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Was ist Gladiatur?

General Themes of HF - Themen der Historischen Bewegungskultur.

Was ist Gladiatur?

Beitragvon Richard Cole » Montag 20. April 2015, 08:26

Gladiatur - das Wort treibt mich schon lange um.

Was heißt Gladiatur. Angeblich "schwer", also Schwert - was wortbedeutlich völliger Dummfug ist. Schaut man nach dem Artefakt "Gladius", dann findet man einen angeblich keltiberischen Dolch, der wie ein Baselard oder Nierendolch daherkommt. Der Nierendolch hat sogar ein Kreuz aus Holz, von dessen Form er seinen Namen trägt. Damit ist ein Gladius technisch ein Scheibendolch und wird wie ein solcher gefochten.

Außerdem ist die Gladiatur eine Veranstaltung und kein Artefakt.

Schauen wir in das Englische, dass einen Deutschen Dialekt darstellt, werden wir sofort fündig. "Glad" heitß Froh oder Freudig - hat mit dem Deutschem "Glatt" eine gemeinsame Wortherkunft "gladaz" - gatte, nicht rauhe Oberfläche, oder "ghel" - scheinen.

Dann haben wir im Deutschen noch "Gach". "Geil", im Englischen "Gay" - alle bedeuten Freude. Gaudi und "Gaudium" im erfundenen Latein fügen sich ein. Gaudi wird vor allem im Süden des Deutschsprachigen Raums verwandt, genauso wie "Gach".

Schon ist der Begriff Gladiatur erklärt - denn Gladiatur bedeutet Festspiele, Spiele, Freude. Wir nennen das später Schul - Scola. Das können wir auch an Quellen belegen, das I33 nennt das Einhandschwert "Gladius" und der Schüler der Schul wird ebenfalls genannt - der Lehrer ist der Priester/ Preiser. Im I33 gibt es keine Gewaltdarstellungen, die rechten Oberhäue werden mit der Flachseite auf das linke Ohr des Gegners geschlagen - es wird also Schul dargestellt, Gladiatur.

Von der sogenannten Gladiatur erfahren wir, dass vor dem Fechten mit Dolchen mit Holzwaffen gefochten wurde, Prolusio - Vorspiel. Das ist alles die Veranstaltung der Schul. Der Lanista, der Besitzer einer Fechtschule, beschäftigt Doctores - Fechtlehrer. Später wird dieser Begriff für die Lehrer der katholischen Kirche übernommen, Doctores der Kirche. Heute, in der Sprachverwirrung, wird Doktor nicht mehr für Lehrer genommen, sondern für gelehrt.

Also bedeutet Gladiatur Freude, Spiel, Festspiel.

Alle Waffen und Ausrüstungen der Gladiatur sind Waffen aus dem sogenannten Mittelalter, alle Harnischteile auch.

Retiarius
Der Dreizack ist unschwer als Partisane oder Knebelspieß zu erkennen. Dieser wird im "17." Jhd als Ausbildungswaffe für Öffiziere benutzt. Der Dreizack wird auch in China kopiert und ist in der selben Zeit Kreigswaffe, wie in Europa. Das Netz ist unschwer als Mantel zu erkennen - Mantel und Rapier fechten finden wir in den Fechtbüchern von Meyer und Fabris. Der Dolch, Scheibendolch, Baselard, Nierendolch erklärt sich selber. Besonders interessant ist der Schulterschirm des Retiarius - dieser ist Teil der spätgotischen Harnische und wie die Partisane im der "Antike" unbekannt. Der linke Arm trägt Teile eines Gambeson/ Waffenrock. Dieser ist in den Heeren der "Antike" unbekannt.

Thraex
Die Parmula ist ein kleiner Schild und wird sogar zuweilen mit Schildbuckel dargestellt. Damit ist es eine Targe oder ein Buckler und wird entsprechend gefochten. Der Thraex trägt Teile eines Gambeson/ Waffenrock. Da der Buckler das vordere Bein nicht decken kann trägt der Thraex gotische Beinschienen - wie es Bogenschützen auf zahlreichen Darstellungen des MA tragen. Die Sica ist ein Säbel. Der Helm ein Eisenhut.

Mann muss gar nicht weiter graben und Topfhelme und Panzerarmröhren ausgraben, die alle Teile des MA waren und in der Antike unbekannt waren.

Interessant ist noch, dass in den Städten Europas Arenen (Arena heißt Sand, Gries) und katholische Kirchen zuerst außerhalb der Stadtmauern gebaut wurden und erst mit dem Wachsen der Städte in die Umfriedung gelangten.

