkunde für Adel und Kampfordal waren eindeutig auf die Anwendung ausgerichtet. Fechtschulen und öffentliches Gebaren dienten der Schau, der Unterhaltung (ähnlich der Zielsetzung der Fahrenden). Für die Fechtschul, in welcher nicht der Kampf auf Leben und Tod im Vordergrund stand (obschon es an blutigen Unfällen nicht mangelte) galten einfach andere Gesetzmäßigkeiten als für den Zweikampf mit Todesfolge. Ein Fechtmeister kann für den Ernstkampf nicht allzu viele Schüler zugleich unterrichten. Eine Fechtschul hingegen kann große Mengen von Menschen zeitgleich berauschen. Also veränderte sich das Fechten und verließ den Boden seiner frühen Fechtbücher. Um Geld zu verdienen war viel Geklapper und Schaustellerei nötig, nicht aber ein langjähriges Erlernen der Fechtkunst.

• Selbst die Waffe veränderte sich. Das lange Schwert mochte als Sinnbild der fechtenden Bürgerschaften gegolten haben. Aber gegen Ende des 15. Jahrhunderts setzte eine Entwicklung ein, welche das lange Schwert immer schneller immer größer werden lies. Dies mündete im 16. Jahrhundert in den Doppelsöldnern der Landsknechte, welche einen Brief von einem „Meister des Schwertes“ erhalten haben mußten, um ihre Ausbildung zu bestätigen. War kein Brief vorhanden, dann wurde im Felde geprüft.

• Die sehr großen Schlachtschwerter der Doppelsöldner (bis 240 cm lang) sollten angeblich dazu dienen sich in die feindlichen Spießerhaufen einzuwühlen. Ob ein solches Schlagen von Breschen mit diesen Waffen wirklich dienlich war kann ich nicht ermessen, wenn es auch fechterisch möglich ist und der Moral eines Gewalthaufens sicherlich zuträglich war. Doch die Schwerter wurden nach dieser fechterischen Schlachtfeldentwicklung nicht fechttauglicher, sonder noch verquerter. Die unhandlich großen Schlachtschwerter führten bald zu Paradewaffen (Paratschwert), welche keinen wirklichen Kampfwert mehr hatten.

• Somit war es damals mit den Kampfkünsten wie heute: Es gab viel Getrommel und auch die Hatz nach zahlenden Kunden. Leider gab es zu jener Zeit auch die gleichen Betriebsamkeiten, welche auch gegenwärtig der Kampfkunst zu großem Schaden gereichen: Viel ungesundes Marktgeschrei und eine zu vordergründige Jagd nach Geld.

►► Frankfurt am Main, 2009, Richard Cole (Stahl auf Stahl)

  • del.icio.us
  • Digg
  • Webnews.de
  • Facebook
  • MisterWong.DE
  • Google Bookmarks
  • Tipd
  • Tumblr
  • Yahoo! Bookmarks
  • Print
  • email
  • Live
  • Diggita
  • LinkedIn
  • Linkter
  • N4G
  • Netvibes
  • Twitter