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Übungsansatz, Erlernen des Schwertkampfs als Kampfkunst

Bedachtes Üben

◄ Bei Stahl auf Stahl wird stets ein geregelter Unterrichtsablauf angeboten. Es geht in der Kampfkunst nicht um planloses Sammeln von Stücken, Spielen oder Techniken. Auch ist bloßes Herumdengeln und wildes Fuchteln mit den Übungswaffen nicht beabsichtigt. Vielmehr ist es wichtig dem Schüler von Anfang an die Gesetzmäßigkeiten des Fechtens nahe zu bringen. Nur durch das Verständnis einer Lehre, einem Bewußtsein für die Kampfkunst, wird ein Schüler in der Lage sein später Kampfübungen und darnach das Freifechten durchzuführen. Deswegen beginne ich jede Übungsstunde mit einer kurzen Unterredung über die drei Begriffe Fürsorge, Mitgefühl und Respekt.

• Ferner gilt es immer Üben von Anwendungen zu unterscheiden, sonst ist die Entdeckung und Erfahrung der Gesetzmäßigkeiten des Fechtens nicht möglich. Dieser Ansatz ist beim Üben mit Sicherheit der wichtigste. Denn wenn ich das Üben mit der Anwendung durcheinanderwerfe, dann werde ich immer gegen meinen Übungspartner kämpfen, anstatt daß wir gemeinsam wichtige Lernerfahrungen machen. Übungen können nur kooperativ durchgeführt werden, denn Übungen setzen feste Hergänge vorraus. Kampfübungen sind nicht kooperativ. Dies ist der wesentliche Unterschied zwischen Üben und Anwendung.

• Durch bedachtes Üben wird es mir erst möglich ein Bewußtsein für eine fechterische Lage herauszuarbeiten, indem ich lerne immer den Übungspartner, aber auch mich selber wahrzunehmen. Kann ich mich selber nicht wahrnehmen, dann werde ich immer gegen mich selber kämpfen. Es ist kaum möglich gegen sich daselbst und den Gegner zugleich zu kämpfen und zu bestehen. Habe ich beim Üben gelernt mich selber wahrzunehmen und dabei den Partner nicht aus dem Sinne zu verlieren, dann kommt die Zeit, in der ich anfangen kann mit Kampfübungen gegen den Gegner kämpfen zu lernen. Habe ich genug Erfahrungen mit der Anwendung durch Kampfübungen gewonnen, dann kann ich mich an das Freifechten wagen, also das Fechten ohne Absprache und Abfolge.

Langes Schwert

Langes Schwert

• Bei allen Klingenwaffen ist die größte Schwierigkeit beim Üben sicherlich das Klingenbewußtsein. Hier gilt es die Klingenebene mit großer Genauigkeit beständig auf den Übungspartner auszurichten und auch in der laufenden Bewegung den Anstellwinkel der Klinge nachzustellen. Die Klingenebene muß in Schritten von 3-5 Grad gefühlsmäßig verstellt werden können. Dies ist nicht einfach, denn die Klinge ist kein Teil des eigenen Körpers. Nur durch bedachtes Üben wird des mir möglich werden ein Klingenbewußtsein herauszuarbeiten. Ich muß mir zueigen machen, daß meine Hände und Handgelenke ihre gegenwärtige Ausrichtung beständig an meine Wahrnehmung koppeln. Dies ist ein bewährtes Mittel, um eine fortgesetzte Selbstwahrnehmung aufzubauen.

• Beim Ringen wird das Klingenbewußtsein zu „Hand- und Fußbewußtsein“ sowie „Ellbogen- und Kniebewußtsein““. Da ich zwei Arme und zwei Beine habe muß ich beim Ringen erlernen gleich mit vier verstellbaren Ebenen arbeiten zu können, welche in sich selber nochmal geteilt sind (Hand-Ellbogen, Fuß-Knie).

• Bei Stangenwaffen gibt es zu Klingenwaffen eigentlich keinen großen Unterschied, nur daß Stangenwaffen ein vollkommen anderes Schwingungsverhalten als Klingenwaffen besitzen. Stangenwaffen können auch Klingen aufweisen (Hellebarde), was sie Sache nicht einfacher macht. Stangenwaffen fühlen sich grundsätzlich aber mehr wie lebendes Gewebe, also eine Fortsetzung des Körpers, an. Klingenwaffen, mit ihrer hohen Elastizität, kommen mehr als eine vom Leib getrennte Verlängerung der Gliedmaßen daher. Klingenwaffen führen aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften ein viel größeres „Eigenleben“ als Stangenwaffen.

