Wer hat den Palus erfunden?

Die antike Gladiatur, mit dem Schwerpunkt auf dem fechterischen Aspekt, ist ein weites Feld für das Rekonstruktionsfechten.

Re: Wer hat den Palus erfunden?

Beitragvon Olaf Küppers » Donnerstag 4. Februar 2010, 14:21

So und hier noch etwas zur (hobby-) gladiatorischen Nutzung des Palus von Juvenal.
Zunächst zwei englische Übersetzungen:

Who has not seen the dummies of wood they slash at and batter
Whether with swords or with spears, going through all the manoeuvres?
These are the girls who blast on the trumpets in honour of Flora.
Or, it may be they have deeper designs, and are really preparing
For the arena itself. How can a woman be decent
Sticking her head in a helmet, denying the sex she was born with?
Manly feats they adore, but they wouldn’t want to be men,
Poor weak things (they think), how little they really enjoy it!
What a great honour it is for a husband to see, at an auction
Where his wife’s effects are up for sale, belts, shin-guards,
Arm-protectors and plumes!
Hear her grunt and groan as she works at it, parrying, thrusting;
See her neck bent down under the weight of her helmet.
Look at the rolls of bandage and tape, so her legs look like tree-trunks,
Then have a laugh for yourself, after the practice is over,
Armour and weapons put down, and she squats as she used the vessel.
Ah, degenerate girls from the line of our praetors and consuls,
Tell us, whom have you seen got up in any such fashion,
Panting and sweating like this? No gladiator’s wench,
No tough strip-tease broad would ever so much as attempt it.

Why need I tell of the purple wraps and the wrestling-oils used by women? Who has not seen one of them smiting a stump, piercing it through and through with a foil, lunging at it with a shield, and going through all the proper motions?--a matron truly qualified to blow a trumpet at the Floralia! Unless, indeed, she is nursing some further ambition in her bosom, and is practising for the real arena. What modesty can you expect in a woman who wears a helmet, abjures her own sex, and delights in feats of strength ? Yet she would not choose to be a man, knowing the superior joys of womanhood. What a fine thing for a husband, at an auction of his wife's effects, to see her belt and armlets and plumes put up for sale, with a gaiter that covers half the left leg; or if she fight another sort of battle, how charmed
you will be to see your young wife disposing of her greaves! Yet these are the women who find the thinnest of thin robes too hot for them; whose delicate flesh is chafed by the finest of silk tissue. See how she pants as site goes through her prescribed exercises; how she bends under the weight of her helmet; how big and coarse are the bandages which enclose her haunches; and then laugh when she lays down her arms and shows herself to be a woman! Tell us, ye grand-daughters of Lepidus, or of the blind Metellus, or of Fabius Gurges, what gladiator's wife ever assumed accoutrements like these? When did the wife of Asylus1 ever gasp against a stump?

Die Stelle im Original:
endromidas Tyrias et femineum ceroma
quis nescit, uel quis non uidit uulnera pali,
quem cauat adsiduis rudibus scutoque lacessit
atque omnis implet numeros dignissima prorsus
Florali matrona tuba, nisi si quid in illo
pectore plus agitat ueraeque paratur harenae?
quem praestare potest mulier galeata pudorem,
quae fugit a sexu? uires amat. haec tamen ipsa
uir nollet fieri; nam quantula nostra uoluptas!
quale decus, rerum si coniugis auctio fiat,
balteus et manicae et cristae crurisque sinistri
dimidium tegimen! uel si diuersa mouebit
proelia, tu felix ocreas uendente puella.
hae sunt quae tenui sudant in cyclade, quarum
delicias et panniculus bombycinus urit.
aspice quo fremitu monstratos perferat ictus
et quanto galeae curuetur pondere, quanta
poplitibus sedeat quam denso fascia libro,
et ride positis scaphium cum sumitur armis.
dicite uos, neptes Lepidi caeciue Metelli
Gurgitis aut Fabii, quae ludia sumpserit umquam
hos habitus? quando ad palum gemat uxor Asyli?

Warum die erste Übersetzung den Speer hinzudichtet weis ich nicht, aber im Original ist nur von "rudibus scutoque" also Holzschwert und Schild die Rede.
Beide Übersetzungen beschreibend as Training aber als "alle Manöver/Bewegungen durchgehen" was einen Ablauf oder zumindest vorgegebene Bewegungen impliziert.
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Re: Wer hat den Palus erfunden?

Beitragvon Richard Cole » Donnerstag 4. Februar 2010, 18:21

Junkelmann/ Gladiatoren (neue Ausgabe), Seite 20/21.

Auf Seite 20 ein Grabrelief (abb. 19), der Secutor Bato hat seinen Helm auf den Palus gestellt. Aber der Mann posiert für die Darstellung.

Auf Seite 20 sieht der Palus zudem wie ein lebender Baum mit Wurzelwerk aus, der von Ästen befreit und auf die richtige Höhe (um 6 Fuß) gestutzt ist. Sicherlich würde ein solcher Baum das Maximale an Stabilität liefern.

Auf Seite 21(Abb. 21) sieht man einem Murmillo beim Üben am Palus. Der Murmillo trägt seinen Helm auf dem Kopfe, der Palus ist unbehelmt. Auf Seite 21 hat der Murmillo einen Palus vor sich, der ganz sicher nicht über Wurzeln verfügt, sonder auf einer Art Fuß steht. Ich tippe auf Eisen oder Bronze.

Nebenbei: Diese Mosaik war die Vorlage für unseren portablen Palus.

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Re: Wer hat den Palus erfunden?

