Palus

Die antike Gladiatur, mit dem Schwerpunkt auf dem fechterischen Aspekt, ist ein weites Feld für das Rekonstruktionsfechten.

Palus

Beitragvon Richard Cole » Freitag 11. Dezember 2009, 00:23

Der Palus wurde in der Gladiatur verwendet, als auch in der Legion. sowie auch in ritterlich-mittelalterlichen Quellen.

Es wäre interessant verschiedene Übungen zum Palus herauszuarbeiten, sowie generell über ihn zu diskutieren.

Fechtergruß
„Es gibt stets zwei Endpunkte, zwei Gegensätze. Die Kampfkunst ist die Fertigkeit, welche in ihre Mitte fällt.“
Benutzeravatar
Richard Cole
 
Beiträge: 789
Registriert: Dienstag 24. Februar 2009, 14:38
Wohnort: Frankfurt am Main

Re: Palus

Beitragvon jpk » Montag 4. Januar 2010, 15:15

DOI: 10.1086/507159
Review Article
Buttons and Wooden Swords: Polybius 10.20.3, Livy 26.51, and the Rudis
Michael J. Carter
Brock University

Polybius beschreibt das Training von ehemals gefangenen Soldaten mit Holzschwertern und Speeren mit "Knöpfen" auf den Spitzen, sowie das Rennen in voller Rüstung. Dabei wird auch der Pflock erwähnt. Allerdings meiner Info nach als Stichziel im Schildkampf mit einem Korbschild und nicht als Hiebziel.
Benutzeravatar
jpk
Administrator
 
Beiträge: 646
Registriert: Dienstag 24. Februar 2009, 10:16

Re: Palus

Beitragvon Richard Cole » Montag 4. Januar 2010, 21:21

Hallo Jens,
lese mal Junkelmanns "Gladiatoren" (am besten die jüngste Edition). Massenweise Quellenbezüge zu dem Thema Palus.

Weidenschild und Holzschwert scheinen die Ausbildungswaffen der Legion gewesen zu sein. Weidenschilde findet man auch auf mittelalterlichen Darstellungen zum Thema Palus. Die Weidenschilde scheinen mit Absicht auf die doppelte übliche Schildmasse gebracht worden zu sein.

Vegetius ist ebenfalls ergiebig.

Fechtergruß
„Es gibt stets zwei Endpunkte, zwei Gegensätze. Die Kampfkunst ist die Fertigkeit, welche in ihre Mitte fällt.“
Benutzeravatar
Richard Cole
 
Beiträge: 789
Registriert: Dienstag 24. Februar 2009, 14:38
Wohnort: Frankfurt am Main

Re: Palus

Beitragvon Richard Cole » Mittwoch 27. Januar 2010, 16:05

Hier ein Bild meines ersten portablen Palus (PP). Fechtet sich sehr schön, dank betoniertem Fuß. Der Fuß bricht nicht, weil mit 160mm Eisennägeln bewehrt (entgegen Hermanns Warnung des sofortigen Bruches). Der Fuß muß so um die 35-45 Kg haben, er ist recht hefig.

Der Palus ist herausnehmbar, denn der Fuß besitzt einen zentralen 80mm Tunnel. Ich habe den Tunnel für das Gießen aus 80mm HT-Rohr geferigt, und das HT Rohr mit vier 80mm Rohrschellen bewehrt, um die Spannung des verkeilten Palus abzutragen.

Die vom Boden aus konvexe Form des Fußes ist sehr Vorteilhaft. Deswegen benutzte ich eine Plastikbütt als Gießform.

Palus.JPG


Der Palus hat jetzt schon einige Stunden Üben hinter sich, daß Holz hat schon etwas gelitten. Aber man kann wirklich sehr viel erstaunlich technisch daran üben. Der Holzstamm ist mit 7-8,- Euronen rasch ersetzt.

Ich habe eine 17'er Palus Form gebaut und experimentiere nun fleißig damit.

Fechtergruß
„Es gibt stets zwei Endpunkte, zwei Gegensätze. Die Kampfkunst ist die Fertigkeit, welche in ihre Mitte fällt.“
Benutzeravatar
Richard Cole
 
Beiträge: 789
Registriert: Dienstag 24. Februar 2009, 14:38
Wohnort: Frankfurt am Main

Re: Palus

Beitragvon Eric » Mittwoch 27. Januar 2010, 16:20

Ich habe gute Erfahrungen mit einem (improvisierten) Palus aus gewachsenem Holz gemacht. Der Stamm hat nur ca. 40 mm Durchmesser und schwingt durch die Struktur des Astes sehr stark. Keine Ahnung, ob die Legionäre das auch machen mussten, aber es lassen sich sehr schön Hiebe und Reaktionen auf den Rückprall des Gegners trainieren. Auch Verformungen mit selbst evoziertem Druck (z.B. kleine Krucke <=> FuSuS) oder generell Vorwärtsdruck in Krucke, Halbschild usw. zum Aufbau von Struktur geht sehr gut.
Dummerweise hatten meine im Nachbarhaus wohnenden Eltern nach der Installation des Palus erstmal kein Telefon mehr. Der Mensch von der Telekom konnte sich das gar nicht erklären... :D

