Historisches Fechten

Warum Historisches Fechten erlernen?

◄ Die Frage, warum man Historisches Fechten erlernen sollte, stellen sich viele Menschen, wenn sie zum ersten Mal davon hören. Hat Historischen Fechten einen Nutzen? Lohnt es sich Zeit, Schweiß und Geld in das Historische Fechten zu investieren? Dazu fallen mir fünf Stichworte ein: Freude, Bewegung, Konfliktbewältigung, Entscheidungsfähigkeit und Kulturwerte.

Freude

◄ Historisches Fechten macht Spaß, weil man immer mit dem Übungspartner zusammen an einem gemeinsamen Ziel arbeitet: dem Erlernen der Fechtkunst. Diese Absicht Schritt für Schritt in die Tat umzusetzen erzeugt große Befriedigung, denn erst wenn man an einem Ziel stetig arbeitet erkennt man seinen langfristigen Wert. Die Freude an der Bewegung wird im Historischen Fechten verdichtet, denn nur im Spannungsfeld zweier Übungspartner kann sich die Historische Fechtlehre entfalten.

Schwertkampf Seminar: Langes Schwert und Spaß dabei

Schwertkampf Seminar: Langes Schwert und Spaß dabei

• Stellen sich die Erfolge ein, dann wird jedem Fechter schnell klar, daß mein Erfolg auch der Erfolg meines Übungspartners ist. Das Beste am Historischen Fechten sind die Weggefährten. Nur mit anderen Fechtern zusammen läßt sich das Historische Fechten erfahren, durchleben und letztlich verinnerlichen.

Bewegung

◄ Streß kennen wir alle, doch zumeist ist der Streß in unserer heutigen Lebenswirklichkeit einseitig und damit zerstörerisch. “Den Kopf leer bekommen” ist ein Ausdruck unserer Tage. Bewegung und der damit verbundene körperlicher Ausgleich sind ein starkes Gegengewicht zu den einseitigen Belastungen unserer Arbeitsumstände. Historisches Fechten fordert immer den ganzen Körper, keine Bewegung kann auf Teilbereiche des Bewegungsapparats isoliert werden.

• Überdies wird man beim Historischen Fechten die Möglichkeiten und Grenzen des eigenen Körpers kennen lernen. Den Kraftschluß des eigenen Körpers zu finden und den Kraftfluß zu ermöglichen ist ein ganz eigenes Gefühl, welches wir heute, in unserer hochtechnologischen Gesellschaft, nicht oft erleben.

Konfliktbewältigung

◄ Die Kampfkunst beinhaltet Konfliktbewältigung. Einerlei ob als Selbstverteidigung im Alltag, als Selbstbehauptung im Arbeitsleben oder als Selbstverwirklichung gegen Widerstände, die Kampfkunst ist es, mit der ich diese Verhalte abbilden kann. Habe ich gelernt den Verhalt abzubilden und zu durchdenken, dann kann ich an Lösungen arbeiten, die das Problem an der Wurzel packen. Ziel in der Kampfkunst ist es immer mit möglichst wenig Aufwand eine optimale Wirkung zu erzielen.

Konflikte können körperlicher, aber auch abstrakter Natur sein.

Entscheidungsfähigkeit

◄ Die Idee, die Geschehnisse in einem Kampf oder jeder anderen Konfliktsituation, auf einer rein geistigen Eben betrachten zu wollen, klingt zunächst etwas abgehoben. Bei näherer Betrachtung wird jedem Fechter aber schnell bewußt, daß ohne eine Art Leitfaden für Entscheidungen dem Fechter eine absolute Informationsanarchie droht. Was macht der Gegner, was mache ich, wie viele Möglichkeiten bieten sich dem Gegner, wie schnell muß ich mich entscheiden? Kann ich mich überhaupt entscheiden? Die Fünf Wörter, als Abstraktion des Kampfgeschehens, stellen den Übenden vor ganz eigene Anforderungen.

• Allerdings gibt es auch für die feinste Abstraktion eine Grenze.  Im Grunde sind Fünf Wörter eigentlich nur Begriffsscheidungen von Vorgehen im fechterischen Geschehen, die man erfahren und fühlen muß, um sie zu vergeistigen. Es steht zuerst die abstrakte Idee für sich allein. Durch fechterisches Üben und als Struktur wird sie körperlich und geistig begriffen. Habe ich diese Schritte vollzogen und mir ein wirkliches Bewußtsein für den Konflikt angeeignet, dann steht sie wieder da: die Idee in ihrer vollen Klarheit, welche zur richtigen Entscheidung befähigt und im Kampf den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmacht.

Kulturwerte

◄ Im Historischen Fechten treffen wir auf eines der letzten Überbleibsel der christlich-abendländischen Ritterlichkeit.  Faktisch existiert immer noch der unleugbare Drang des Menschen zur Aggression, Waffentat und damit zur Gewalt als Fortsetzung der Politik oder in der persönlichen Auseinandersetzung. Dies ist tief in unserer Kultur verwurzelt. Und unsere Kultur hat schon im Mittelalter versucht auf diesen Umstand mäßigende Antworten zu finden. Eine Antwort ist das christlich-ritterliche Ideal mit seinen allgemein gültigen Kulturwerten. Das Historische Fechten kann uns durch seinen engen Bezug zu den mittelalterlichen Quellen ritterlicher Kampfkunst auch heute noch viele wertvolle Einsichten vermitteln: Standhaftigkeit, Mäßigung, Gerechtigkeit, Mitgefühl, Mut und Verlässlichkeit.

►► Frankfurt am Main, 2010, Richard Cole (Stahl auf Stahl)

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