Beitragvon Olaf Küppers » Freitag 5. Februar 2010, 09:35

Das Bild, das ich weiter oben verlinkt habe, findet sich auch im Junkelmann ein paar Seiten weiter.
http://gladiator.zeman.ch/content/gladiatoren2/abb16.jpg
Es entspricht in seiner Komposition sehr dem vom Batou, beide sind Grabreliefe wenn ich mich recht erinnere.
Hier könnte bewust der Helm auf den Pfahl verlegt worden sein, um den Kopf des Toten zusammen mit seiner Waffengattung zu zeigen, denn der Helm ist ja das ausschlaggebenste Zeichen für die Waffengattung.

Das Mosaic scheint da "lebensnaher".
Auch Juvenal spricht davon, das der Helm beim Training auf die Schultern drückt, wobei er dadurch ja wiederum die "schwäche" der Frauen hervorheben will, also sich hier vieleicht künstlerische Freiheiten herausnimmt.

Laut Junkelmann gehören alle drei Darstellungen ins 2 bis 3 JH.
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Re: Wer hat den Palus erfunden?

Beitragvon Richard Cole » Samstag 6. Februar 2010, 19:00

Man muß sich auch, glaube ich, den monetären Wert eines Metallhelms für die Gladiatur in Erinnerung rufen.

Für uns ist Metall heute so gewöhnlich, daß wir darüber wenig ins Grübeln kommen. Dennoch schlagen nur wenige Fechter ihre Metallhelme absichtlich kaputt, wenn sie sie als Übungsziele verwenden.

Ich kann mir nicht Vorstellen, daß jemand ernsthaft auf den Palus einen teuren Bronze- oder Eisenhelm aufzieht, um dann mit einem Holzschwert darauf herumzuhauen. Außerdem bekäme es dem Rudis auch nicht sehr gut.

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Re: Wer hat den Palus erfunden?

Beitragvon Olaf Küppers » Montag 8. Februar 2010, 10:48

Das ist ein Argument.
Wobei die Helme warscheinlich Eigentum des Lanista, also des Schulenbesitzers waren, und nicht dem Gladiator selbst gehörten.
Zumindest deutet die Auswertung der Kerbinschriften auf den Rüstungsteilen im Junkelmann darauf hin.
Vieleicht waren die Helme ja auch aufgepflanzt um den geschützten Bereich des Gegners am Palus zu verdeutlichen, denn weder mit einem Holzschwert noch mit Eisen ist ein Angriff auf einen solchen Helm - im gladiatorischen Zusammenhang - wirkungsvoll.
Iritierende Angriffe auf Helm und Visier, mit Waffe oder Schild, wird es natürlich trotzdem gegeben haben.
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Re: Wer hat den Palus erfunden?

Beitragvon Olaf Küppers » Montag 8. Februar 2010, 11:13

Zum Palus und Speer.
Ich finde das der Palus den gegener auf kuze Distanz am besten simuliert.
Man kann ihn umtänzeln, die ideale Reichweite für eine Angriff einschätzen lernen und Trefferzonen wie Gesicht, Hals und Beine sehr genau attackieren lernen.
Die Form Erlaubt zudem sowohl den Stich als auch den Schnitt und den Schlag auszuführen.
Auch den Infight zu üben mit direkter Berührung des Schildrandes zum Pfahl ist sehr gut möglich.

Natürlich läst sich der Pfahl auch für die zweihändige Stangenwaffe oder den einhändig geführten Speer nutzen, doch meiner Meinung nach nur eingeschränkt.
Auch versuche ich mit solchen Waffen aus der Distanz zu bleiben, für die der Palus als Trainingsinstrument ideal geeigent ist.
Meine Ansicht liegt vieleicht auch an meinen bisherigen Erfahrungen, aber ich habe gemerkt das mit Schwert und Schild auf kurzer Distanz wesentlich aktiver am Pfahl trainiert wird als mit Dreizack oder Speer.
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Re: Wer hat den Palus erfunden?

Beitragvon Richard Cole » Montag 8. Februar 2010, 20:56

Du mußt Dich mal mit dem Zornhau-Ort Komplex vertraut machen, Olaf. Das ist eben der Vorteil, wenn man sich seitenweise mit historischen Fechtlehren zutexten kann, wie es im Spätmittelalter der Fall ist.

Das können wir mal versuchen, wenn ich Dich besuche. Ich glaube, daß man damit viel von der Sticharbeit römischer Fechterei verständlich darstellen kann. Vor allem, wenn der Schild als Kontaktpunkt für das eingängliche Band dient.

Allerdings hat natürlich der reine Stich einen hohen Stellenwert, wenn man die stechende Waffe mit dem Schild in der Bewegung koordinieren kann. Stechen ohne begleitende Schildarbeit halte ich in den meisten Fälle für gefährlich (für den Fechter selber, nicht für den Gegner).

Mit dem Speer kann man unglaublich viel am Palus üben. Man kann fast alle Stücke, die man mit einhändigen Klingenwaffen fechtet, auch mit dem Speer fechten. Dann gibt es eine ganze Bandbreite von Stücken, die dem Speer und keiner andere Waffe zu eigen sind.

Für die Schildarbeit ist es wohl ausschlaggebend wie stark der Palus verankert ist.

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Re: Wer hat den Palus erfunden?

Beitragvon Olaf Küppers » Dienstag 9. Februar 2010, 10:29

Ja bin tatsächlich sehr gespannt auf unseren Austausch.
Was die Stabilität angeht, schreibt Vegetius ja von Eingraben.
Bisher habe ich mit den Phali die ich auf verschiedenen Veranstalltungen hatte kaum Probleme mit der Stabilität sobald sie gut genug im Boden verankert waren.
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