Aktuell im Forum

Übungsstände

Übungsstände sind keine Ränge

◄ Die Übungsstände habe ich im Großem und Ganzen eher für mich selber aufgebaut, um dem Unterricht ein Gepräge zu geben. Alle Lehren folgen zu 100 Prozent den angegebenen Quellen, auch in ihrer Reihenfolge. Wenn eine Quelle um weitere Quellen erweitert wird, dann habe ich das ausdrücklich angegeben.

• Meine Ansätze für die Übungsstände sind die Folgenden: Die Lehrinhalte müssen öffentlich zugänglich sein, was mit den Quellen im Internet gegeben ist. Die Lehrinhalte sollen eine erkennbare Beschaffenheit haben, um einen gegliederten Unterricht zu ermöglichen. Die Übungsstände müssen offenkundig sein, was mit dieser Webseite hier vorliegt. Dies wendet sich gegen die Abkapselung und Cliquenbildung. Die Lehrinhalte müssen sachdienlich sein, bei uns Historischen Fechtern müssen sie also quellennah und auf die Anwendung bezogen sein. Zierrat und überflüssige Inhalte müssen unter allen Umständen vermieden werden. Die Lehre soll von den Übenden nicht als überflüssig oder als Last empfunden werden, sondern als Brücke zum Kern der Kunst wahrgenommen werden. Deswegen mag ich keine “Prüfungen”, welche viele Übende ängstigen (Stichwort Prüfungsangst) und abschrecken (Stichwort Prüfungsgebühren). Das Durchschreiten der Übungsstände geschieht im Unterricht.

Buckler und Schwert

Buckler und Schwert

• Darüber hinaus möchte ich mit den Fechterständen einen Rahmen für den professionellen Bereich vorgeben. Hier verhält es sich umgekehrt zu den Befindlichkeiten in der Schülerschaft: Es muß Prüfungen geben, um eine hohe Befähigung zu gewährleisten und einen achtbaren Ausbildungsnachweis erbringen zu können. Fechterstände umfassen mehrere Fechtlehren, sind also viel breitflächiger gestaltet als die Übungsstände, welche sich immer nur mit einer Lehre befassen. Es wird das Gefecht mit ungleichen Wehren eingeübt. Die Anwendung erhält ein viel schwereres Gewicht. Auch muß mit den entsprechenden Quellen in Eigenleistung gearbeitet werden. Die Fechterstände gehen in ihrer Fülle über den Umfang dieser Webseite hinaus, weshalb ich sie an dieser Stelle nur kurz anschneiden möchte.

• Meine Ansätze für die zu erlernenden Fähigkeiten sind die Folgenden, einerlei ob Übungs- oder Fechterstände: Es müssen Fähigkeiten abgerufen werden, nicht geistiger Ballast. Bei uns historischen Fechtern kann das nur über die Kampffähigkeit und das Fühlen geschehen. Alles andere tritt in den Hintergrund. Jeder Prüfungsinhalt sollte sich über zwei oder drei wichtige Punkte selber beschreiben. Es gilt nicht ganze Traktate im Kopfe zu haben. Die Anwendung muss immer im Vordergrund stehen. Dazu gehört auch eine gewisse Belastung beim Abrufen. Es ist sehr wichtig, zwischen Üben und Anwendung zu unterscheiden, um angstfrei üben zu können. Ist eine gewisse Stufe der Fähigkeit erreicht, dann können Kampfübungen und schwere Belastungen sinnvoll sein. Zu früh schädigen sie jedoch den Lernerfolg. Alle Fähigkeiten sollten wiederkehrend unterrichtet werden, sie sollen auf sich beständig steigernden Stufen vermittelt werden. Es ist müßig bloß einen Lehrplan „durchzuprügeln“.

Die sieben Übungsstände

◄ In den sieben Übungsständen gibt es keine Titel und keine „Meister“. Es geht nur um die jeweilige Lehre und die Überlieferung aus der Quelle. Jeder Übungsstand umfaßt vier Abschnitte, die alle gleich wichtig sind. Es geht bei den Übungsständen nicht um Bestehen oder Durchfallen in einer vordergründigen Prüfung, sondern um ein echtes Bewußtsein für die Kampfkunst. Somit sind die Übungsstände nicht als Schwellen, sondern als Wegpunkte zu verstehen.