Palus.jpg
Palus.jpg (49.43 KiB) 278-mal betrachtet
Stahl auf Stahl - Historisches Fechten Frankfurt am Main
www.stahlaufstahl.de
Benutzeravatar
Eric
 
Beiträge: 151
Registriert: Freitag 6. März 2009, 11:51
Wohnort: Offenbach

Re: Palus

Beitragvon Richard Cole » Mittwoch 27. Januar 2010, 17:17

Ich sehe auf dem Winterpalus Bild seltsame Spuren im Schnee.

Ob das eine Art Untier gewesen ist?

Fechtergruß
„Es gibt stets zwei Endpunkte, zwei Gegensätze. Die Kampfkunst ist die Fertigkeit, welche in ihre Mitte fällt.“
Benutzeravatar
Richard Cole
 
Beiträge: 789
Registriert: Dienstag 24. Februar 2009, 14:38
Wohnort: Frankfurt am Main

Re: Palus

Beitragvon Eric » Mittwoch 27. Januar 2010, 17:23

Ja, wir haben hier Wildsäue im Garten.
Ericus vulgaris ist glaube ich der zoologische Name...
Stahl auf Stahl - Historisches Fechten Frankfurt am Main
www.stahlaufstahl.de
Benutzeravatar
Eric
 
Beiträge: 151
Registriert: Freitag 6. März 2009, 11:51
Wohnort: Offenbach

Re: Palus

Beitragvon Richard Cole » Samstag 6. Februar 2010, 18:21

Hier unsere Palii Massenproduktion.

Ericus und meine Wenigkeit haben die Ärmel nach oben gekrempelt und zementieren fleißig.

Palii-Zement.JPG


Fechtergruß
„Es gibt stets zwei Endpunkte, zwei Gegensätze. Die Kampfkunst ist die Fertigkeit, welche in ihre Mitte fällt.“
Benutzeravatar
Richard Cole
 
Beiträge: 789
Registriert: Dienstag 24. Februar 2009, 14:38
Wohnort: Frankfurt am Main

Re: Palus

Beitragvon jpk » Dienstag 9. Februar 2010, 00:57

Aber Weihnachten ist doch vorbei, was wollt Ihr mit den vielen Christbaumständern :lol: :lol:
Benutzeravatar
jpk
Administrator
 
Beiträge: 646
Registriert: Dienstag 24. Februar 2009, 10:16

Re: Palus

Beitragvon Richard Cole » Dienstag 9. Februar 2010, 17:06

Ein entasteter Christbaum ist auch ein Palus, Jens.

Oder aber, man macht es wie unsere EMMA-Vorfahren und übt mit Palii, die voll beastet und benadelt sind. Man muß sich sozusagen, um sich warm zu machen, bis zum Ast vorarbeiten. Nadeln einzeln abschlagen soll ja eine EMMA-Übung sardisch-germanischer Stammesführer gewesen sein.

Wer gar Herzog werden wollte, so eine Quelle aus dem Subraum, der mußte mit einem Schlage mehr Äste mit der Holzkeule abschlagen, als alle seine EMMA-Mitbewerber. Exegeten und Eschatologen haben daraus später die EMMA-Übung mit dem Schwerte in dem Stein gemacht, wobei das Herausziehen nur für Skalden war, das Hereinstoßen war die wirkliche Kunst.

In der EMMA-Bibliothek habe ich, nach einer langen Nacht Recherche, Hinweise auf die Urform des Schwert in den Stein Stoßens gefunden: Man mußte das Schwert der Länge nach von oben in de Palus, sprich Nadelbaum stoßen.

Damit ist die Baumschule (Ludus Arbor) eine Art germanisches Marsfeld. Und hier schließt sich der Kreis auch:

Salbt man den Nadelbaum, dann wird daraus ein Christbaum, habe ich mal irgendwo gelesen. Dann gleitet die Holzkeule viel eher an den Nadeln und Ästen des Palus ab, was das Üben wiederum erschwert. Fazit: Der Christbaum ist ein vollwertiger Palus.

Fechtergruß

PS:
Mit dieser schriftlichen Arbeit hoffe ich meinen nächsten 1/8' tel Grad EMMA Meister abzulegen. Ich schicke Dir die Tage noch mein KFZ als Prüfungsgebühr vorbei.
„Es gibt stets zwei Endpunkte, zwei Gegensätze. Die Kampfkunst ist die Fertigkeit, welche in ihre Mitte fällt.“
Benutzeravatar
Richard Cole
 
Beiträge: 789
Registriert: Dienstag 24. Februar 2009, 14:38
Wohnort: Frankfurt am Main

Nächste

Zurück zu Gladiatur

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste