Wesentliche Teile des Forums stehen nur registrierten und angemeldeten Mitgliedern zur Verfügung.
Du bist herzlich eingeladen, dich bei uns zu registrieren! Weitere Informationen findest du hier.

Meyer und Fabris

General Themes of HF - Themen der Historischen Bewegungskultur.

Meyer und Fabris

Beitragvon Richard Cole » Freitag 3. Januar 2014, 10:30

Nachdem ich Joachim Meyers Werk zu Gänze durchgearbeitet habe ergeben sich eine Menge Erkenntnisse, die Fechten in Ost und West betreffen. Ost habe sich schon beschrieben - Meyers Buch ist, meiner Meinung nach, die Grundlage für die überlieferten ältesten China-KKs (man kann das durch die Gefechte der China-Fechtbücher sehr klar belegen). Aber auch im Westen ist Meyer extrem wichtig. Ich denke, dass Ost und West in Sachen KK eine gemeinsame Quelle haben.

Jetzt aber zu Fabris. Salvator Fabris ("Erlöser Handwerker", "1604/1606", könnte man auch als "Kriegshandwerker" sehen, wenn man weiß wie St-Georg die Schlange erlöst) ist ein vollständiges Exzerpt der beiden Fechtbücher von Meyer (gedruckte Ausgaben "1570" und "1600").

In Meyers Werk kommt alles vor, was Fabris beschreibt - nur deutlich besser beschrieben und ausgeführt. Umgekehrt ist Fabris's Werk eine deutliche Teilmenge von Meyer. Kybernetisch ist Fabris`s Werk also ein Klon von Meyers Werk.

Das beginnt mit den vier Huten von Fabris, die man alle 4 bei Meyer auf Bild B in Reinform sieht. Wahrscheinlich war Fabris wirklich Süddeutscher (Italiener) - und konnte Meyer wahrscheinlich auch im Original lesen. Fabris soll aus Padua gekommen sein und im Alter dorthin zurück gekehrt, um da zu sterben - Padua soll eine alte Stadt sein, welche der" Trojaner Antenor" nach dem Falle "Trojas" gegründet hat . . . Padua gehört zu Venedigs Einflußbereich - die Stadt, die als Wappen den Marxlöwen hat. Und in Venedig werden auch des Evangelisten Markus's Gebeine begraben (teleportiert in eine Säule - ein Wunder). In Fabris`s Todesurkunde kann man übrigens schön das "i" für die 1'ser sehen - ein anderes Thema.

Wichtig ist der Hinweis auf die Antike, weil Meyers und Fabris's Werk voller "antiker" Theaterkostüme sind. Diese Theaterköstume - die Harnische der Antike, werden, wie in dem Weltbild des Mittelalters durchaus üblich, zusammen mit Kanonen, Elephanten, Orgeln mit Windwerk und Fechtwaffen des "15." und "16." Jhds dargestellt. Diese für uns heute schwer verständliche Mischung entspricht dem Weltbild des Mittelalters, welche die Antike eben nicht kennt, nur die jüngere Geschichte.
Fabris bildet sogar Herkules mit Keule als Beschützer der Fechtkunst ab. Der Anfang des 17. Jhds. ist die Zeit, in der die Antike erstmalig erwähnt/erschaffen wird - das ist für unsere Fechtbücher extrem wichtig.

Aber jetzt zu den Gefechten.

Fabris benutzt die dargestellten 4 Huten Meyers als Ausgang für seine Lehre - warum auch immer - und führt selber an, dass es mindestens noch 3 "Bastardhuten gibt - die wir Ochs und Pflug nennen. Diese will er in dem Buch nicht bearbeiten, führt aber an, dass dies an dieser Stelle zu weit führen würde.

Fabris beschreibt, dass Haue wichtig sind - nur eben nicht in einem Zweikampf bis zum ersten Blut, hier will er den Stich haben - was vollkommen richtig ist. Haue sieht Fabris im Harnisch und gegen mehrere Gegner, also im echten Leben, als wichtig an. Dennoch führt Fabris selbst in seinen Gefechten Haue durch.

Fabris bringt Schwert, Schwert und Dolch, Schwert und Mantel als Grundlehre - wie Meyer auch. Meyer zeigt nur deutlich mehr Möglichkeiten und erklärt das Konzept, was Fabris so nicht tut.

Fabris bringt dann als fortgeschrittene Lehre die Gefechte ohne Innezuhalten. Diese, das habe ich schon früher beleuchtet, sind nichts anderes als Liechtenauers Fünf Haue. Alles bei Meyer zu finden.