• Die Anwartschaft beginnt in Übungsstand Eins dient nur dazu den Übenden besser kennen zu lernen und abzuwägen, ob dieser sich für die Lehre als verantwortungsvoll genug erweißt. Nicht jeder Mensch ist für die Kampfkunst geschaffen. „Irschrikstu gerne / keyn fechten nymmer lerne“ (GNM 3227a, Blatt 18v). Mit dem Erreichen von Übungsstand Zwei gilt die Anwartschaft als beendet. Außerdem ist mit dem Erreichen von Übungsstand Zwei ein Zugang zu den Kampfübungen möglich, welcher zuvor für den Übenden nicht allzu förderlich wäre.

Übungsstände des Ringens

◄ Die Quelle für das Ringen nach Johannes Liechtenauer ist das GNM 3227a. Die Quelle für das Ringen nach Andre Lignitzer ist das 44A8, „Peter von Danzig“. Die Quelle für das Ringen nach Meister Ott ist das 44A8, „Peter von Danzig“. Die Quelle für das Ringen nach Hans Talhoffer ist das Thott 290 2° und das Cod. Icon 394a.

• Als Maßgabe für das Ringen nehme ich in erster Linie die Ringlehre von Andre Lignitzer mit ihrer Analogie zu den 17 Hauptstücken des langen Schwertes. Die Grundlage dieser Ringen von Andre Lignitzer liegt in Johannes Liechtenauers 12 Falle oder Weisen und 9 Ringen.

Übungsstand Eins
Beginn der Anwartschaft, keine Teilnahme an den Kampfübungen möglich.

  1. Die Fünf Wörter: Übungen des Vor.
  2. Andre Lignitzer: Die Ringen 1 bis 3.
  3. Anwendung: Ringen 1, schneidende Ellen.
  4. Lehre: Was ist Historisches Ringen?

Übungsstand Zwei

Beenden der Anwartschaft mit Übungsstand Zwei, Teilnahme an den Kampfübungen möglich.

  1. Die Fünf Wörter: Übungen des Nach.
  2. Andre Lignitzer: Die Ringen 4 bis 6.
  3. Anwendung: Die Ringen 1 bis 3, schlagende Ellen.
  4. Lehre: 3-5 Fragen aus den Grundlagen des Fechtens, ohne ergänzende Erklärung. Was bedeutet „Fürsorge, Mitgefühl und Respekt“ für meinen Übungspartner?

Übungsstand Drei

  1. Die Fünf Wörter: Übungen der Stärke.
  2. Andre Lignitzer: Die Ringen 7 bis 10.
  3. Anwendung: Die Ringen 4 bis 6, stoßenden Ellen.
  4. Lehre: 3-5 Fragen aus den Grundlagen des Ringens, mit ergänzender Erklärung.

Übungsstand Vier

  1. Die Fünf Wörter: Übungen der Schwäche.
  2. Johannes Liechtenauer: 12 Fallen oder Weisen und 9 Ringen.
  3. Anwendung: Die Ringen 7 bis 10. Langsames Freiringen mit Abzug, stoßende Finger.
  4. Lehre: 3-5 Fragen aus den Grundlagen des Fechtens, mit eingehender Erklärung.

Übungsstand Fünf

  1. Die Fünf Wörter: Übungen des Indes.
  2. Meister Ott, alle Ringen
  3. Anwendung: 12 Fallen oder Weisen und Ringen, Mittelschnelles Freiringen mit Abzug, schneidende Beine.
  4. Lehre: 3-5 Fragen aus den Grundlagen des Fechtens, mit ausführlicher Erklärung.

Übungsstand Sechs

  1. Die Fünf Wörter: Vor, Nach, Stärke, Schwäche, Indes in freien Übungen verdeutlichen.
  2. Hans Talhoffer, alle Ringen
  3. Anwendung: Alle Ringen von Meister Ott. Schnelles Freiringen mit Abzug. Langsamer Bodenkampf, schlagende Beine.
  4. Lehre: Vor, Nach, Stärke, Schwäche, Indes erklären.