Die Quellen

◄ Ein Historischer Fechter sollte dem Aufbau der historischen Quellen folgen. Die Quellen hängen zumeist einer gewissen inneren Ordnung nach. Es ist nicht dienlich ihre Inhalte durcheinander zu werfen. Diese Vorgehensweise macht viel Mühe, vor allem für den Unterrichtenden, weil außerordentlich viel Arbeit mit der jeweiligen Quelle nötig ist. Aber dies sollte für den Historischen Fechter, der selber unterrichtet, eigentlich Pflicht sein.

HIe hebt sich an meister lichtenawers kunst des fechtens

HIe hebt sich an meister lichtenawers kunst des fechtens, GMN 3227a

• Jede Fechtlehre muß zuerst in dem ihr eigenen Grundgedanken verstanden werden. Unterschiedliche Quellen zu ein und derselben Lehre können sich durchaus stark unterscheiden. Also muß am besten Quelle für Quelle einzeln verstanden, ausgelegt und geübt werden.

Zeitlicher Rahmen

◄ Es ist mir wiichtig die Quellen in ihrer Gesamtheit und ihrem zeitlichen Rahmen zu sehen und ihre gegebene Abfolge zu erhalten. Das Mindeste ist dabei die Trennung von Spätmittelalter und früher Neuzeut (kunsthistorisch: Renaissance), was das Fechten angeht.

• Das Fechten hat sich im Laufe der Jahrhunderte bis heute verändert, was sich selbstverständlich auch in den historischen Zeiten beobachten läßt. Dieser Verlauf ist im Mittelalter am stärksten bei den Fechtlehren zum Langen Schwerte ausgebildet, weil zur dieser Waffen nunmal besonders viele Quellen erhalten sind. Ich kann nur wieder betonen, daß nur eine Blickweise, die Quelle für Quelle einzeln betrachtet, als zielführend bezeichnet werden kann.

Partnerunterricht

◄ Bei Stahl auf Stahl gibt es keinen Frontalunterricht, sondern nur Partnerunterricht. Es steht also nicht ein Vorturner vor einer Gruppe und ruft Kommandos, wie wir es aus der Schule kennen. Bei Stahl auf Stahl sezte ich voll und ganz auf den Ansatz soviel Übungszeit wie möglich dafür zu nutzen, um mit einem Partner zu üben. Und das mit Stahlwaffen, wenn es nicht um das Ringen oder Stangenwaffen geht.

• Nur durch Partnerübungen kann ich ein Gefühl für das Gefecht entwickeln.

So viel Zeit wie möglich mit der Waffe

◄ Es gilt den Übungsablauf dergeart zu gestalten, daß ich möglicht viel Übungszeit mit meiner gewählten Waffe übe. Infolgedessen erfolgt schon das Aufwärmen mit Waffe oder Ringen. Es werden keine Leibesübungen zum Warmmachen verwendet, keine Laufeinheiten, sondern sogleich Waffenübungen oder Ringübungen. Dieser Ansatz unterscheidet sich von der Gliederung der heutigen Sportlehre.

• Beim Warmmachen mit der Waffe steht vor allem der Kraftschluß mit der Waffe und der Kraftfluß in den Bewegungen des gesamten Leibes im Vordergrund. Mit dem Kraftschluß geht auch das Klingenbewußtsein einheit. Wenn man so will, dann machen wir mehr das Schwert warm als den Übenden, denn schon beim Warmmachen gilt es den Kraftfluß durch die Waffe so wenig wie möglich zu behindern. Jedes Bißchen Kraft, daß wir in die Waffe legen, soll so ungehemmt wie möglich durch den Ort der Waffen entladen werden. So werden Bänder, Sehen und Gelenke nicht unnötig verschlissen und es wird von Anfang an ein Höchstmaß an Kraftentfaltung eingeübt.

Buckler und Schwert

Buckler und Schwert

• Ich benutze fünf Übungsmuster für das Aufwärmen, die mit jeder Waffe oder im Ringen verwendet werden können (Schlage, Fange, Streiche, Stich, mit Stößen). Diese Übungsmuster sind auch für den Gebrauch Zuhause geeignet, wenn ich einfach etwas mit der Waffe oder dem Ringen arbeiten möchte und keinen Partner habe. Einjeder kann sich die fünf Übungsmuster nach eigenen Vorlieben zusammenstellen, es handelt sich bei ihnen nicht um feste Abläufe, sondern um Grundgedanken. Die einzige Regel dabei lautet: Einem Kraftfluß durch meinen Leib soll so wenig Widerstand wie möglich entgegengesetzt werden.

• Kann ein Fechter die ersten Bewegungungen mit der Übungswaffe ausführen, dann werden die Bewegungen auf immer mehr Körperteile und deren Gelenke erweitert. Die Bewegung selber wird dabei immer kürzer und kleiner, der innere Hebel, durch den Einsatz von immer mehr Gelenken, wird immer größer. Somit kann der Fechter erlernen die Übungswaffe zur eigenen Deckung immerzu zwischen sich und der Übungswaffe des Übungspartner zu halten. Dies ist nur möglich, wenn die Bewegungen bestmöglich kurz und genau sind, aber dennoch ein Höchstmaß an Kraftentfaltung gewähren.