Dann bringt Fabris eine kleine Abhandlung zum Dolchfechten - wo Meyers ein ganzes System im Dolchen darstellt.

Zuletzt bringt Fabris ein Rätsel - Speer gegen Schwert - das er selber nicht auflöst - und welches angeblich bis heute nicht gelöst ist - wenn man eben Meyer nicht kennt. Der Dummfug ist ein Teil von Meyers dritten Buch und wird bei Meyer deutlich abgehandelt - ohne Rätsel.

Wichtig ist hier zu erwähnen, dass Meyer im ersten Buch Liechtenauer mehrfach nennt - und nicht in der Gegenwartsform. Meyer ist mit Liechtenaues Lehre voll bekannt - Liechtenauers Lehre hat klar einen militärischen Hintergrund, Meyers Gefechte sind für Bürger - wie auch Fabris Gefechte.

Meyer beginnt mit dem bürgerlichen Fechten mit dem Stahlschwert ohne Stich - also Schulfechten, gefolgt vom Dussaken/ Kossaken aus Holz/Leder/Stahl mit Stich und Hieb, also militärischem Nahkampf, gefolgt vom Rapier/Schwert aus Stahl im Stich und Hieb, also militärischen Fechten, gefolgt vom Dolch im militärischen Nahkampf und dann Stangenwaffen als reine Militärwaffen.

Liechtenauer beginnt mit dem reinen militärischem Fechten mit dem Stahlschwert, dann Roßfechten. Harnischfechten und Ringen bringt er nebenher eher kurz - es sind Schnittmengen der beiden ersten Lehren.

Man findet alles was Fabris macht bei Meyer - bei Meyer nur extrem viel mehr und vor allem zu jeder Hut und jeden Namen eine Erklärung.

Auch nennt Fabris das Rapier das Rapier, Meyer nennt sein Rapier das Schwert. Ist also die Frage von welcher Sprache der Name Rapier kommt. Meyer nennt ja auch Lateiner und will seine Fünf Wörter mit deutschen Urwörten erklären - die lateinischen Wörter lehnt er ab. Latein wird um "1600" noch im Entstehen sein, genauso wie die "Antike".

Wichtig ist, das Fabris sein Werk dem dänischen König Christian IV von Dänemark ("1577"- "1648") widment. Er ist damit das erste Fechtbuch, was tatsächlich einem König und nicht Fürsten gewidmet ist.
Das ist extrem wichtig - vor allem für die Astrologie/ Astronomie - was aber hier zu weit führt. Christian IV ist politisch ebenfalls extrem wichtig, als Gewaltherrscher/Tyrann, der den Absolutismus in Dänemark/Norwegen einführt - was direkt zum größten Krieg der Weltgeschichts führt - dem 30-jährigem Krieg.

Was wir heute übersehen - Fabris's Buch soll das erste mit Kupferstich im Druck gewesen sein - Meyers und Fabris's Bücher gehören zu den ersten Büchern, die überhaupt gedruckt werden (nicht Druck mit Wiegedruck verwechseln).

Ich würde mich nicht wundern, wenn Hynitsch`s Ausgabe von Fabris "1677" in Deutsch-Italiensich das Original von Fabris wäre. Denn um "1600" ist "Italienisch" noch im Werden und wird als Sprache noch gebaut. Auch ist das Rückdatieren von Werken eine Mode des 17. Jhds - siehe Kepler.

Die heutige Buchausgabe von Leoni hat auf Hynitsch als Grundlage, nicht das "Original" von Fabris. Auch ist Heinrich Waldkirch, der Drucker von "1606" ein recht deutscher Name.

Das würde auch die Kopie von Meyers Werk bei "Fabris" erklären - und die Entstehung der "italienischen" Fechtbegriffe- die sich ausnahmslos alle bei "Fabris" finden - nebst allen Gefechten, allen Haltungen und allen Taktiken.

Letztlich bringt Fabris keine Fünf Wörter von Aristoteles/ Liechtenauer - was wahrscheinlich auch zu verräterisch gewesen wäre - und erfindet dafür seine Tempolehre - die nichts anderes als eine Kopie der Fünf Wörter ist - reines Meyergefechten, bei dem die Finta, das Vor, das Reizen/ Verführen von Meyer ist.

Fechtergruß
„Es gibt stets zwei Endpunkte, zwei Gegensätze. Die Kampfkunst ist die Fertigkeit, welche in ihre Mitte fällt.“
Benutzeravatar
Richard Cole
Schreiber
 
Beiträge: 3541
Registriert: Dienstag 24. Februar 2009, 14:38
Wohnort: Frankfurt am Main

Zurück zu Allgemein

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Bing [Bot] und 7 Gäste

cron