Übungsstand Sieben

  1. Die Fünf Wörter: Nachweis der Kampffähigkeit.
  2. Alle Ringen von Andre Lignitzer, Johannes Liechtenauer, Meister Ott und Hans Talhoffer in Wiederholung.
  3. Anwendung: Schneller Bodenkampf. Kampf gegen mehrere Gegner, stoßende Beine.
  4. Lehre: Rechtlicher Hintergrund, Psychologie des Ringens.

Übungsstände des Langen Schwertes

Langes Schwert

Langes Schwert

◄ Die Quelle für das Fechten mit dem langen Schwerte nach Johannes Liechtenauer ist das GNM 3227a. Als zusätzliche Quelle für das Fechten mit dem langen Schwerte nach Johannes Liechtenauer dient das 44A8. Die Quelle für das Fechten mit dem langen Schwerte nach Hans Talhoffer ist das Thott 290 2° und das Cod. Icon 394a.

Übungsstand Eins

0. Beginn der Anwartschaft, keine Teilnahme an den Kampfübungen möglich.

  1. Die Fünf Wörter: Übungen des Vor.
  2. Johannes Liechtenauer: Der Zornhau mit seinen Stücken.
  3. Anwendung: Zornhau-Ort und Oben abnehmen.
  4. Lehre: Was ist Historisches Fechten mit dem langen Schwerte? Benennung der Waffenteile.

Übungsstand Zwei

Beenden der Anwartschaft mit Übungsstand Zwei, Teilnahme an den Kampfübungen möglich.

  1. Die Fünf Wörter: Übungen des Nach.
  2. Johannes Liechtenauer: Der Krumphau und der Twerhau mit seinen Stücken.
  3. Anwendung: Der Zornhau mit seinen Stücken.
  4. Lehre: 3-5 Fragen aus den Grundlagen des Fechtens, ohne ergänzende Erklärung. Was bedeutet „Fürsorge, Mitgefühl und Respekt“ für meinen Übungspartner?

Übungsstand Drei

  1. Die Fünf Wörter: Übungen der Stärke.
  2. Johannes Liechtenauer: Der Schielhau und der Scheitelhau mit seinen Stücken.
  3. Anwendung: Der Krumphau und der Twerhau mit seinen Stücken.
  4. Lehre: 3-5 Fragen aus den Grundlagen des Fechtens, mit ergänzender Erklärung.

Übungsstand Vier

  1. Die Fünf Wörter: Übungen der Schwäche.
  2. Johannes Liechtenauer: Die Vier Huten, die Vier Versetzen, das Nachreisen.
  3.  Anwendung: Der Schielhau und der Scheitelhau mit seinen Stücken. Langsames Freifechten mit Abzug.
  4. Lehre: 3-5 Fragen aus den Grundlagen des Fechtens, mit eingehender Erklärung.

Übungsstand Fünf

  1. Die Fünf Wörter: Übungen des Indes.
  2. Johannes Liechtenauer: Das Überlaufen, das Absetzen, das Durchwechseln.
  3. Anwendung: Vier Huten, Vier Versetzen, Nachreisen. Mittelschnelles Freifechten mit Abzug.
  4. Lehre: 3-5 Fragen aus den Grundlagen des Fechtens mit dem langen Schwerte, mit ausführlicher Erklärung.

Übungsstand Sechs

  1. Die Fünf Wörter: Vor, Nach, Stärke, Schwäche, Indes in freien Übungen verdeutlichen.
  2. Johannes Liechtenauer: Das Zucken, das Durchlaufen, das Abschneiden.
  3. Anwendung: Überlaufen, Absetzen, Durchwechseln. Schnelles Freifechten mit Abzug. Langsames Ringen am Schwerte.
  4. Lehre: Vor, Nach, Stärke, Schwäche, Indes erklären.