• Dies einzuüben ist schwerer, als man gemeinhin annimmt. Mit dem fünften Übungsmuster kommt zum Kraftschluß und Kraftfluß noch der Kraftstoß hinzu, so daß der Übende wirklich mit der Gesamtheit des Leibes kraftgespannt fechten lernt.

Kraft und Dehnübungen

◄ In jeder Übungseinheit werden am Ende Kraftübungen durchgeführt, welche von Dehnkräftigung gefolgt werden. Auch bei Kampfübungseinheiten ist am Ende die Dehnkräftigung vorgesehen. Dehnkräftigung ist der Schlüssel zu einer guten Haltung und starken, aber langen und damit dehnbaren Muskeln. Nur mit einer solchen Muskulatur kann ich auf lange Sicht das Historische Fechten betreiben, ohne mir bewegungsbedingte Verletzungen zuzuziehen. Kraftübungen sind für viele Menschen sehr wichtig, um sich erst einmal mit den körperlichen Voraussetzungen des Fechtens zu beschäftigen. Deswegen ist es immer gut mit dem Ringen als erste Lehre zu beginnen, bis man sich die körperlichen Vorraussetzungen für den Waffenkampf erarbeitet hat.

• Dieser Ansatz ist äußerst wichtig und wird leider zu oft vernachlässigt, um mehr Übungszeit für das Fechten zu verwenden. Das Fechten ist aber vielfach nicht gleichseitig, was die Belastung des Körpers (links und rechts) angeht. Auch werden Hand- und Ellbogengelenke großen Verschleißbewegungen unterworfen, wenn ich mich nicht um die Dehnkräftigung kümmere. Verkrampfte Muskeln machen mich im Fechten langsamer und hindern mich daran mit einem Höchstmaß an freigesetzter Energie zu fechten. In späteren Zeiten werden Verkrampfungen, die ich beim Fechten kaum spüre, oft zu bleibenen Schmerzen führen.

Verschiedene Lehren

◄ Abschließend ist zu bemerken, daß ich in Stahl auf Stahl immerzu mehrere Lehren zugleich unterrichte (in der Regel dreie, was ich ein Trivium nenne, oder viere, was ich als Quadrivium bezeichne). Dabei verfolge ich einen einfachen, aber sehr wirksamen Lehransatz: Den der selbsterklärenden Übungen, einerlei welche Lehre behandelt wird. Es werden also immer drei (oder vier) Lehren nebeneinander geübt. Diese Übungsart ist dienlich, um von Anfang an die Wesensmerkmale zu erkennen, welche alle Fechtlehren verbinden. Diese Wesensmerkmale kann man die Fünf Wörter nennen. Man könnte sie auch als den Grund der Kampfkunst anführen.

• Das erste Trivium umfaßt die Lehren vom Ringen, von Buckler und Schwert sowie dem langen Schwerte. Diese drei Lehren sind besonders dazu angetan sich eine belastbare Grundlage im Historischen Fechten zu erarbeiten.

• Nur eine Lehre zu unterrichten kann auch den Unterrichtenden schnell mit einem Tunnelblick ausstatten. Die Schüler werden dem Tunnelblick ohnehin nicht entkommen. Es ist mir lieber, wenn jeder Fechtschüler von Beginn an immer wieder über seinen eigenen Tellerrand hinausschaut, weil es eben auch andere Übende gibt, die sich zur gleichen Zeit am gleichen Orte mit anderen Lehren beschäftigen.

Sprechfenster

Sprechfenster

Der Unterschied zwischen Schülern und Kunden

◄ Stahl auf Stahl ist ganz klar als Fechtschule ausgelegt, nicht als Verein. Als Fechtschule wird es früher oder später kommen, daß Übende Stahl auf Stahl mehr als Kunden wahrnehmen werden und weniger als Schüler. Ich möchte von vorneherein auf den Unterschied zwischen Kunden und Schülern aufmerksam machen, denn es ist für den Betreffenden selber wichtig den Abstand zwischen diesen beiden verschiedenen Auffassungen festzustellen.

• Ein Schüler hat eine gewisse persönliche Beziehung zu seinem Lehrer aufgebaut. Ein Kunde sieht den Lehrer als Dienstleister

• Ein Lehrer fühlt sich seinen Schülern persönlich verpflichtet. Ein Dienstleister versucht seine Kunden zufrieden zu stellen, soweit es die geschäftliche Vereinbarung vorsieht.

► Frankfurt am Main, 2009, Richard Cole (Stahl auf Stahl)

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