Die Schul und die karholische Kirche entstehen wahrscheinlich in derselben Zeit und sind damals noch Teil des Christentums oder Urchristentums vor der Reformation.

In der Gladiatur werden die Kriegswaffen der damaligen Zeit in einem Kampfspiel gefochten. Nicht vergessen, dass auch Roßfechten Teil der Veranstaltung ist. In Rösners Fechtgedicht lesen wir, dass die Schul in D-Land nicht tödlich gefochten wird, südlicher der Alpen - ebenfalls Teil des römischen Reichen, wird scharf gefochten. Rösner warnt ausdrücklich davor.

Das Kolusseum in Rom (dem vierten Rom, ehemals Zentrum des Mithras Kult) sehen wir in Darstellungen des "17." Jhds in vollem Betrieb - die Ruinen sprechen auch für ein MA Bauwerk das am Ende des MA zur Familienburg umgebaut wurde. Das Gebaute ist aus weichem Kalkstein gebaut - es hätte niemals 2000 Jahre Regen überstanden, ich habe mir selber die kaum sichtbare Errosion angeschaut.

Dann wissen wir, dass Bronzemetallurgie erst nach dem "15." Jhd bekannt war - so die Aussage von Metallurgen. Die Historiker heute halten sich aber nicht mit solchen Kleinigkeiten auf - die Theologie hat eben ihr eigenes Weltbild.

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Richard Cole
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Re: Was ist Gladiatur?

Beitragvon Richard Cole » Freitag 24. April 2015, 09:51

Noch einen Nachtrag zur Gladiatur.

Heute wird mit der Gladiatur vor allem Nacktheit in Verbindung gebracht, also nackte Haut, dazu Teile von Gambesons und Harnischteile aus Bronze oder Eisen nebst MA Schilden und Waffen.

Hält man sich vor Augen, dass Gladiatur wahrscheinlich Festspiel heißt - dann wird auch klar, was Nacktheit darstellen soll.

Bloßfechten.

Die "heroische" Nacktheit ist das Fehlen von Harnischen - also vollen Gambesons/ Waffenrock und Eisen oder Stahl. Dies ist die Fechtweise des Plänklers, des verlorenen Haufens oder des kleinen Kriegs.

Die Fechter in der Schul tragen eigentlich gar keinen Harnisch, fechten also bloß, technisch entblößt oder nackt. Mann muss sich nur von der erfundenen Antike, dem Alten, trennen, von dem es im "MA" kein Wissen gab, und das Bild wird etwas weniger verschwommen.

Dann haben wir in der Schul mehrere Formen des Fechtens:

1. Fecht mit dem Stahlstreifen/ Fechtfechter/ langem Schwert - es wird nur gehauen. Die Waffe kann nicht schneiden und stechen. Es wird bloß - nackt - gefochten.

2. Fechten über die Stange - es gibt (wie heute im Boxen) kein Einlaufen und Ringen, weil vor den beiden Fechtern eine Stange gehalten wird oder eine Schranke steht. Es wird bloß - nackt - gefochten.

3. Gladiatur - die Fechter tragen für die Veranstaltung Harnischteile, die alle Stelen decken, die beim Angreifen besonders gefährdet sind, also Kopf, Waffenarm und vorderes Bein. Der Rest des Fechters ist bloß - nackt.

4. Roßfechten - die Fechter tragen dabei Harnisch und oder Schild. Gefochten wird mit Speer und Messer/ Schwert. Die Fechter tragen beim Roßfechten Harnisch, sind also nicht bloß - nackt. Das Roßfechten mit Speer wird eigentlich ohne Schild geritten, die heutigen Ideen des Reiten mit Schild und Lanze scheinen eine späte Spezialform des Tjost zu sein, bei dem mit Schranke geritten wird - analog zum Fechten über die Stange.

5. Harnischfechten - die Fechter tragen Funktionsharnisch, der eigentlich zum Fechten mit Blankwaffen nicht erforderlich ist, aber gegen Feuerschußwaffen (Blei- und Steingeschosse) ausreichend Schutz bietet. Der Schild entfällt nicht immer, vor allem im Nahkampf gibt es genug Darstellungen von Harnisch und Schild. Manche "antike" Gladiatoren tragen ganz klar Harnische aus dem "MA", manchmal sogar gotische Harnische und Teile davon.

Für alle diese Gefechte finden sich Darstellungen aus dem "MA". Dies alles ist Schul oder Gladiatur.

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