Übungsstand Sieben

  1. Die Fünf Wörter: Nachweis der Kampffähigkeit.
  2. Johannes Liechtenauer: Das Händdrücken, das Hängen, die Winden. Das Fechten mit dem langen Schwerte nach Hans Talhoffer im Zusammenhang mit Johannes Liechtenauer.
  3. Anwendung: Alle 17 Fechten. Schnelles Ringen am Schwerte. Kampf gegen mehrere Gegner.
  4. Lehre: Rechtlicher Hintergrund, Psychologie des Fechtens mit dem langen Schwerte.

Übungsstände des Buckler und Schwertes

Buckler und Schwert

Buckler und Schwert

◄ Die Quelle für das Fechten mit Buckler und Schwert nach Liutger ist das I33. Die Quelle für das Fechten mit Buckler und Schwert nach Andre Lignitzer ist das 44A8.

Übungsstand Eins

 Beginn der Anwartschaft, keine Teilnahme an den Kampfübungen möglich.

  1. Die Fünf Wörter: Übungen des Vor.
  2. Liutger: Das 1. bis 8. Spiel (Erste Hut und Krucke).
  3. Anwendung: Das Erste Spiel.
  4. Lehre: Was ist Historisches Fechten mit Buckler und Schwert? Benennungen der Waffenteile.

Übungsstand Zwei

Beenden der Anwartschaft mit Übungsstand Zwei, Teilnahme an den Kampfübungen möglich.

  1. Die Fünf Wörter: Übungen des Nach.
  2. Liutger: Das 9. bis 16. Spiel (Zweite und Dritte Hut).
  3. Anwendung: Das 1. bis 8. Spiel
  4. Lehre: 3-5 Fragen aus den Grundlagen des Fechtens, ohne Erklärung. Was bedeutet „Fürsorge, Mitgefühl und Respekt“ für meinen Übungspartner?

Übungsstand Drei

  1. Die Fünf Wörter: Übungen der Stärke.
  2. Liutger: Das 17. bis 20. Spiel (Vierte, Fünfte und Sechste Hut).
  3. Anwendung: Das 9. bis 16. Spiel.
  4. Lehre: 3-5 Fragen aus den Grundlagen des Fechtens, mit ergänzender Erklärung.

Übungsstand Vier

  1. Die Fünf Wörter: Übungen der Schwäche.
  2. Liutger: Das 21. bis 25. Spiel (Siebte Hut).
  3. Anwendung: Das 17. bis 20. Spiel. Langsames Freifechten mit Abzug.
  4. Lehre: 3-5 Fragen aus den Grundlagen des Fechtens, mit eingehender Erklärung.

Übungsstand Fünf

  1. Die Fünf Wörter: Übungen des Indes.
  2. Liutger: Das 26 bis 34. Spiel (Fiedelbogen, Priesterhut).
  3. Anwendung: Das 21. bis 25. Spiel. Mittelschnelles Freifechten mit Abzug.
  4. Lehre: 3-5 Fragen aus den Grundlagen des Fechtens, mit ausführlicher Erklärung.

Übungsstand Sechs

  1. Die Fünf Wörter: Vor, Nach, Stärke, Schwäche, Indes in freien Übungen verdeutlichen.
  2. Liutger: Das 35. bis 40. Spiel (alle sieben Huten, die Priesterhut und die Zweite Hut auf der Schulter).
  3. Anwendung: Das 26. bis 34. Spiel. Schnelles Freifechten mit Abzug. Langsames Ringen mit Schwert und Buckler.
  4. Lehre: Vor, Nach, Stärke, Schwäche, Indes erklären.

Übungsstand Sieben

  1. Die Fünf Wörter: Nachweis der Kampffähigkeit.
  2. Liutger: Alle 40 Spiele. Das Fechten mit Buckler und Schwert von Andre Lignitzers im Zusammenhang mit Liutger.
  3. Anwendung: Alle 40 Spiele. Schnelles Ringen mit Schwert und Buckler. Kampf gegen mehrere Gegner.
  4. Lehre: Rechtlicher Hintergrund, Psychologie des Fechtens mit Schwert und Buckler.

Frankfurt am Main, 2009, Richard Cole (Stahl auf Stahl)

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